Wildpflanzen

Nachhaltiges Projekt treibt erste Blüten

Johanna Dahlmann (v.l.), Dr. Jan Boomers und Pia Kambergs mit der getrockneten Pflanze, die getrocknet wird. Später trennt man die Samen von der Pflanze durch einen Dreschvorgang.
+
Johanna Dahlmann (v.l.), Dr. Jan Boomers und Pia Kambergs mit der getrockneten Pflanze, die getrocknet wird. Später trennt man die Samen von der Pflanze durch einen Dreschvorgang.

In zwei Jahren soll bergisches Saatgut zur Aufwertung von Grünflächen für Verbraucher zur Verfügung stehen.

Von Anna Lauterjung

Solingen. Nach zwei Jahren harter Arbeit konnten in diesem Sommer die ersten Erträge des Projektes „Bergisches Saatgut für Bergische Vielfalt“ der Biologischen Station Mittlere Wupper geerntet werden. Das Projekt wird in Kooperation mit der Biologischen Station Rhein-Berg und Oberberg sowie dem Naturpark Bergisches Land durchgeführt und mit 130 000 Euro vom Landschaftsverband Rheinland gefördert.

„Grünland ist nicht gleich Grünland.“

Dr. Jan Boomers, Leiter der Biologischen Station Mittlere Wupper

Im Jahr 2018 startete das Projekt „Bergisches Saatgut für Bergische Vielfalt“. Auslöser war, dass es in den vergangenen Jahren immer weniger Grünlandflächen im Bergischen gebe. „Und Grünland ist nicht gleich Grünland“, warnt der Leiter der Biologischen Station Mittlere Wupper, Dr. Jan Boomers. Gerade die hochwertigeren Flächen mit vielen regionalen Wildpflanzen seien von dem Rückgang betroffen. Neben der Dezimierung einiger bergischer Arten – darunter fällt die Wiesenmargerite – spiele dieses auch eine große Rolle bei der schwindenden Insektenvielfalt. Ziel des Projektes sei es daher, die Anzahl der hochwertigen Grünflächen wieder zu steigern. Deshalb wird im eigenen Anbau der biologischen Station ein Saatgut aus 20 bergischen Wildpflanzen entwickelt. Im ersten Schritt wurden 2018 dafür Wildpflanzen gesammelt, unter anderem im Weinsberger Bachtal in Höhscheid. Zunächst hatte das Team der biologischen Station geplant, die gewonnene Saat direkt an kooperierende Landwirte zu geben. Sie sollten die bergischen Wildpflanzen im großen Stil vermehren. „Doch der trockene Sommer machte uns einen Strich durch die Rechnung“, erklärt Biologin Johanna Dahlmann. Die Landwirte haben ihre Flächen für andere Zwecke gebraucht und die biologische Station übernahm schließlich die Zwischenvermehrung selbst. Dafür konnten die Technischen Betriebe die Fläche der alten Stadtgärtnerei am Klinikum pachten.

Zusätzlich dazu nutzte das Team der biologischen Station ein Gewächshaus des Botanischen Gartens. Hier wurden die Pflanzen getrocknet, aus ihnen das Saatgut gewonnen und gereinigt, die neuen Setzlinge in Schalen aufgezogen und schließlich in die Freiluftbeete gepflanzt.

Diesen Sommer konnten nun die ersten Wildpflanzen aus eigenen Anbau geerntet werden – und so geht der Kreislauf weiter. Ohne die Hilfe der Ehrenamtler und FSJler hätte das Team die Arbeit indes nicht bewältigen können, betont Biologin Pia Kambergs. Der ungeplante eigene Anbau hatte allerdings auch seine positiven Seiten. Es sei nämlich nicht so einfach, wie es sich anhört. Im Gegensatz zu den Kulturpflanzen fehlten oft Informationen über die Wildpflanzen und ihre idealen Wachstumsbedingungen. Pia Kambergs: „Es gibt keine Anleitung. Wir müssen vieles einfach ausprobieren.“ Zweimal am Tag kümmert sich das Team um die Beete, was nur durch die Nähe zur biologischen Station möglich gewesen sei. Durch die gute Betreuung fiel schließlich auch der Ertrag höher aus als erwartet, berichtet Pia Kambergs.

Im nächsten Schritt soll nun das eigens gewonnene Saatgut an Landwirte weitergegeben werden, die es dann weiter vervielfältigen. Danach wird es an Saatgutunternehmen verkauft, die es zu einer bergischen Mischung zusammenstellen. Dafür werden allerdings noch händeringend landwirtschaftliche Betriebe gesucht, erklärt Pia Kambergs.

Ihre Kollegin Johanna Dahlmann schätzt, dass es noch ungefähr zwei Jahre dauern wird, bevor die Saatgutmischung schließlich zur Aufwertung von Grünflächen für Landwirte und Verbraucher zur Verfügung stehen wird.

Tipps

Artenvielfalt: Auch im eigenen Garten oder auf dem Balkon lässt sich viel für die Insektenvielfalt tun. Florist Thorsten Ulbrich von Garten Ulbrich rät, auf die richtige Lage zu achten. Für den Garten eignen sich Wildblumenmischungen als Anziehungspunkt für Bienen und Insekten, während für den Balkon eher Stauden in Frage kommen. Wärmeliebende Pflanzen wie Paprika und Tomaten oder trockenresistente Gräser halten auch bei Hitze gut durch.

Steingärten: Laut Thorsten Ulbrich sind sie keine Alternative. Denn sie sorgten nicht für Artenvielfalt und machten mindestens genauso viel Arbeit wie ein Garten.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesen

Strengere Corona-Regeln in Solingen: So reagieren die Behörden
Strengere Corona-Regeln in Solingen: So reagieren die Behörden
Strengere Corona-Regeln in Solingen: So reagieren die Behörden
Corona: Ab heute gelten strengere Regeln - Weiter höchster Wert im Bund - Impfmobil unterwegs
Corona: Ab heute gelten strengere Regeln - Weiter höchster Wert im Bund - Impfmobil unterwegs
Corona: Ab heute gelten strengere Regeln - Weiter höchster Wert im Bund - Impfmobil unterwegs
Fahren trotz Verbot: Autofahrer ignorieren Absperrungen
Fahren trotz Verbot: Autofahrer ignorieren Absperrungen
Fahren trotz Verbot: Autofahrer ignorieren Absperrungen
Inzidenz über 50: Diese Corona-Regeln gelten in Solingen ab Montag
Inzidenz über 50: Diese Corona-Regeln gelten in Solingen ab Montag
Inzidenz über 50: Diese Corona-Regeln gelten in Solingen ab Montag

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Kommentare