Coronavirus

Corona-Infektion: 55 neue Helfer sollen Kontakte verfolgen

Gesundheitsamtsleiterin Dr. Annette Heibges und Jan Welzel, Beigeordneter für Bürgerservice, Recht, Ordnung und Soziales, berichteten bei der Pressekonferenz über die Kontaktverfolgung.
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Gesundheitsamtsleiterin Dr. Annette Heibges und Jan Welzel, Beigeordneter für Bürgerservice, Recht, Ordnung und Soziales, berichteten bei der Pressekonferenz über die Kontaktverfolgung.

Personaldienstleister und Bundeswehr unterstützen das Gesundheitsamt. Perspektivisch kann es eine weitere Aufstockung geben.

Von Björn Boch

Solingen. Die Stadt baut die Kontaktverfolgung bei infizierten Personen durch das Gesundheitsamt stark aus. Kurzfristig sollen mindestens 55 neue Kräfte das Amt unterstützen. 45 werden bei der Stadt Solingen eingestellt, dafür gibt es unter anderem eine Zusammenarbeit mit Zeitarbeitsfirmen. 10 bis 15 weitere werden Soldaten der Bundeswehr sein. Perspektivisch geht die Stadt davon aus, bald noch einmal in einer ähnlichen Größenordnung nachlegen zu müssen. Die Mitarbeiterzahl stiege dann von aktuell rund 100 in einem ersten Schritt auf mehr als 150 und dann auf rund 200.

„Die Nachverfolgung ist so wichtig. Diese Front müssen wir halten.“ 

Jan Welzel, Beigeordneter

Die 55 neuen Helfer müssten nun geschult und dezentral untergebracht werden, um den Schaden gering zu halten, sollte ein Team selbst wegen einer Corona-Infektion ausfallen. „Das ist ein riesiger Kraftakt“, betonte Oberbürgermeister Tim Kurzbach (SPD). Binnen einer Woche solle er aber umgesetzt sein.

Den Kontakt zur Bundeswehr gebe es seit gut zwei Woche, erklärte Ordnungsdezernent Jan Welzel (CDU). Vorbereitende Arbeiten für den Einsatz seien bereits angelaufen, am Dienstag oder Mittwoch sollen die Soldaten „einrücken“ und schnellstmöglich eingelernt werden. „Es bringt ja nichts, Leute antreten zu lassen, die dann nicht vernünftig arbeiten können“, sagte er zur Notwendigkeit der Vorbereitungen. Anfang der Woche hatte die Stadt den Bundeswehreinsatz als „Option, die wir uns offenhalten, aber noch nicht ziehen“ kommentiert.

Der Einsatz und das logistische Konzept seien da noch nicht spruchreif gewesen, erklärte Jan Welzel in der Pressekonferenz auf ST-Nachfrage. Und Tim Kurzbach ergänzte: „Wir haben eine enorme logistische Last.“ Stets werde parallel und überlappend schon die nächste Erweiterung vorbereitet. Klar sei aber auch: „Selbst wenn wir noch 500 einstellen, können wir Fehler nicht immer ausschließen.“

Solingen: Infektionen finden oft in der Familie statt

Neben der Unterstützung durch weiteres Personal sollen auch die Arbeitszeiten verlängert werden. Außerdem gibt es Planungen für ein Drei-Schicht-System. Und natürlich werde bereits seit langem auch am Wochenende gearbeitet, betonte Welzel.

Über die Arbeit im Gesundheitsamt und die Quellen von Infektionen sprach Amtsleiterin Dr. Annette Heibges. „In Solingen wie im gesamten Bund ist zu sehen, dass es viele kleine Ereignisse sind. Die Hälfte der Ansteckungen findet im direkten privaten Umfeld statt, oft in der Kernfamilie.“ Auffällig sei auch, dass jeder Dritte keine Theorie habe, wo er sich angesteckt haben könnte.

Aufgrund des hohen Arbeitsaufkommens werde im Gesundheitsamt derzeit priorisiert: Akut Erkrankte und besonders gefährdete Gruppen, etwa in Seniorenheimen, würden sehr schnell bearbeitet. Weniger dringende Fälle bat Heibges um Geduld. „Nicht immer bekommen die Menschen die Antwort so schnell, wie sie sie brauchen und bekommen müssten. Das kann schon mal ein, zwei Tage dauern.“ Sorgen bereitet Heibges die Tatsache, dass die Zahl der älteren Menschen, die an dem Virus erkranken, wieder steige.

Als positiv bewerteten Annette Heibges und Jan Welzel, dass die Quote derer, die zum Zeitpunkt der Feststellung einer Infektion bereits in Quarantäne sind, bei rund 50 Prozent liege. Das System funktioniere. „Die Nachverfolgung ist so wichtig. Diese Front müssen wir halten – und wir sind optimistisch, dass wir sie halten werden“, so Welzel. Die Kernmannschaft, die seit März im Amt arbeite, sei „am Limit“ und müsse nun entlastet werden.

Quarantäne

Neben der Kontaktverfolgung binden vor allem die zahlreichen Anordnungen von Quarantäne weitere Kräfte bei der Stadtverwaltung. Quarantäne, so Beigeordneter Jan Welzel, sei ein Grundrechtseingriff – das gehe nicht mal eben so. Da brauche es in jedem Einzelfall einen Verwaltungsvorgang und ein behördliches Schreiben.

Alle aktuellen Nachrichten rund um die Corona-Lage in Solingen finden Sie in unserem Live-Blog.

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