Nachbarn glaubten der Pflegemutter

Prozess vor dem Landgericht Wuppertal

Von Dirk Lotze

Eine Persönlichkeit mit zwei Seiten – mal freundlich, dann aufbrausend bis gewalttätig – so beschreiben Nachbarn die frühere Pflegemutter aus Solingen im Prozess um den Tod des ihr anvertrauten Kleinkindes. Die 51-jährige Angeklagte hat zugegeben, am 16. Juni 2017 ihre Pflegetochter so geschlagen zu haben, dass das Kind starb. Das Mädchen wurde nur 21 Monate alt. Die Geschäftsfrau hatte es aus einer Bereitschaftspflegestelle übernommen. Die Zeugen berichteten: Bei allen Schwierigkeiten mit der Angeklagten hätten sie ihr mehrfach geglaubt, dass das Kleinkind Unfälle erlitten habe.

Laut ärztlichen Gutachtern muss das Mädchen schwerste Gewalt „wie bei einem Autounfall“ erfahren haben. Es starb an inneren Verletzungen. Sie habe die Pflegetochter bestrafen wollen – weil die knapp Zweijährige beim Essen mit einem Löffel „herumgeschlagen“ habe, gestand die Angeklagte. Sie habe schließlich den Rettungsdienst gerufen.

Eine Nachbarin sagte aus, sie habe ein andauerndes Schreien der Angeklagten vor dem Haus gehört. Die Frau habe das Pflegekind auf dem Arm getragen. Dann seien Sanitäter erschienen. Die Angeklagte habe damals unter Tränen berichtet, das Kind sei mit seinem Hochstuhl umgekippt und auf ein Feuerwehr-Spielzeugauto gefallen, als sie nicht dabei war. Inzwischen räumte sie ein, dass das nicht stimmte. Auch Gutachter kamen zu dem Schluss, dass der vermeintliche Sturz die Verletzungen des Kindes nicht erkläre.

Die Zeugin beschrieb die Angeklagte als schwierige Nachbarin: „Abends kann alles gut sein und am nächsten Morgen ist es das Gegenteil.“ Sie habe einmal gesehen, wie sie die Pflegetochter an der Kleidung die Treppe zum Hauseingang hoch zerrte. „Damals habe ich mir gedacht: Okay, man ist als Mutter vielleicht mal überfordert.“

Nachbar hatte im Vorfeld bei dem Kind Verletzungen entdeckt

Ein Nachbar sagte aus, er habe Monate vor dem tragischen Tod Verletzungen bei dem Kind gesehen. Die Angeklagte habe von einem Unfall berichtet. Er habe es geglaubt.

Die Angeklagte brauste auf, als der Mann berichtete: Sie habe ihn einmal geschlagen, als sie beim Kartenspiel verloren hatte. „Mensch!“, herrschte sie ihn an, bis ihr Anwalt sie beruhigte. Derselbe Zeuge fügte hinzu, am Todestag der Pflegetochter habe die Angeklagte ihm gesagt: „Jetzt komme ich in den Knast.“ Er habe noch geantwortet: „Quatsch! Warum?“ Das habe sie offen gelassen.

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