Prozess

Nach Prügelattacke: Kurze Hose verrät den Angeklagten

Das Landgericht in Wuppertal.
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Das Landgericht in Wuppertal.

Ein 40-Jähriger muss sich wegen einer Prügelattacke auf eine Solingerin vor dem Landgericht verantworten.

Von Dirk Lotze

Solingen. Nach einer Prügelattacke auf eine Solingerin an ihrer Wohnungstür im Stadtbezirk Gräfrath muss sich ein 40 Jahre alter Angeklagter vor Gericht verantworten. Die Besatzung eines Streifenwagens hatte den Mann binnen Minuten in der Nähe des Tatorts aufgegriffen, nachdem sie ihn an seiner ungewöhnlichen Erscheinung erkannt hatte: Er trug bei dem Geschehen von Mitte Dezember 2017 kurze Hosen – und dazu dicke Handschuhe. Die Überfallene hatte die Kleidung des Mannes beschrieben, als sie ihren Notruf absetzte.

Der 40-Jährige ist polizeibekannt seit Jahren. Er soll mehrfach bei kleinstem Anlass „an die Decke“ gegangen sein – teils nach Ankündigungen, er werde „gleich ausrasten“. Im Prozess vor dem Amtsgericht in Wuppertal geht es für ihn um etliche Übergriffe bei mehreren Begebenheiten, einen Wurf mit einem Fahrrad, Widerstand gegen Polizisten, Beleidigungen – und reihenweise Drohungen im Internet gegen zwei Staatsanwältinnen: Er werde sie finden und töten, weil sie „Lügen“ über ihn schrieben. Versendet unter seiner eigenen E-Mail-Adresse.

Das Gericht lässt den Mann von einem Psychiater untersuchen. Zur Verhandlung erschien er bei winterlichen fünf Grad nassgeregnet in einem knapp geschnittenen Sport-Unterhemd, ohne Jacke.

Solingen: Vor dem Übergriff gab es rätselhafte Anrufe

Die Geschädigte (44) aus Gräfrath berichtete, Familienmitglieder hätten vor dem Übergriff über mehrere Wochen rätselhafte Anrufe erhalten, die niemand zuordnen konnte: Beschimpfungen im Stil von „Hurensohn“, Drohungen mit dem Tod. Am Tattag habe sie die Wohnungstür geöffnet, weil sie eine Nachbarin erwartete. Der Mann im Treppenraum habe einen Fuß vor das Türblatt gestellt, sie am Kopf gepackt und an einem Ohr gezerrt. Sie habe sich gewehrt und Hilfe gerufen, so dass der Angreifer schließlich flüchtete. Eine volle Woche habe sie noch Schmerzen am Ohr gehabt. Der Vermieter der Frau hatte den Mann ebenfalls beobachtet.

Der Angeklagte sagt zu dem Vorfall, er sei nicht an dem Haus gewesen und habe die Frau nie gesehen. Streit habe er allerdings mit ihrem Sohn gehabt. Am Tattag habe er einen Bekannten im städtischen Klinikum besucht und sich deshalb im Viertel aufgehalten.

Das Gericht will in der kommenden Woche weitere Zeugen hören.

Erst Ende Februar hatte das Landgericht Jugendstrafen nach einem doppelten Raubüberfall verhängt.

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