Bildung

Neue Hochschule steht in den Startlöchern

Prof. Dr. Tanju Aygün von der Europäischen Fachhochschule ist gebürtiger Solinger und arbeitet nun eng mit der Stadt zusammen.
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Prof. Dr. Tanju Aygün von der Europäischen Fachhochschule ist gebürtiger Solinger und arbeitet nun eng mit der Stadt zusammen.

Ab Herbst 2021 will die EUFH zwei Studiengänge anbieten – Beirat gegründet – Standort Ohligs im Gespräch

Von Björn Boch

Solingen. Die Europäische Fachhochschule (EUFH) will in Solingen einen Standort eröffnen. Ab dem Wintersemester 2021/22 sollen zunächst Wirtschaftsingenieurwesen und Wirtschaftsinformatik angeboten werden. Zwischen Stadt und EUFH wurde im September 2019 eine entsprechende Absichtserklärung unterzeichnet. Gestern ist dann bei einer virtuellen Konferenz mit rund 30 Teilnehmern ein Hochschulbeirat gegründet worden, in dem Stadt, IHK sowie Vertreter von Firmen und Schulen beratend tätig sind.

Die EUFH ist eine staatlich anerkannte private Hochschule, die sich auf duale Studiengänge spezialisiert hat. Der Präsident der EUFH, Prof. Dr. Birger Lang, betont „die offene und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung“. Insbesondere Oberbürgermeister Tim Kurzbach engagiere sich sehr stark für einen Hochschulstandort Solingen. „Die bisherige Zusammenarbeit mit den Solinger Unternehmen und dem Sprecherrat der Schulen ist vorbildlich und sucht seinesgleichen. Wir freuen uns auf die weitere gemeinsame Zusammenarbeit“, so Lang.

OB Tim Kurzbach erklärt: „Die EUFH ergänzt und bereichert die Bildungslandschaft unserer Stadt und erhöht ihre Attraktivität für junge, leistungsstarke Nachwuchskräfte.“ Das gelte für Firmen, die schon in der Stadt sind – und solche, die sich zukünftig ansiedeln. „Aufgabe des Beirates ist es, Sorge dafür zu tragen, dass konkrete Anforderungen der heimischen Wirtschaft in die Studienangebote einfließen.“ Viele der Solinger Firmen, die gestern an der Veranstaltung teilnahmen, kooperieren bereits mit der EUFH. Dazu zählen Walbusch, Zwilling und die B. Boll Mediengruppe. Auch die Stadt wird Mitarbeiter an der EUFH ausbilden lassen.

Solingen: Schon mit 20 Teilnehmern könne ein Studiengang beginnen

Ein möglicher Standort sei die Brache an der Hochstraße Ecke Hansastraße in Ohligs, auf der die Traditionsfirma Item ihren dritten Standort baut. „Das ist im Moment die Planung“, sagte Kurzbach im Gespräch mit dem ST vor einigen Tagen. Das würde auch der EUFH entgegenkommen, der bei der Standortwahl eine gute Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel wichtig ist.

„Wir sind an allen Standorten klein gestartet und Schritt für Schritt gewachsen.“

Prof. Dr. Tanju Aygün, EUFH

Warum es wichtig ist, die Firmen im Boot zu haben, erklärt Prof. Dr. Tanju Aygün, der bei der EUFH maßgeblich an der Zusammenarbeit mit der Stadt beteiligt ist. „All unsere Studierenden haben auch einen Praxispartner, eine Firma, in der sie arbeiten.“ Die EUFH sei eine klassische Präsenzhochschule mit „persönlichem Kontakt zu den Studierenden“, betont Tanju Aygün. Schon mit 20 Teilnehmern könne ein Studiengang beginnen. Aygün: „Wir sind an allen Standorten klein gestartet und Schritt für Schritt gewachsen.“

Solingen: Hochschullehre in der Klingenstadt gibt es bisher im alten Bahnhof

Der Beirat wird nun Kontakte zu Schulen und weiteren regionalen Unternehmen knüpfen und beim Aufbau von zusätzlichen Bachelor- und Master-Studiengängen helfen. „Der Lehrplan soll passgenau auf die Anforderungen und Bedürfnisse von Solinger Unternehmen zugeschnitten werden“, so Carsten Zimmermann, Abteilungsleiter für Strategische Planung im OB-Büro. Bereits jetzt finden Gespräche statt, um den Zuschnitt eines Informatik-Studiengangs zu ermitteln.

Solingen sei eine tolle Stadt, in Bezug auf Hochschulen aber eher dünn aufgestellt, erklärt Tanju Aygün. Dass die EUFH bei Stadtverwaltungen auf offene Ohren stoße, sei nicht selbstverständlich. Dass das in Solingen anders ist, freut den gebürtigen Solinger Aygün besonders. „Ich fand es damals schon schade, dass man in Solingen nicht studieren konnte, sonst wäre ich geblieben“, sagt er.

Hochschullehre gibt es in der Klingenstadt bisher im Alten Bahnhof. Dort ist der Lehrstuhl für Neue Fertigungstechnologien und Werkstoffe der Bergischen Universität Wuppertal angesiedelt. Außerdem soll ein Hochschulstandort in Gräfrath entstehen: Die Zentralfachschule der Deutschen Süßwarenwirtschaft (ZDS), die Hochschule Niederrhein (HN) und die Stadt haben 2018 eine Absichtserklärung unterschrieben. Der duale Studiengang „Bachelor of Science im Fach Lebensmittelwissenschaften“ könnte schon kommenden Monat starten.

Hintergrund

EUFH: Die Europäische Fachhochschule (EUFH) hat fünf Standorte in NRW (Aachen, Brühl, Köln, Neuss und Rheine) und einen in Rostock. Sie gehört zur Klett-Gruppe. Wirtschaftsingenieurwesen wird in Brühl, Wirtschaftsinformatik in Brühl und Neuss angeboten.

Beirat: Dem Beirat gehören an: OB Tim Kurzbach, Michael Wenge (IHK), Andreas Tempel (Alexander-Coppel-Gesamtschule), Ulrich Nachtkamp (Gymnasium Schwertstraße), Michael Becker (Technisches Berufskolleg) sowie die Firmenvertreter Jörg Püttbach (Bia), Wolfgang Rixen (Item), Nina Tubic (Zwilling), Tobias Erdmann (Systemhaus Erdmann), Cornelius Scheffel (U-Form Testsysteme) und Martina Grünewald-Ernst (LeaCo Lab.).

Prof. Dr. Tanju Aygün: Der gebürtige Solinger hat sein Abitur 1995 am Gymnasium Vogelsang gemacht und Industriekaufmann bei der Firma Krups gelernt. Danach ging es weiter an die Universität Köln.

Solingen erhielt kürzlich 3,1 Millionen Euro aus dem Digitalpakt für Schulen. Mit dem Zuwendungsbescheid liegt Solingen ganz weit vorn.

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