Gemeinschaft und Solidarität

Muslime wünschen sich Möglichkeit des Muezzin-Rufs

Der Muezzin durfte im Ramadan mit einer Sondergenehmigung rufen, unter anderem auch in der Ditib-Gemeinde in Wald.
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Der Muezzin durfte im Ramadan in Solingen mit einer Sondergenehmigung rufen, unter anderem auch in der Ditib-Gemeinde in Wald.

Stadt erteilte der Ditib wegen Corona eine Ausnahmegenehmigung.

Von Kristin Dowe

Solingen. Für die Muslime ist der Ramadan eigentlich die Zeit der Gemeinschaft und des Zusammenkommens – zumindest beim abendlichen Fastenbrechen. Durch die Coronabedingungen verbrachte die muslimische Gemeinschaft in Solingen den Fastenmonat erstmals auf ganz andere Weise, als die Mitglieder es eigentlich gewohnt sind. Wie viele andere Städte in NRW hatte auch Solingen den Muslimen im Zeitraum der strengen Corona-Regelungen bis zum 30. April, in dem keine religiösen Veranstaltungen erlaubt waren, eine Ausnahmegenehmigung für den Muezzin-Ruf erteilt, der erstmals öffentlich ertönen durfte.

Von diesem Recht habe die muslimische Gemeinde auch Gebrauch gemacht, berichtet Ayse Borlucaoglu vom Frauenvorstand der Ditib. „Alle Ditib-Gemeinden haben bei der Stadt einen Antrag mit der Bitte um die Genehmigung, den Muezzin während des Ramadans rufen zu lassen, gestellt. In Mitte und Wald kam es dann auch zwei Mal dazu. Allerdings endete diese Genehmigung, als religiöse Veranstaltungen unter Hygieneauflagen wieder erlaubt waren. Darüber waren wir etwas enttäuscht.“

„Dazu müsste ein breiter öffentlicher Diskurs angestoßen werden.“

Sabine Rische, Stadtsprecherin

Solingen: Muezzin-Ruf kann Trost spenden

Denn wie den Christen das Glockenläuten könne auch der Muezzin-Ruf den Muslimen in der Coronazeit Trost spenden und das Gefühl von Gemeinschaft und Solidarität vermitteln. „Es wäre schön, wenn wir die Möglichkeit dazu grundsätzlich wenigstens an den beiden wichtigsten muslimischen Feiertagen, dem Zuckerfest, und dem Opferfest, hätten.“ An die Stadt hätten die Ditib-Gemeinden diesen Wunsch aber noch nicht herangetragen, was diese auf Nachfrage bestätigt. „Dazu müsste auf jeden Fall zunächst ein breiter öffentlicher Diskurs angestoßen werden“, teilt Stadtsprecherin Sabine Rische dazu mit.

In anderen Städten denkt man da schon weiter: So gab es in Krefeld Überlegungen, den Muezzin-Ruf dauerhaft zu genehmigen. „Wenn es die Möglichkeit dazu gäbe, würden wir sie auch nutzen“, ergänzt Canan Can, Vorstandsmitglied der Ditib. Mit Anfeindungen, etwa sei in einem solchen Fall aber zu rechnen. „Man lernt, mit einem Lächeln damit umzugehen.“

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