Natürlich nachhaltig

Podcast mit OB Kurzbach: So will die Stadt Solingen nachhaltiger werden

Was macht Solingen für mehr Umweltschutz? Und wie nachhaltig wäre eine Arena Bergisch Land? Darüber sprechen Oberbürgermeister Tim Kurzbach und Nachhaltigkeitsbeauftragte Ariane Bischoff im Podcast.

Von Katharina Birkenbeul, Alexandra Dulinski und Valeria Schulte-Niermann

OB Tim Kurzbach und Nachhaltigkeitsbeauftragte Ariane Bischoff sprachen im ST-Podcast über Nachhaltigkeit in Solingen.

Solingen. Nachhaltigkeit und Umweltschutz sind weltweit große und wichtige Themen. Vieles wird von der EU oder dem Bund beschlossen - aber in den Städten und Kommunen umgesetzt. Diese haben einen Einfluss darauf, wie nachhaltig ihre Bürger leben können. Auch in Solingen ist das Thema Nachhaltigkeit schon seit längerem angekommen.

Im Podcast sprechen Oberbürgermeister Tim Kurzbach und Nachhaltigkeitsbeauftragte Ariane Bischoff über ihre eigene Lebensweise, die Nachhaltigkeitsstrategie und über die Verantwortung als Stadt. Das ganze Gespräch gibt es zum Nachhören auf den Podcast-Plattformen iTunes, Spotify und Deezer, Auszüge daraus gibt hier zum Nachlesen: Tim Kurzbach und Ariane Bischoff darüber, . . .

. . . wie nachhaltig sie leben

Er bemühe sich jeden Tag darum, nachhaltig zu leben, sagt Oberbürgermeister Tim Kurzbach. Dafür kaufe er regionale Lebensmittel sowie fair gehandelte Kleidung ein, schaffte sein Auto ab und nutze stattdessen auch mal den ÖPNV oder das Fahrrad. „So fängt jede Veränderung an. Nicht bei der großen Frage was machen andere, sondern wo fange ich persönlich an“, betont Tim Kurzbach.

Ariane Bischoff ist der selben Meinung. Ihre Familie besitze kein eigenes Auto. Deshalb gehe sie häufig zu Fuß, fahre mit dem Fahrrad oder nutze Carsharing. Auch in den Urlaub gehe es mit Bus, Bahn und Schiff. Mit erwachsen werdenden Kindern sei es aber nicht immer leicht, alles umzusetzen, sagt die Leiterin des Nachhaltigkeitsstabs.
Stadt will Carsharing in Solingen ausbauen.

. . . wie die Stadtverwaltung Nachhaltigkeit umsetzt

Die Stadtverwaltung in Solingen habe schon vieles umgesetzt, sagt Ariane Bischoff: Nachhaltiges Catering, fair gehandelter Kaffee und die nachhaltige Mobilität der Kollegen zu fördern sind nur einige der Punkte. Besonders am Herzen liegt Bischoff dabei die Förderung von Fahrrädern und E-Bikes. Seit kurzem können Rathaus-Mitarbeiter Diensträder leasen.

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Alle Folgen der Serie „Natürlich nachhaltig“ finden Sie hier.

. . . wie gut bisher die Nachhaltigkeitsstrategie umgesetzt wird

„Wir können sehr sehr stolz sein, das geschafft zu haben“, sagt Ariane Bischoff zu der Erstellung der Nachhaltigkeitsstrategie. Diese umfasst 56 Ziele mit insgesamt 210 Projektvorhaben. Gut zwei Drittel der Projekte seien bereits gestartet. Neben der Stadtverwaltung sind dabei auch die Bürgerinnen und Bürger gefragt, sagt Tim Kurzbach. „Das ist eine Besonderheit in Solingen, dass wir das über die Jahre mit so vielen Akteuren, Vereinen, Verbänden, Initiativen, Privatpersonen auch vorantreiben“, weiß Ariane Bischoff. So seien 18 städtische Kitas faire Kitas geworden und viele Schulen setzen sich aktiv für den Klimaschutz ein.

. . . wie die Mobilitätswende gelingen kann

In Solingen müsse der öffentliche Nahverkehr insgesamt attraktiver werden, sagt der Oberbürgermeister. Aber: „Einfach nur mehr Busse fahren zu lassen, ist keine Lösung“, betont er. Es brauche auch anderen Service und andere Ticketpreise. Das alles koste viel Geld. Kurzbachs Forderung: Die Kommunen dürfen damit nicht allein gelassen werden.

Außerdem müsse es regionale Konzepte geben: „Die Mobilität der Menschen endet nicht an der Stadtgrenze Solingens. Wir sind eine Pendlerstadt, deswegen ist es Blödsinn, wenn jede Stadt für sich selbst ein eigenes Konzept macht“, sagt Tim Kurzbach. Abgesehen vom ÖPNV helfe es auch, wenn zum Beispiel Nachbarn gemeinsam mit einem Auto fahren, statt alleine.

Auch Ariane Bischoff ist dafür, Carsharing und das Taxi zu nutzen, statt ein eigenes Auto zu besitzen. „Wir werden auf einen Teil unseres Luxus´ verzichten müssen, um auch für unsere Kinder ein gutes Leben zu organisieren. Das heißt nicht, dass wir ein schlechteres Leben führen werden”, weiß Tim Kurzbach. Ariane Bischoff ist anderer Meinung: „Ich glaub nicht, dass das unluxuriöser wäre”, sagt sie. In den Köpfen müsse es „klick“ machen, um zu erkennen, dass ein nachhaltigeres Leben ohne Auto möglich ist.

... wie nachhaltig gebaut werden kann

Ein Ziel der Nachhaltigkeitsstrategie sei es, mehr Gebäude zu sanieren. Allerdings könne die Stadt das nicht verordnen. Es hänge von Gesetzen, Förderungen und den Gebäudebesitzern ab. „Wenn wir von Klimaneutralität reden und das nur annähernd ernst meinen, dann müssen wir ganz dringend da eine unglaubliche Beschleunigung hinbekommen“, sagt Ariane Bischoff in Bezug auf Sanierungen.

Es müsse auch mehr Fassadenbegrünungen geben. Denn insbesondere neue Gebäude böten ideale Voraussetzungen dafür. „Da sind unendlich mehr Möglichkeiten, als im Moment umgesetzt werden”, weiß die Nachhaltigkeitsbeauftragte. Sie ist außerdem der Meinung, dass mehr Bäume erhalten werden könnten, statt Bauvorhaben zu weichen. „Wenn man ganz genau schaut, merkt man, es geht auch anders.” Man müsse nur Kompromisse finden. Sie plädiert dafür, Bäume und ihre Pflanzung mehr zu berücksichtigen.

Doch nicht nur Privatpersonen sollten sich Gedanken um nachhaltiges Bauen machen, auch Unternehmer. „Nachhaltigkeit wird in Zukunft ein Bewertungsfaktor zum Beispiel für Kredite werden”, weiß Tim Kurzbach. Er fordert außerdem, dass jeder, der baut, sich fragen soll, ob das nur schnell und billig ist oder auch in Zukunft noch einen Wert hat.
Umweltsünde Bauen: So geht Wohnen nachhaltig

. . . wie die Arena Bergisch Land nachhaltig gestaltet werden kann

Bei der Arena Bergisch Land hat der Oberbürgermeister Tim Kurzbach eine klare Meinung. Das sind die Pläne für die Arena Bergisch Land. „Wir müssen überlegen: Ist es sinnvoller, Millionen in einen maroden Altbau zu stecken, oder bekommen wir es nicht hin, etwas neu zu bauen, was unter Klimaschutzaspekten eine neue Bedeutung hat.“ Die alte Klingenhalle sei von 1972, marode und ihr Dach undicht. „Wenn wir jetzt heizen, heizen wir mehr den Weyersberg als die Halle selber”, weiß der OB.

Bei einer Arena Bergisch Land könnten Dachbegrünung, Solarenergie und Geothermie eine wichtige Rolle spielen. Wichtig sei aber, alles genau zu prüfen, sachlich zu diskutieren und keine voreiligen Schlüsse zu ziehen: „Wir nehmen uns jetzt sehr viel Zeit, um das zu begutachten und dann am Ende werden wir eine kluge Entscheidung treffen. Unserer Gesellschaft fehlt dieser Mut, etwas Neues zu schaffen. Wenn der Klimawandel die größte Bedrohung für die Erde ist, dann müssen wir doch was verändern und können nicht an allen Ecken sagen, das geht nicht.“

... wie die Energiewende gelingen kann

Tim Kurzbach bedauert, dass Deutschland existenziell abhängig sei von der Energiezufuhr aus dem Ausland, wie Russland, Saudi Arabien und den USA. Die Energie sollte lieber dezentral in den Städten gewonnen werden. Allerdings sei der Bedarf groß. Wenn das gesamte Gasometer in Oberhausen mit Wasserstoff gefüllt wäre, würde diese Energie bei der Firma Thyssenkrupp für eine halbe Stunde ausreichen. Das zeige, wie groß die Herausforderungen in der Energiewende werden. Die Stadtwerke haben hier eine große Bedeutung in Bezug auf die Energieversorgung durch Geothermie oder Photovoltaik, sagt der OB.

. . . wie Nachhaltigkeit in Entscheidungen einfließt

Ariane Bischoff findet es wichtig, Projektideen bereits auf Nachhaltigkeit zu prüfen, sobald das Projekt beginnt. Es sei aber eine längerfristige Aufgabe, dass sich das in den Köpfen der Kollegen stärker festsetzt. Jeder solle Nachhaltigkeit von Anfang an mitdenken, fordert Tim Kurzbach. Im Detail werde dann betrachtet, was erreicht wurde und was nicht. „Auch das gehört zu einer Konzeption. Wir werden manche Ziele nicht ad hoc erreichen, wir werden auch mal scheitern. Das ist völlig okay, das darf man auch mal, wenn man aus dem Scheitern lernt und es beim nächsten Mal anders macht“, betont Tim Kurzbach.

... wie die Stadt als entscheidender Akteur fungiert

„Die Kommunen sind der Ort des Erlebens des Menschen. Deshalb erkennen wir auch, welche große Vorbildwirkung die Stadt hat“, sagt der Oberbürgermeister. Zum Beispiel sollen bald vier Schulhöfe aufgerissen und begrünt werden. Dennoch betont er nochmals, dass die Kommunen den Klimawandel nicht alleine stoppen können. Weil die Stadt noch hohe Schulden habe, könne sie nicht so wie sie wolle in eine ökologischere Zukunft investieren. Kurzbach fordert deshalb mehr finanzielle Unterstützung von den Bundesländern und vom Bund.
Das stellt die Stadt Remscheid in Sachen Nachhaltigkeit auf die Beine.

... wie die Zusammenarbeit im Städtedreieck gelingt

„Wir im Bergischen sind uns bewusst, keiner wird die Lösung für sich alleine finden, wir müssen sie regional finden“, sagt der Oberbürgermeister. Darum herrsche ein intensiver Austausch mit den Stadtverwaltungen von Remscheid und Wuppertal. Allerdings sollte auch mit den angrenzenden Kreisen wie dem Rheinisch-Bergischen oder der Stadt Leverkusen geredet werden. Denn es müsse gemeinsam diskutiert werden, wie und wo gebaut wird, um beispielsweise Hochwasser zu bekämpfen. „Wenn oberhalb der Wupper alles zugebaut wird, haben die Anrainer unten nur schlechte Karten”, sagt Tim Kurzbach. 

Zu den Personen

Ariane Bischoff ist gelernte Landschaftsarchitektin und hat lange Zeit in der integrierten Stadtentwicklung gearbeitet. Seit vielen Jahren ist die Mutter von zwei Kindern schon bei der Stadt Solingen und freut sich, den Nachhaltigkeitsstab des Oberbürgermeisters leiten zu dürfen.

Tim Kurzbach ist seit 2015 Oberbürgermeister der Stadt Solingen. Der gebürtige Ohligser hat gemeinsam mit seiner Frau drei Kinder: Zwillinge im Alter von fünf Jahren und ein neun Monate altes Baby.

Serie

In der Serie „Natürlich nachhaltig“ beschäftigt sich das ST mit Nachhaltigkeit und Umweltschutz in Solingen.

Podcast

Die Folge des Podcasts „Natürlich nachhaltig - So setzt die Stadt Solingen Nachhaltigkeit um“ ist ab sofort abrufbar. Auf gängigen Plattformen wie Spotify, iTunes, Deezer und Youtube finden sich auch weitere Podcasts der B.Boll Mediengruppe.

Rubriklistenbild: © Christian Beier

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