Naherholungsgebiet

Naturschützer loben Gutachten zum Ittertal

Am Piepersberg soll weiteres Gewerbe angesiedelt werden. Nicht nur für diesen Teil des Ittertal fordern Naturschützer strenge Auflagen. Foto: Uli Preuss
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Am Piepersberg soll weiteres Gewerbe angesiedelt werden. Nicht nur für diesen Teil des Ittertal fordern Naturschützer strenge Auflagen.

Beirat der Unteren Landschaftsbehörde bekräftigt: Kein Gewerbe soll ins Naherholungsgebiet.

Von Philipp Müller

Der Beirat der Unteren Landschaftbehörde (BUL) bekräftigte auf seiner Sitzung im Kasino des Verwaltungsgebäudes an der Bonner Straße seine Ablehnung von Gewerbegebieten im Ittertal. Jedoch fordert er in einer Empfehlung für den Fall, dass es anders kommt, sich auf die Standorte Piepersberg-West und Fürkeltrath II zu konzentrieren. Dies unter den strengen Maßstäben eines umfangreichen Umweltgutachtens, welches die Stadt in Auftrag gegeben hatte. Neben dem Beirat wird es noch in drei Bezirkvertretungen beraten.

Seit zehn Jahren ist das Ittertal als Standort für Gewerbeflächen in der Diskussion. In den vergangenen beiden Jahren nahm die Sache Fahrt auf. An den Standorten Keusenhof, Am Buschfeld (politisch bereits abgelehnt), Piepersberg-West und im Gebiet Fürkeltrath II sollen Gewerbegebiete ermöglicht werden. Dazu wurde 2015 ein Gesamt- und Umweltgutachten verfasst, welches nun in der Politik diskutiert wird.

Beirat lobt die Sorgfalt und den Fleiß der Gutachter

Gleich in 21 Sitzungen des Ausschusses für Stadtentwicklung, Umwelt, Klimaschutz und Mobilität wurde der Komplex seit 2006 besprochen, machte Dr. Klaus Strehlau, der Stadtdienstleiter Natur und Umwelt der Stadt, deutlich. In einem Kurzvortrag stellte er die Ergebnisse des Gutachtens in der Beiratssitzung vor.

Henrique Pless, für die Landesgemeinschaft Natur und Umwelt Mitglied im Beirat lobte die „hohe Fleißarbeit der Gutachter“ und die Sorgfalt. Das grüne Ratsmitglied gab aber auch zu bedenken: „Es gibt keine konfliktfreie Gewerbeansiedlung im Ittertal“. Daher hatten er und die anderen im Beirat vertretenen Umwelt- und Naturschutzverbände eine Beschlussvorlage verfasst, die sich in vier Punkten mit dem Thema auseinandersetzt. Generell hält der Beirat an seinem bereits am 13. Dezember 2013 gefassten Beschluss fest, im Ittertal gar kein Gewerbe zusätzlich zu erlauben.

Jedoch verschließen die Naturschützer nicht die Augen vor möglichen Entscheidungen. Daher fordern sie für die zwei im Gutachten favorisierten Gewerbestandorte Pieperberg-West und Fürkeltrath II einen artenschutzrechtlichen Dachbeitrag. Hierbei soll vor allem die Transfer-Achse für die Tierwelt in dem 10 Kilometer langen und zwei Kilometer breiten Grüngürtel untersucht und berücksichtigt werden.

In Fürkeltrath müsse das Interesse eines Biobauern beachtet werden, zudem Abstand zum Bachtal gehalten werden. Am Piepersberg mahnen die Naturschützer einen ausreichend breiten Freiraum-Korridor an.

Um ihn fürchten auch die Mitglieder der Bürgerinitiative „Rette das Ittertal“, die aufseiten der Beiratsmitglieder stehen. Die Ittertaler befürchten einen Schaden für die Biotop-Vernetzung, komme an den Piepersberg etwa die angedachte „Bergisch Land Arena“, in der die Bundesliga-Handballer der Bergischen Löwen ab 2019 spielen wollen.

Am Donnerstag werden die Bürger im Walder Stadtsaal zum Ittertal informiert

Dass das Gutachten nicht wirklich breit diskutiert und schnell beschlossen wurde, wundert Solingens obersten Umweltexperten Dr. Klaus Strehlau nicht: „Die meisten Argumente sind ausgetauscht.“ Das Ittertal erstreckt sich von Ohligs bis Gräfrath. Deshalb beraten die Bezirksvertretungen aus Gräfrath, Wald und Ohligs das Gutachten. „Deren Ergebnisse, Vorschläge und den Beschluss aus dem Beirat tragen wir dann gebündelt und erneut dem Ausschuss für Stadtplanung vor“, erläutert Strehlau das weitere Vorgehen. Das soll Ende April oder Anfang Juni der Fall sein.

In die zusammengefassten Ideen, Kritikpunkte und Sachargumente sollen dann auch die Anregungen und Ergebnisse der am Donnerstag um 18 Uhr im Walder Stadtsaal stattfindenden Bürgerinformation zum Ittertal einfließen. Dort will sich auch „Rettet das Ittertal“ einmischen.

NATURSCHUTZ-BEIRAT

ZUSAMMENSETZUNG Nach dem Landschaftsgesetz NRW besteht der Beirat der Unteren Landschaftsbehörde aus 16 Mitgliedern, die vom Rat auf Vorschlag der Naturschutzverbände, aber auch Organisationen der Bauern, Gartenbauer oder Jäger gewählt werden. 

ZUSTÄNDIGKEIT Der Beirat ist immer dann einzuschalten, wenn die kommunale Landschaftsbehörde in Entscheidungen eingebunden ist. Der Beirat soll zuständigen Behörden und Stellen Vorschläge und Anregungen unterbreiten.

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