Vergewaltigungsprozess

Mutter hörte Schreie ihrer Tochter

Ein 36-Jähriger ist wegen versuchten Totschlags angeklagt.
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Das Landgericht in Wuppertal.

Die Mutter des Opfers verhinderte womöglich noch Schlimmeres. Sie sagte jetzt im Vergewaltigungsprozess am Landgericht aus.

Von Dirk Lotze

Solingen. Im Fall um Verdacht der Vergewaltigung einer 21 Jahre alten Solingerin in ihrem Elternhaus in Höhscheid war es die Mutter der Frau, die womöglich noch Schlimmeres verhinderte. Verantworten vor dem Landgericht Wuppertal muss sich der damals 29-jährige Freund der Tochter. Die Mutter berichtete im Zeugenstand, sie habe im Erdgeschoss die Schreie ihrer Tochter gehört, die sich mit dem Mann im Untergeschoss befand: „Sie hat gerufen: ‘Hilfe! Mama!’. Ich bin runter, aber ihre Zimmertür war verschlossen. Ich habe mit Fäusten dagegen gehämmert und gebrüllt: ‘Aufmachen, oder ich schlag’ die Tür ein!’“ Darauf habe der Angeklagte geöffnet und mehrfach erklärt: „Ich hab’ nichts gemacht!“

Das Landgericht muss fünf Vorfälle aus 2016 aufklären, aus dem letzten halben Jahr der Beziehung des Paares. Vier Monate vor dem Geschehen im Zimmer der Geschädigten soll der Angeklagte sie im Streit in einer Diskothek am Hals gepackt und „gegen eine Wand geschlagen“ haben. Zeugen hatten den Übergriff beobachtet, eine Schulfreundin der Geschädigten rief die Polizei. Die heute 26 Jahre alte Verletzte erklärte: Es habe mehrfach Trennungen und Wiederannäherungen gegeben. Ihre Mutter sagte den Richtern: „Anfangs war sie glücklich, aber dann hatte sie ständig blaue Flecken an Armen und Beinen.“ Die Tochter habe das heruntergespielt: Sie habe sich gestoßen.

Die Mutter sagte aus, nach dem noch unbewiesenen, sexuellen Übergriff im Zimmer der Tochter habe sie Mühe gehabt, das streitende Paar zu trennen. Die damals 21-Jährige habe geschlagen und Kraftausdrücke verwendet, schließlich sei der Angeklagte gegangen.

Es kam noch zu drei weiteren gewaltsamen Übergriffen

Der Mutter zufolge vertraute sich ihr die Tochter später an und beschrieb: Der Angeklagte habe ihr Handy kontrolliert und sie beschimpft, dann habe er sie auf das Bett gedrückt, festgehalten und den Geschlechtsverkehr an ihr vollzogen. Wenige Tage später sei das Paar wieder zusammengewesen: Der Mann habe eingewilligt, sich in Therapie zu begeben. Die Tochter habe sich darauf eingelassen, weil er ihre „erste große Liebe“ gewesen sei. Sie habe sich um einen Behandlungsplatz für ihn bemüht. Laut Anklage kam es zwischen November und Anfang Dezember 2016 noch zu drei weiteren, gewaltsamen Übergriffen. Dann trennte sich das Paar.

Der heute 34 Jahre alte Angeklagte schweigt im Prozess. Sein Anwalt fragte die Zeuginnen, was sie über das Verfahren besprochen hätten. Die Mutter berichtete, ihre Tochter habe am ersten Prozesstag nach der Aussage gesagt, wie schlimm es war, den Angeklagten wiederzusehen. „Dass er keine Regung von sich gibt, obwohl er die Taten ja kennt.“

Das Landgericht will am Montag weiter verhandeln.

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