Historie

Buch zur Zeitgeschichte: Nazis vernichteten jüdischen Handel in Ohligs

Wer um 1929 Ohligs besuchte, der kaufte auch bei vielen jüdischen Kaufleuten ein. Die Nazis löschten das ab 1933 aus. Foto: Stadtarchiv Solingen
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Wer um 1929 Ohligs besuchte, der kaufte auch bei vielen jüdischen Kaufleuten ein. Die Nazis löschten das ab 1933 aus.

Daniela Tobias und Armin Schulte haben ein Buch mit dem Titel „Jüdische Kaufleute in Ohligs“ veröffentlicht.

Von Philipp Müller

Solingen. Wenn vermutlich 1929 ein großes Banner mit „Willkommen! Stadt Ohligs“ warb, so tat es das auch für die vielen jüdischen Kaufleute im Bereich des Bahnhofs, wo das Schild hing. Bis zu 50 Prozent solcher Geschäfte machten das Ohligser Handelslebens aus, berichtet Daniela Tobias. Die Vorsitzende das Vereins Max-Leven-Zentrum und der Historiker Armin Schulte haben diese Zeit untersucht und nun unter dem Titel „Jüdische Kaufleute in Ohligs“ veröffentlicht.

Die Idee zum Buch sei entstanden, als beide einen Stadtrundgang entlang der Stolpersteine im Ohligser Stadtkern vorbereiteten. Und mit dem Begriff Stolperstein ist auch die wichtige Aussage des Buches verbunden: Nach der Machtübernahme durch die Nazis 1933 waren die jüdischen Familien immer stärkeren Repressalien ausgesetzt. Spätestens mit den Nürnberger Gesetzen 1935 und der Pogromnacht 1938 starb das pulsierende Leben aus.

Schüler am Humboldtgymnasium lernen, Antisemitismus zu erkennen.

Anhand der Biografien für die Stolpersteine, internationalen Quellen, die über das Internet erreichbar sind, habe sich ein umfassendes Bild über den Verbleib der jüdischen Bevölkerung ergeben, sagt Tobias. Zusammen mit Armin Schulte arbeitete sie seit 2020 an dem Buch, das mit dem Untertitel „Stadtrundgang“ auch erklärt, wie es gemacht ist.

Schicksale werden bis zur Vernichtung durch die Nazis belegt

Station für Station früherer Geschäfte wird mit Gesichtern der jüdischen Kaufleute gefüllt. Anzeigen in Zeitungen belegen das Angebot. Biografische Teile lassen hinter die Kulissen blicken. Erschütternd ist im Buch vor allem, wie genau Schulte und Tobias die Einzelschicksale aufgearbeitet haben. Da ist zum Beispiel die Familie Rosenbaum. Da wird aufgezeigt, wie sie sich seit 1909 in Ohligs immer mehr verzweigte, Teil der Stadtgesellschaft wurde. 1938 wurde das Oberhaupt, Alfred Rosenbaum, wegen seiner früheren polnischen Staatsangehörigkeit abgeschoben, das Geschäft im Dezember 1938 geschlossen. Die Familie floh nach Nizza. Dort wurden sie verhaftet und später im KZ Auschwitz vernichtet.

Herausgegeben wird dieser Überblick vom städtischen Max-Leven-Zentrum, es ist Teil des Solinger Stadtarchivs. Dessen Leiter Ralf Rogge zeichnet für die Endredaktion des Buches verantwortlich, Daniela Tobias für die Gestaltung.
Jüdische Kaufleute in Ohligs, Bergischer Verlag, Remscheid, ISBN: 978-3-96847-028-3

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