Natürlich nachhaltig - Die große Nachhaltigkeitsserie

Eine Woche vegan fordert meine Kochkünste heraus - Ein Selbstversuch

Volontärin Alexandra Dulinski versuchte eine Woche, vegan zu leben – Wiederholungsbedarf hat sie nicht.Foto: Roland Keusch
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Volontärin Alexandra Dulinski versuchte eine Woche, vegan zu leben – Wiederholungsbedarf hat sie nicht.

Volontärin Alexandra Dulinski berichtet von der Suche nach Lebensmitteln.

Von Alexandra Dulinski

Bergisches Land. Eine Woche vegan ernähren: So lautet meine Aufgabe. Gar nicht so einfach, esse ich doch eigentlich recht gerne Käse, Eier und Fleisch. Schon in der Vorbereitung merke ich, wie kleinteilig ich denken muss. Denn es sind nicht nur die großen Mahlzeiten in der Mittagspause, die ich ersetzen muss. Es fängt schon beim Nutella an und endet bei der Schokolade und den Gummibärchen zwischendurch.

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Also sitze ich schon zwei Tage vor meinem Einkauf in der Küche, gehe den Inhalt meines Kühlschranks durch und entscheide, was ich meiner Familie abtreten werde, was bleiben darf und was ich neu kaufen muss. Ich scrolle mich durch Apps und frage Freunde nach Rezepten für die Woche – dabei bin ich eigentlich ein kleiner Kochmuffel, aber merke schnell: Ohne Kochen geht hier nichts.

Dann ist es soweit: Ich muss einkaufen. Im Supermarkt erschlägt mich normalerweise schier die Wucht an Auswahlmöglichkeiten. Selten aber suche ich so bewusst bestimmte Produkte. Gucke ich normalerweise viel mehr nach links und rechts und packe Dinge in den Einkaufswagen, die ich eigentlich nicht brauche, steuere ich gleich eine bestimmte Abteilung an.

Die vegetarische Auswahl im Supermarkt ist groß - die vegane leicht zu übertreffen

Fündig werde ich gegenüber der Bio-Abteilung. Ich stehe vor einem gut sortierten Regal. Gut sortiert? Snack-Würstchen, Schinkenspicker, Nuggets, Wiener Schnitzel, „Fisch“-Stäbchen – alles rein vegetarisch. Die Auswahl an vegetarischen Produkten ist groß.

Aber vegan? Da habe ich lediglich die Wahl zwischen veganer Salami und veganem Schinkenspicker. Haben mir Freunde zwar immer wieder davon abgeraten, Ersatzprodukte zu kaufen, will ich mir doch selbst ein Bild davon machen.

Eine Packung vegane Schinkenspicker landet in meinem Einkaufwagen – auf Erbsenbasis. Wie ich später feststelle, ist der Geschmack doch gewöhnungsbedürftig. Auch die veganen Falafel-Würstchen werden zwar kross wie eine normale Bratwurst – und stellen für Herzblut-Veganer mit Sicherheit eine tolle Alternative dar. Für mich ersetzen sie eine echte Bratwurst aber kaum.

Und immer wieder merke ich: Ohne Kochen geht es nicht

Ich frage eine Mitarbeiterin nach veganen Fertiggerichten – retten sie mich doch ganz gerne über die Woche. Doch vegane Fertiggerichte sind Fehlanzeige. Eben deswegen – ohne Kochen geht es nicht.

Vor dem Vegan-Regal treffe ich auf Gleichgesinnte. Ein junges Pärchen sucht nach veganer Wurst. Aus gesundheitlichen Gründen sind sie auf vegane Ernährung umgestiegen, berichten sie mir. Das sei dann auf den „ethischen Aspekt übergeschwappt“, je mehr sie sich damit beschäftigt haben. Schnell merke ich: Sie stehen hinter der Sache. Sie rufen mir ein „Bleiben Sie dabei!“ hinterher. Schauen wir mal.

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Und noch etwas erfahre ich bei meinem Einkauf: Überwiegend junge Menschen bis 35 Jahre suchen die vegane Ecke gezielt auf, verrät mir die Markt-Mitarbeiterin. Die meisten aus Überzeugung. Eher selten finden „normale“ Esser ihren Weg zu den veganen Produkten.

Diese veganen Rezepte schmecken sogar gut

Deswegen werden sie immer mal wieder in einem Regal dazwischen gestellt. Meine vegane Nuss-Nougat-Creme – übrigens auch noch bio – steht neben Kokoscreme und anderen süßen – nicht-veganen – Aufstrichen. Bewusst, wie mir der Filialleiter berichtet. Denn so wird nicht nur eine spezielle Kundschaft angesprochen, und es ist leichter, nur bestimmte Produkte zu ersetzen.

Angekommen beim Knabberzeug, fällt es mir deutlich schwerer, etwas Passendes zu finden. Am Ende kaufe ich doch nur zwei Tüten vegane Gummibären und eine Tafel superteure Schokolade. Denn mein Geldbeutel merkt die Preisunterschiede zu „normalen“ Produkten. Und mir fällt auf: Tomate ist nicht gleich Tomate. Für mein Rezept suche ich passierte Tomaten und stelle schnell fest: Augen auf bei der Zutatenliste. Denn nicht alles, von dem ich denke, es wäre vegan, ist es auch.

Im Rückblick stelle ich fest: Selten habe ich mich so bewusst ernährt und viel mehr habe ich selbst gekocht: Vegane Linsen-Bolognese, die sogar ganz gut schmeckt. Das Hack fehlt mir dann aber doch. Und vegane Tomaten-Paprika-Suppe – das Rezept merke ich mir. Auch der Eismann meines Vertrauens hilft mir weiter. Sehr zu meiner Freude ist sämtliches Fruchteis in seiner Theke vegan – habe ich beim Nachfragen doch noch mit komischen Blicken gerechnet, zuckt er nur mit den Schultern.

Ein Restaurantbesuch ist gar nicht so einfach

Gar nicht so einfach ist es dagegen, auf der Speisekarte eines griechischen Restaurants fündig zu werden: Für ein Geburtstagsessen in der Familie steht nur ein Salat zur Auswahl – und das auch nur, wenn ich den Feta-Käse abbestelle. Ob das Lachsfilet auf der Karte mich nicht doch zu sehr anlacht. . .? Ebenfalls schwierig ist es, etwas Passendes in der Mittagspause zu finden. Natürlich habe ich die Tage vorher schon immer mal die Augen offen gehalten. Mein veganes Chicken-Teriyaki-Sandwich mit veganer Aioli ist allerdings ein Flop. Gut also, dass ich etwas mehr Linsenbolognese eingefroren habe.

Mein Fazit: Sich eine Woche lang vegan zu ernähren, ist gar nicht mal so leicht. Bewusster darauf geachtet, was ich esse – das habe ich. Aber ich werde dann doch schwach, wenn mir die Kollegin einen „normalen“ Muffin auf den Schreibtisch stellt.

Rezept: So gelingt die vegane Tomaten-Paprika-Suppe

  • Zutaten für vier Portionen:
  • 1 Paprika, 300 g reife Tomaten, 1 Zwiebel, 1 Knoblauchzehe, 2 EL Tomatenmark (alternativ: passierte Tomaten), 2 EL Öl, 2 TL Brühe (alternativ: Brühwürfel), 1/2 TL Pfeffer, nach Bedarf Salz
  • Zubereitung: Fünf Minuten Vorbereitungszeit, 30 Minuten Kochzeit
  • Schritt 1: Zwiebel und Knoblauch abziehen, Zwiebel in Würfel schneiden, Knoblauch fein hacken und beides in erhitztem Öl andünsten. Paprika waschen und halbieren. Tomaten waschen, die Tomaten und Paprika in Stücke schneiden, dazugeben und ebenfalls andünsten.
  • Schritt 2: Tomatenmark, 300 ml Wasser und Brühe dazugeben, aufkochen und abgedeckt ca. 20 Minuten garen. Suppe pürieren und mit ½ TL Pfeffer und nach Bedarf mit Salz abschmecken. Fertig ist die Tomaten-Paprika-Suppe. 
  • Tipps:
  • Wahlweise mit Toppings wie zerbröseltem Feta, knusprigem Bacon, Mini-Mozzarella garnieren. Wer es schärfer mag, kann die Suppe mit Chili-Gewürzsalz verfeinern.

Serie

In der Serie „Natürlich nachhaltig“ dreht sich alles um die Themen Klimawandel und Umweltschutz. Alle Folgen gibt es hier.

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