Faustschlag im Nachbarschaftsstreit

Nach Prügelei: Solinger nimmt Geldstrafe von 600 Euro an

Landgericht Wuppertal
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Der 41-jährige Angeklagte gestand die Tat vor dem Landgericht in Wuppertal.

Von Dirk Lotze

Solingen. Nach einer Prügelei in einem Mietshaus am Mangenberg nimmt ein 41 Jahre alter Angeklagter seine Strafe an. Er zahlt 600 Euro an die Landeskasse, weil er im Streit gegen einen Nachbarn den ersten Faustschlag setzte. Die Tat räumte er in der Berufung vor dem Landgericht Wuppertal ein. Seine Strafe ist gering, weil sein Hieb schlecht traf und er anschließend selbst die meisten Schläge einstecken musste. Der Mann ist vorbestraft wegen anderer Taten und stand während des Geschehens unter Bewährung.

Auslöser im Oktober 2020 war ein Streit um Alltäglichkeiten. Den trugen Bewohnerinnen und Bewohner mehrerer Etagen lautstark auf der Treppe aus. Ein Mitbewohner sah, dass der Angeklagte mit einer Faust als Erster zuschlug. Dieser Zeuge hatte nach übereinstimmenden Aussagen nicht mit gestritten, und er war an den Verwicklungen im Haus nicht beteiligt: Nicht an der Trennung einer Nachbarin von ihrem Partner, dem Ärger um morgendliches „lautes Singen“ eines anderen Bewohners und nicht an womöglich ständigen, kurzen Besuchen unbekannter Personen beim Angeklagten. Der sollte einer Aussage zufolge „ganz bestimmt was mit Drogen zu tun haben“´.

Der Streit uferte nach dem Faustschlag aus: Ein Nachbar soll einen Stock geholt und damit auf den Angeklagten eingeschlagen haben, bis dieser „genug“ hatte. Der wiederum habe – womöglich – einen Elektroschocker in der Hand gehabt. Jemand habe „Bastard“ und „Hurensohn“ gerufen; wer es war, blieb offen. Die Aussagen variierten, das Amtsgericht ließ in seinem ersten Urteil die betreffenden Punkte außen vor.

Versetzen Sie sich in unsere Lage und überlegen Sie, was wir tun können.

Vorsitzender Richter

Der Berufsrichter im Landgericht schloss seine Zusammenfassung des Amtsgerichtsverfahrens mit einer Frage an den Angeklagten zu dessen Vorstellungen vom Verlauf einer zweiten Verhandlung: „Wollen Sie sich das wirklich antun? Versetzen Sie sich in unsere Rolle, und überlegen Sie, was wir tun können.“ Der Richter fügte hinzu: „Mir persönlich ist lieber, ich höre nichts, als wenn ich Dinge höre, die ich nicht glauben kann.“ In der ersten Version des Angeklagten fehlte bis dahin der Faustschlag. Damit hätte es keinen Auslöser für den Geschlagenen gegeben, seinen Stock zu holen.

Der deutliche Hinweis des Richters gab den Ausschlag. Der Angeklagte nahm Urteil und Strafe an. Der Betrag entspricht seinem Arbeitslosengeld von sechs Wochen.

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