Konzert

Musikschule präsentiert sich in Spiellaune

Die jüngsten vom Bläser- und Schlagzeugensemble durften zeigen, was und vor allem wie viel sie schon „drauf“ haben.
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Die jüngsten vom Bläser- und Schlagzeugensemble durften zeigen, was und vor allem wie viel sie schon „drauf“ haben.

Beim Festakt zum 75-jährigen Jubiläum stehen 250 Musizierende auf der Bühne im Konzertsaal

Von Philipp Müller

Solingen. Als die Band Blues-Alarm der Musikschule den Jazzklassiker „Pick up the Pieces“ anstimmte, hätte dies zugleich der Titel des Konzerts zum 75-jährigen Bestehen der Einrichtung sein können. Denn die Musikschulleiterin Birgit Walter berichtete den rund 400 Gästen im Konzertsaal des Theater und Konzerthauses von den vielen Corona-Scherben, die die Schule habe aufsammeln müssen. Komplette Schließung gab es, Unterricht nur per Video, dann nur Einzelunterricht und alles auf Abstand.

Los Duplos II überzeugte mit Gitarrenmusik und stand stellvertretend für die Öffnung der Musikschule zu Musik abseits der reinen Klassik.

Wie gut die Scherben nicht nur aufgehoben, sondern auch perfekt wieder zusammengesetzt worden waren, dazu legten die verschiedenen Ensembles der Musikschule einen beeindruckenden „Arbeitsbeweis“ in rund zweieinhalb Stunden ab. Wo man den Eindruck in den ersten Takten mancher Stücke hatte, alle haben in der Corona-Pause Rost angesetzt, entpuppte sich der höchstens als Flugrost und wurde von der großen Spielfreude der 250 Mitwirkenden im Nu komplett weggeweht.

Und doch hätte fast alles wieder in Scherben gelegen. Ursprünglich sollte nämlich heute, am 18. November, das 75-jährige Bestehen gefeiert werden. Denn heute genau vor 75 Jahren gab es die Erlaubnis durch die englische Militärregierung (| Kasten), eine Sing-Schule zu eröffnen. Unter den nun geltenden 2G-Bedingungen hätten aber die jüngsten Mitglieder der Schule dann nicht auftreten dürfen, erklärte Walter dem Auditorium.

Das Jugendsinfonieorchester unter der Leitung von Peter Wuttke erhielt wie alle Ensembles beim Festakt warmen und langen Applaus.

Den Zuhörern gehörte auch Oberbürgermeister Tim Kurzbach (SPD) an. Er hatte nicht nur Süßigkeiten für die Musikschulgemeinde mitgebracht. Er erinnerte in seinem Grußwort auch an die entbehrungsreiche Nachkriegszeit, in der trotzdem die Schule startete. In den 75 Jahren habe die Einrichtung viel geleistet, und an die Musikerinnen und Musiker gerichtet sagte er: „Ihr seit ein starkes Stück Solingen.“

Christian Wächter, der Vorsitzende des Fördervereins der Musikschule, versprach, die Einrichtung auch weiterhin mit Tatkraft und Geld unterstützen zu wollen. Andreas Imgrund schließlich erinnerte an eine weitere Bedeutung der Musikschule. Sie ist Sitz der Zentralstelle für den deutschsprachigen Chorgesang in aller Welt. 650 Chöre würden betreut, sagte Imgrund. Er ist der Vorsitzende des Vereins für das Internationale Chorfestival unter dem Dach der Musikschule. Für den Oktober 2023 sei eine Neuauflage des Chortreffens geplant.

Musikschulleiterin Birgit Walter, Christian Wächter (Förderverein), Andreas Imgrund (Chorfestival) und OB Tim Kurzbach hielten Grußworte.

In den Umbaupausen unterhielt sich Birgit Walter mit einigen Schülerinnen und Schülern. Da wurde deutlich, wie wichtig die Musik im Leben der Interviewpartner ist. Jenny Thomas berichtete, wie sie über den Weg „Jugend musiziert“ den Entschluss fasste, Tuba zu studieren und Musik zum Beruf zu machen. Die zehnjährige Sophie Traviglia gab zu, dass sie nicht immer gerne üben würde, dann siege aber der Ehrgeiz: „Ich will das schaffen.“

„Ich will die Musikschule weiter öffnen.“

Birgit Walter, Musikschule

Walter selbst nahm sich zum Ende hin Zeit für einen eigenen Kurzvortrag. Die Spannbreite des Könnens in der Schule und die gebotene Musik liege auf ihrer Linie: „Ich will die Musikschule weiter öffnen.“ Das sei von fünf Themenfeldern bestimmt. Sie nannte, den Weg weg von einer Ausrichtung auf das Bildungsbürgertums hinein in die ganze Stadtgesellschaft. Kostenlose Workshops und Schnupperangebote sollen Hürden abbauen. Kooperationen mit anderen Schulen seien wichtig. Letztlich habe die Erweiterung um Angebote für Pop, Rock und Jazz neue Interessenten an die Musikschule gebracht. Letztlich – Punkt fünf – solle die Schule sich so verstehen: Jeder in der Stadt müsse mit Hilfe der Musikschule die Antwort auf die Frage finden: „Kann die Musik mein Leben bereichern?“

Geschichte der Musikschule

1945 begann der Chorleiter Josef Schlösser damit, die Idee einer Sing-Schule umzusetzen. Am 18. November 1946 erteilte die Militärregierung die Erlaubnis. Zunächst wurde in der August-Dicke-Schule unterrichtet. Am 9. Mai 1955 wird die Städtische Singschule zur Jugendmusikschule der Stadt Solingen. Heute hat die Schule ihren Sitz an der Flurstraße. 1979 wurde der Begriff Musikschule eingeführt, um die Schule auch für Erwachsene zu öffnen, die Unterricht nehmen wollte. Mehr zur Geschichte unter:

https://t1p.de/qj7xj

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