Die große Nachhaltigkeitsserie

So steht es in Solingen um den Müll

Ein Greifer füllt den Hausmüll in den Kessel. Von dort gelangt der Müll in den Raum, in dem die Verbrennung stattfindet. Fotos: Christian Beier
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Ein Greifer füllt den Hausmüll in den Kessel. Von dort gelangt der Müll in den Raum, in dem die Verbrennung stattfindet.

Fast 78.000 Tonnen Müll fallen jedes Jahr in Solingen an. Vieles davon wird im Müllheizkraftwerk verbrannt - anderes recycelt. Nachhaltig ist das nur teilweise.

Solingen. Müll umgibt uns täglich und beinahe überall. 2020 hat laut den Technischen Betrieben Solingen jeder Solinger 478,37 Kilogramm Müll produziert. Damit fielen in unserer Stadt 77.945 Tonnen Müll an. Im Vergleich zum Jahr 2018 (483,8 Kilogramm) sind die Werte leicht gesunken, im Vergleich zu 2019 (467,6 Kilogramm) gestiegen. Daniel Hadrys, Pressereferent der Stadt, führt diesen Anstieg auf die Corona-Pandemie zurück, da mehr Leute im Homeoffice saßen.

Die Deutschen verursachen somit 40 Millionen Tonnen Hausmüll (also Bioabfälle, Sperrmüll, Papier, Kunststoffverpackungen) pro Jahr, wie Henning Wilts, Abteilungsleiter Kreislaufwirtschaft des Wuppertal Instituts, mitteilt. In der Studie CovPack habe er während der Pandemie einen deutlichen Anstieg an Verpackungsabfall festgestellt.

Im Abfallvermeidungsprogramm des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) schreibt Bundesumweltministerin Svenja Schulze, dass weltweit die Abfälle privater Haushalte um 700 Millionen Tonnen im Jahr 2014 auf 2,7 Milliarden Tonnen 2019 gestiegen seien. Im gleichen Zeitraum hat der Ressourcenverbrauch um 17 Prozent zugenommen.

Die Überreste des Mülls gelangen in den Schlackebunker.

Ein weiteres großes Problem der Kunststoffverpackungen: Für eine kurze Lebensdauer werden wertvolle Ressourcen verbraucht. Besonders Plastikmüll verliert beim Recycling an Qualität und kann nicht wieder in gleichem Maße wiederverwendet werden. Das nennt sich Downcycling. Papier kann zwar um die 15 Mal recycelt werden, jedoch werden die Fasern bei jedem Recyclingverfahren immer kürzer und es müsse neues Material beigemischt werden, erklärt Wilts. „Metall und Glas wird mit viel Energieaufwand eingeschmolzen und sind kaum von neuen Stoffen unterscheidbar.“

Das Müllheizkraftwerk hat nicht nur eine Aufgabe

In Solingen werden jährlich 140.000 Tonnen Hausmüll im Müllheizkraftwerk (MHKW) energetisch verbrannt, sagt Elias Eisgruber von den TBS: „Unsere erste Aufgabe ist, den Abfall unschädlich zu machen, die Energieerzeugung ist sekundär.“ Rund 77.000 Megawattstunden (MWh) Strom und 43.000 MWh Fernwärme werden jährlich erzeugt und für die Versorgung der Stadt genutzt. Die nach der Verbrennung zurückbleibende Schlacke macht 20 Prozent der Müllmasse aus, sagt Eisgruber. Sie werde in die Niederlande verkauft, wo sie für Straßen- und Deichbau verwendet wird. Pappe, Schadstoffe, Elektro- und Metallschrott werden im MHKW getrennt sortiert.

Das Müllheizkraftwerk hat viele Funktionen

Auf dem Wertstoffhof wird der Müll sortiert. Restmüll kommt in den Bunker und wird von einem Kranführer in die Verbrennungskammern befördert. Am Ende bleibt nur noch die Schlacke über.
Auf dem Wertstoffhof wird der Müll sortiert. Restmüll kommt in den Bunker und wird von einem Kranführer in die Verbrennungskammern befördert. Am Ende bleibt nur noch die Schlacke über. © Christian Beier
Auf dem Wertstoffhof wird der Müll sortiert. Restmüll kommt in den Bunker und wird von einem Kranführer in die Verbrennungskammern befördert. Am Ende bleibt nur noch die Schlacke über.
Auf dem Wertstoffhof wird der Müll sortiert. Restmüll kommt in den Bunker und wird von einem Kranführer in die Verbrennungskammern befördert. Am Ende bleibt nur noch die Schlacke über. © Christian Beier
Auf dem Wertstoffhof wird der Müll sortiert. Restmüll kommt in den Bunker und wird von einem Kranführer in die Verbrennungskammern befördert. Am Ende bleibt nur noch die Schlacke über.
Auf dem Wertstoffhof wird der Müll sortiert. Restmüll kommt in den Bunker und wird von einem Kranführer in die Verbrennungskammern befördert. Am Ende bleibt nur noch die Schlacke über. © Christian Beier
Auf dem Wertstoffhof wird der Müll sortiert. Restmüll kommt in den Bunker und wird von einem Kranführer in die Verbrennungskammern befördert. Am Ende bleibt nur noch die Schlacke über.
Auf dem Wertstoffhof wird der Müll sortiert. Restmüll kommt in den Bunker und wird von einem Kranführer in die Verbrennungskammern befördert. Am Ende bleibt nur noch die Schlacke über. © Christian Beier
Auf dem Wertstoffhof wird der Müll sortiert. Restmüll kommt in den Bunker und wird von einem Kranführer in die Verbrennungskammern befördert. Am Ende bleibt nur noch die Schlacke über.
Auf dem Wertstoffhof wird der Müll sortiert. Restmüll kommt in den Bunker und wird von einem Kranführer in die Verbrennungskammern befördert. Am Ende bleibt nur noch die Schlacke über. © Christian Beier
Auf dem Wertstoffhof wird der Müll sortiert. Restmüll kommt in den Bunker und wird von einem Kranführer in die Verbrennungskammern befördert. Am Ende bleibt nur noch die Schlacke über.
Auf dem Wertstoffhof wird der Müll sortiert. Restmüll kommt in den Bunker und wird von einem Kranführer in die Verbrennungskammern befördert. Am Ende bleibt nur noch die Schlacke über. © Christian Beier
Auf dem Wertstoffhof wird der Müll sortiert. Restmüll kommt in den Bunker und wird von einem Kranführer in die Verbrennungskammern befördert. Am Ende bleibt nur noch die Schlacke über.
Auf dem Wertstoffhof wird der Müll sortiert. Restmüll kommt in den Bunker und wird von einem Kranführer in die Verbrennungskammern befördert. Am Ende bleibt nur noch die Schlacke über. © Christian Beier
Auf dem Wertstoffhof wird der Müll sortiert. Restmüll kommt in den Bunker und wird von einem Kranführer in die Verbrennungskammern befördert. Am Ende bleibt nur noch die Schlacke über.
Auf dem Wertstoffhof wird der Müll sortiert. Restmüll kommt in den Bunker und wird von einem Kranführer in die Verbrennungskammern befördert. Am Ende bleibt nur noch die Schlacke über. © Christian Beier

„Wir sind sehr gut darin, Abfälle zuverlässig zu entsorgen“, sagt Henning Wilts. So habe Deutschland die besten Recyclingquoten auf der Welt. Jedoch liege der Anteil recycelter Materialien in Deutschland nur bei circa 15 Prozent. Damit die Industrie recycelte Materialien annimmt, sei diese Quote viel zu niedrig. „Der allergrößte Teil wird noch immer aus neuen Rohstoffen hergestellt, die in der Regel viel mehr CO2-Emissionen verursachen”, stellt Wilts fest.

Mikroplastik schwimmt auch in der Wupper

Wenn Müll aber nicht recycelt wird, sondern in die Natur gelangt, ist das nicht nur unschön anzusehen, sondern auch für die Umwelt schädlich. Tiere halten Müll für Futter, fressen es und verhungern. Wenn Batterien auslaufen, können sie Millionen Liter Grundwasser verseuchen, sagt Wilts. Auch wenn Kunststoffabfälle über die Flüsse ins Meer gelangen, ist das schlimm.

Laut einer Studie des Griechischen Zentrums für Meeresforschung landen jährlich rund 17.600 Tonnen Plastik im Mittelmeer. Tiere verwechseln es mit Nahrung und verenden. „Dort verbleiben sie teilweise über 100 Jahre und zerfallen langsam zu Mikroplastik”, erklärt Henning Wilts. Diese Teilchen, die kleiner als einen Millimeter sind, schwimmen auch in der Wupper. Die Uni Bayreuth hat 0,594 Partikel pro Kubikmeter gezählt – vor allem Folienreste und Fragmente aus Polyethylen (PE). Das sind weniger als in der Emscher-Rhein- und Ruhr-Rhein-Mündung, aber mehr als in der Sieg und in der Lippe.

TIPP: So kann jeder Mikroplastik vermeiden:

- Bei Seifen, Shampoo, Peelings, Putzmittel etc. auf Naturkosmetik achten oder selber machen

- Alte Baumwoll-T-Shirts statt Mikrofasertüchern zum Putzen verwenden

- Kleidung nicht zu häufig waschen, sondern lüften

- Lieber Kleidung aus Baumwolle, statt aus Biskose, Polyester oder Polyakryl kaufen

- Kleidung mit Kunststoffanteil in einem speziellen Beutel von Guppyfriend waschen

- Keinen Weichspüler beim Waschen verwenden

- Zigarettenstummel im Restmüll entsorgen

- Wasser aus der Glasflasche oder der Leitung statt aus Plastikflaschen trinken

- Bei Bastelglitzer auf biologisch abbaubare Produkte achten

natürlich nachhaltig

Welche Auswirkungen das auf die Gesundheit hat, ist noch unklar, teilt die Verbraucherzentrale mit. Das Plastik könne aber selber schädliche Chemikalien enthalten und Schadstoffe an sich binden. Tiere, die das Mikroplastik aufnehmen, können Entzündungen entwickeln. Der höchste Eintrag an Mikroplastik in die Umwelt wird übrigens durch Reifenabrieb verursacht.

In Solingen stellt die TBS auf öffentlichen Anlagen überwiegend Fast Food-Verpackungen fest. Als Reaktion installieren die Betriebe neue Abfallbehälter und leeren sie öfter. „Zusätzlich wurden 120 L-Tonnen an Parkplätzen und anderen Abfall-Hot-Spots installiert, die offenbar verstärkt zum Verzehr von Fast Food angefahren werden”, sagt Daniel Hadrys. Außerdem habe die Anzahl an wilden Kippen im Frühjahr/Sommer 2021 zugenommen. Bei vielen handele es sich um angespülte Abfälle aus den Hochwassergebieten. Bürger können illegale Müllkippen und andere Mängel in der Mensch-Solingen-App melden.

So können Kommunen Abfälle vermeiden.

Alle Folgen zur Serie „Natürlich nachhaltig“ finden Sie hier.

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