Düsseldorfer Straße

Nach Douglas-Aus in Ohligs: Leerstand in Haus mit bewegter Geschichte

Das markante Haus an der Ecke Düsseldorfer Straße / Wittenbergstraße steht nicht zum ersten Mal leer. Foto: Christian Beier
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Das markante Haus an der Ecke Düsseldorfer Straße / Wittenbergstraße steht nicht zum ersten Mal leer.

In dem Gebäude waren nacheinander ein „Zentral-Basar“, zwei Kaufhäuser und eine Parfümerie. Was jetzt folgt, ist unklar.

Von Andreas Tews

Die Zeiten, in denen ein Kaufmann wie Herbert Altmann durch das Ohligser Zentrum fuhr und sich spontan dazu entschloss, innerhalb von vier Wochen ein Kaufhaus zu eröffnen, sind vorbei. Somit ist nicht abzusehen, was aus dem Haus an der Ecke Düsseldorfer Straße / Wittenbergstraße nach der Schließung der Parfümerie-Filiale Douglas wird. In Ohligs wünscht man sich Einzelhandel oder Gastronomie.

Städtebaulicher Aufschwung setzte in den 1870er-Jahren ein

Entstanden ist der markante Bau in einer Zeit, da sich Ohligs laut Ralf Rogge, Leiter des Stadtarchivs, städtebaulich in einem enormen Aufschwung befand. Im Bereich rund um den 1867 eröffneten Bahnhof setzte eine große Bautätigkeit ein. Zu Beginn der 1870er-Jahre entschied sich die Verwaltung der Stadt Merscheid – zu der gehörte Ohligs damals – für eine moderne Stadtentwicklung. Das Ende der traditionellen Bebauung in den Hofschaften Hüttenhaus und Bockstiege war beendet. An der so entstehenden Düsseldorfer Straße wurde seinerzeit auch das Haus mit der heutigen Nummer 35 gebaut.

Der Kaufmann Paul Steeg eröffnete einen „Zentral-Basar“

1910 eröffnete dort der seit fünf Jahren in Ohligs lebende Kaufmann Paul Steeg seinen „Zentral-Basar“. Er hatte bis dahin eine Spielwarenhandlung geführt. Fortan warb Steeg für sein Sortiment mit Küchengeräten, modischen Accessoires sowie Kurz- und Spielwaren. Auch eine „vorteilhafte Auswahl an Geschenkartikeln“ pries er an.

Vor dem Haus liegt einer der ersten Stolpersteine Solingens

Doch mit dem Aufkommen der Nationalsozialisten zog sich der jüdische Kaufmann am 10. Januar 1933 aus seinem Geschäft zurück. Seine Wohnung in Ohligs behielt er bis zur Pogromnacht am 9. November 1938. Nachdem die Wohnung geplündert worden war, floh Steeg nach Köln. Dort starb er wenig später im Alter von 64 Jahren. Zum Gedenken an ihn wurde 2004 ein „Stolperstein“ vor dem Haus verlegt. Dies war einer der ersten in Solingen.

Kaufhäuser blieben bis zum Ende des Jahrtausends

Auch nach dem „Zentral-Basar“ prägten Kaufhäuser das Stadtbild an dieser Stelle. Zunächst eröffnete das HEKA. Im Jahr 1967 begann die Ära von Herbert Altmann. Dass er seinen Plan für das Kaufhaus in so kurzer Zeit in die Tat umsetzen konnte, war auf einige günstige Faktoren zurückzuführen. Zum einen spielte die Einkaufsgesellschaft „Grohag“ mit, mit der er kooperierte. Zum anderen war auch geschultes Personal verfügbar. Das Sortiment in Altmanns Geschäft war breit gefächert. Als Besonderheit galten die „Drogerie im Kaufhaus“ sowie die Abteilungen für Babyartikel und Kindermode. In dieser Zeit wurde die Düsseldorfer Straße 1975 zur Fußgängerzone. Sein Kaufhaus-Konzept änderte Herbert Altmann bis 1999 kaum. Dann gab er das Geschäft aus Altersgründen auf. Ein Nachfolger fand sich nicht. Zwei Jahre weitgehender Leerstand folgten.

Parfümerie Douglas beendete den Leerstand

Das Haus wurde in mehrere Ladenlokale aufgeteilt. Auf 126 Quadratmetern zog der Optiker Bergmann ein. Erst 2001 mietete die Parfümerie Douglas den größten Teil der Flächen im Erdgeschoss. Nach 19 Jahren schloss Douglas seinen Laden Anfang dieses Jahres.

Ohligser setzten auf ihre Geschlossenheit

OHLIGS IM WANDEL

FUSSGÄNGERZONE 2021 sollen der Marktplatz und die Düsseldorfer Straße für 4,5 Millionen Euro umgebaut werden. Fußgängerzone und Markt sollen attraktiver werden. Die Stadt-Sparkasse will 2020 ihre neue Fiale am Marktplatz errichten.

O-QUARTIER Ganz in der Nähe entstehen auf dem Gelände des O-Quartiers über 300 neue Wohneinheiten.

Somit steht das Gebäude an markanter Stelle zwar erneut leer. Gloria Göllmann, Geschäftsführerin der Immobilien- und Standortgemeinschaft will dies aber nicht überbewerten. Sie setzt auf den Zusammenhalt der Ohligser, durch den es gelingen könne, an der Düsseldorfer Straße einen Niedergang wie an der Hauptstraße in Solingen-Mitte zu vermeiden. Auch Brigitte Kiekenap (Ohligser Werbe- und Interessengemeinschaft) wünscht sich eine Nutzung des Gebäudes, die Kunden ins Stadtteilzentrum locke. Sie kann sich Geschäfte aber auch Gastronomie vorstellen. Dienstleister wären aus ihrer Sicht dort nicht optimal.

Lesen Sie auch: Ohligs wertet seine Höfe und Fassaden auf

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