Gebr. Nippes feiert 100-Jähriges

Solinger Familienunternehmen blickt optimistisch in die Zukunft

Markus Nippes stieß mit der Belegschaft, Frau Daniela und seinen Kindern Hanna (13) und Luca (19) auf das Jubiläum an. In der Mitte ist die 60 Zentimeter große Pinzette zu sehen, die die Mitarbeiter als Überraschung für ihren Chef gefertigt haben.
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Markus Nippes stieß mit der Belegschaft, Frau Daniela und seinen Kindern Hanna (13) und Luca (19) auf das Jubiläum an. In der Mitte ist die 60 Zentimeter große Pinzette zu sehen, die die Mitarbeiter als Überraschung für ihren Chef gefertigt haben.

Es waren wirtschaftlich ungemütliche Zeiten. Doch die Brüder Ernst und Friedrich Nippes ließen sich von der ausufernden Inflation nicht abschrecken.

Von Manuel Böhnke

Solingen. 1923 machten sie sich mit einer Stahlwarenfabrik in Solingen selbstständig. Ihr Mut hat sich ausgezahlt: In diesem Jahr feiert die Gebrüder Nippes GmbH & Co. KG ihr 100-jähriges Bestehen.

„100 Jahre in der Hand einer Familie – das ist schon besonders“, findet Markus Nippes. Der 54-Jährige hat die Firma 2002 von seinem Vater Horst übernommen und führt sie in dritter Generation. Das Fahrwasser war nicht nur bei Gründung des Betriebs unruhig, auch im Jubiläumsjahr könnten die Vorzeichen besser sein. Nippes berichtet von hohen Vorläufen und steigenden Kosten für Rohware, vervielfachten Energiepreisen. Dennoch sei er 2022 mit dem Ergebnis zufrieden gewesen, auch der Ausblick auf 2023 gebe Anlass zu Optimismus.

Was wohl auch daran liegt, dass die Produkte der Solinger auf der Nachfrageseite selten großen Schwankungen unterlegen sind. „Mani- und Pediküre-Artikel boomen in wirtschaftlich guten Zeiten nicht, erleben dafür in angespannten Situationen aber auch keine riesigen Einbrüche“, erläutert Markus Nippes.

Rund 1,5 Millionen Haut- und Nagelscheren, Zangen und Pinzetten verlassen den Straußplatz pro Jahr. 2016 ist das Unternehmen in den etwa 1500 Quadratmeter großen Neubau im Gewerbegebiet Monhofer Feld gezogen. Vor drei Jahren musste der Standort erstmals angepasst werden, berichtet Betriebsleiter Michael Spiecker. Der Grund: Nippes hat sein Angebot um Industriepinzetten erweitert.

Dieser Zweig macht einen verhältnismäßig kleinen Teil der Aktivitäten aus. Schwerpunkt ist die Zusammenarbeit mit Apotheken. Nach dem Ende der inhabergeführten Drogerien in Deutschland war es Horst Nippes, der diesen Markt erschloss – heute zählen die Solinger in diesem Bereich zu den führenden Anbietern. Regelmäßig überarbeitet das Team seine Warenpräsentation in den Apotheken. „Wir verkaufen keine Produkte, nach denen man unbedingt sucht. Aber jeder braucht sie“, erläutert der 55-jährige Spiecker. Die Darstellung sei entscheidend.

„Wir verstehen uns als Manufaktur.“

Markus Nippes, Geschäftsführer

Markus Nippes ist mit der Entwicklung des Unternehmens zufrieden. Seine Produkte in großen Drogerieketten oder Supermärkten zu sehen, sei kein Ziel. „Da ist der Preiskampf zu groß. Wir verstehen uns als Manufaktur“, erklärt der Chirurgiemechaniker.

Dabei hält sich der Betrieb an die Solingenverordnung. Die Rohware kommen von Lieferanten aus der Klingenstadt, alle weiteren Arbeitsschritte erfolgen am Straußplatz. „Solingen und ‚Made in Germany‘ haben international einen hohen Stellenwert“, betont Michael Spiecker. Gebrüder Nippes kommt das zugute: Rund 60 Prozent des Umsatzes werden im Ausland erzielt.

Immer wichtiger werde vielen Kunden das Thema Nachhaltigkeit. Die Firma reagiert darauf. Die bestehende Photovoltaikanlage wird im Sommer deutlich vergrößert. Zudem setzen die Solinger bei den Verpackungen auf wiederverwendbare Materialien wie Bio-PET, experimentieren mit Hüllen aus Pappe. Beim Produkt selbst sieht Michael Spiecker kaum Luft nach oben: „Hochwertige Maniküreprodukte kann man viele, viele Jahre lang verwenden. Nachhaltiger geht es nicht.“

Rund 30 Mitarbeiter zählen die Solinger. Viele von ihnen sind lange an Bord. Beispielhaft nennt Markus Nippes Vorarbeiter Ali Bonnou, der seit 50 Jahren dabei sei. Das wertet der Geschäftsführer als Indiz für ein gutes Betriebsklima. Dafür spricht, wie er vergangene Woche anlässlich des 100-jährigen Bestehens überrascht wurde. Als er morgens die Firma betrat, wartete die Belegschaft mit einer 60 Zentimeter langen Pinzette als Geschenk auf ihren Chef.

Bedarf für neue Mitarbeiter sei da, bestätigt Markus Nippes. Doch geeignetes Personal zu finden, gestalte sich schwierig. Umso dankbarer sei er, dass er sich auf seine Mannschaft verlassen könne. Und auf seine Familie. Sie spielt bei Gebrüder Nippes eine große Rolle. Michael Spiecker und Markus Nippes sind Cousins. Ehefrau Daniela Nippes ist im Büro tätig. Und auch Luca, der 19-jährige Sohn des Paares, hat bereits in den elterlichen Betrieb hineingeschnuppert. „Natürlich würde ich mich freuen, wenn eines meiner Kinder die Firma weiterführt“, betont Markus Nippes. Ans Aufhören denke er aber noch nicht: „Ich will mit 80 das 125-jährige Bestehen feiern.“

Unternehmen

Standort: Der Ursprung der Gebrüder Nippes GmbH & Co. KG liegt in Widdert. 1950 zog das Unternehmen an die Kyffhäuserstraße, 2016 an den Straußplatz.

Internet: Zwölf Prozent des Umsatzes erzielt das Solinger Familienunternehmen im Internet.

www.nippes-solingen.de

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