Ausstellung

Nazi-Bild: Museumsdirektor kritisiert Pinakothek

Um Adolf Zieglers Triptychon „Vier Elemente“ in der Pinakothek ist ein Streit entbrannt.
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Um Adolf Zieglers Triptychon „Vier Elemente“ in der Pinakothek ist ein Streit entbrannt.

Dauerausstellung in München zeigt ein Nazi-Bild von Adolf Ziegler.

Von Philipp Müller

Solingen. In München ist Streit um die Dauerausstellung „Mix & Match“ der Pinakothek der Moderne entbrannt. Darin zeigt das Museum das Bild „Vier Elemente“ des Nazi-Künstlers und Funktionärs des Regimes, Adolf Ziegler. Es hängt im Zusammenhang etwa mit Werken von Pablo Picasso, Schöpfer des den Krieg anklagenden Bildes „Guernica“. Auch Georg Baselitz, einer der wichtigsten Nachkriegsmaler, wird ausgestellt. Der empörte sich in einem Brief an die Leitung der Pinakothek und fordert: „Das Bild abhängen.“

Jürgen Kaumkötter, Leiter des Zentrums für verfolgte Künste.

Der Direktor des Solinger Zentrums für verfolgte Künste, Jürgen Kaumkötter, schließt sich an und erklärt gegenüber dem Tageblatt, es müsse – wolle man es überhaupt aufhängen – in einem eigenen, von der sonstigen modernen Kunst abgetrennten Raum gezeigt werden. Dazu sei eine ausführliche und gut sichtbare Erklärung zu Ziegler zwingend notwendig, damit die Besuchenden ihn sofort richtig einordnen können. Das Zentrum widmet sich neben Künstlern, die von den Nazis verfolgt wurden, auch dem Kunstbetrieb der Nazi-Zeit.

„Man kann solche Kunst nicht hoffähig machen.“

Jürgen Kaumkötter, Kunstexperte

Kaumkötter hatte zuvor gegenüber der Osnabrücker Zeitung zur Hängung in der Pinakothek neben anderen Kunstwerken erklärt: „Ich halte das für höchst problematisch. Man kann solche Kunst nicht hoffähig machen.“ Eine Wandtafel neben dem Bild zur Erläuterung reiche da überhaupt nicht aus.

Adolf Ziegler war seit 1936 Präsident der Reichskammer der bildenden Künste. Er organisierte 1937 die Beschlagnahmung von Kunst in Museen, die das Regime als entartet betrachtete und von Kunstschaffenden gefertigt wurde, die kritisch gegenüber der Nazi-Herrschaft waren. Ebenfalls 1937 war Ziegler Kopf der Ausstellung mit aus Sicht der Nazis „entarteter Kunst“ – das war zugleich der Auftakt zu noch mehr Malverboten und organisierter Verfolgung der Künstlerinnen und Künstler, die nicht selten mit dem Tod im Konzentrationslager endete.

Zieglers Bild „Vier Elemente“ ist ein Triptychon, das die Elemente Feuer, Wasser, Erde und Luft in Form von arischen Frauengestalten heroisiert. In der ersten „Großen Deutschen Kunstausstellung“ im „Haus der Deutschen Kunst“ in München, die Nazi-Künstlern ein Podium bot, wurde es ausgestellt. Adolf Hitler hat es später erworben und im Parteizentrum der NSDAP am Münchner Königsplatz über einem Kamin repräsentativ aufhängen lassen.

Das erklärt die Pinakothek in der Ausstellung und in den Internet-Infos zum Bild auch ausführlich. Aber Kaumkötter kritisiert wie Baselitz, dass das Bild trotzdem nicht durch die Hängung im Kontext eines Überblicks über die moderne Kunst gezeigt werden dürfe. Genau das werte das Bild unnötig auf.

Lesen Sie auch: Warum stellt sich Künstler in Dienst der Nazis?

Standpunkt von Philipp Müller: Solinger Experte mit Ruf

philipp.mueller@solinger-tageblatt.de

Spätestens seit dem Skandal um antisemitische Kunst auf der Documenta 15 hätte der Münchener Pinakothek klar sein müssen: Die Öffentlichkeit schaut heute genauer hin, wenn in Museen etwas nicht richtig in Sachen politischer Wertung von Kunst läuft. Doch was geht, was nicht?

In Solingen haben wir mit Jürgen Kaumkötter, Kunsthistoriker mit dem Schwerpunkt Exil- und Holocaust-Kunst, einen Experten, dessen Stimme viel Gewicht hat. Das Zentrum für verfolgte Künste hat sich international den Ruf erarbeitet, gerade beim Thema Nazi-Diktatur und Kunst eben genau hinzuschauen.

Je politischer die Kunst ist, je umstrittener Kunstschaffende sind, desto exakter müssen Ausstellungen in Museen didaktisch aufgebaut sein – niemand hat Geschichtslexika dabei. Kaumkötters Aussagen zur Pinakothek sind eindeutig: Ohne klaren Kontext darf Nazikunst nicht ausgestellt werden. Für den Kulturstandort Solingen ist es gut, dass der Experte gehört und oft zitiert wird.

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