Musiker erzeugen Gänsehaut-Gefühl

LUTHERKIRCHE Über 700 Zuhörer bei Wolf Coderas Weihnachtskonzert - und viele Überraschungen.

Als sich die ersten Klarinettenklänge an den leisen Keyboard-Sound anschließen, geht ein Seufzen durch die Reihen der Lutherkirche. Jetzt darf man sich fallen lassen und den Klängen von Wolf Coderas 4. Solinger Weihnachtskonzert lauschen.

Die über 700 Zuhörer schauen gebannt Richtung Altar, wo sich das Top-Ensemble präsentiert. Die Wand hinter ihm ist rot-blau erleuchtet, davor prangt ein meterhoher Weihnachtsbaum. Doch wo ist Wolf Codera? Man hört ihn, sieht ihn aber nicht. Erst spät bemerkt das Publikum, dass er von hinten durch den Mittelgang schreitet. Sanfte Violinenklänge reihen sich in den andächtigen Auftakt ein. Sonja Firker, die bereits mit Robbie Williams und Herbert Grönemeyer zusammengearbeitet hat, entlockt ihrem Instrument Töne, die Gänsehaut erzeugen. Es hat etwas Spirituelles an diesem Abend, voll Sehnsucht und Melancholie. Die Lieder sind perfekt arrangiert von Adelmo Listorti am Keyboard.

Band spielt am Ausgang so lange, bis der letzte Gast gegangen ist

Obwohl sich die E-Gitarre beim Kirchenlied „Macht hoch die Tür, die Tor macht weit“ in den Zauber des Augenblicks einstimmt, klingt es nicht überladen.

„Jetzt wird’s L.A.-mäßig verschärfter“, kündigt Codera an. Bei „Hark! The Herald Angels Sing“ – manch einer kennt die Mariah-Carey-Version – lässt Max Klaas seine Hände über die Trommeln tanzen. Codera schwingt mit dem Saxofon mit, Sonja Firker gesellt sich mit der E-Violine dazu. Irgendwie hat es doch etwas von Coderas Session Possible, die er einmal im Monat im Alten Bahnhof veranstaltet – alles kann, nichts muss. So spielt Codera plötzlich auf der Orgelempore, zieht sein Sakko aus oder macht Solingen eine Liebeserklärung: „Immer wenn wir hier sind, fühlen wir uns gleich besser.“

Umso erstaunter sind die Zuhörer, als Sonja Firker, die grazile Schönheit in Schwarz, und Freddi Lubitz, „unser Michael Bublé“, wie Codera ihn tauft, vors Mikrofon treten und singen. Und das klingt richtig gut. Mirko Kamo am Schlagzeug beweist, dass er Rhythmus im Blut hat.

Codera hat auch Rudolph im Gepäck. Nicht das Rentier, sondern „eine kleine Klarinette, die weder im Popmusikbereich noch im Sinfonieorchester richtig zur Wirkung kommt.“ Damit erzählt er die Geschichte des Rentiers.

Der besondere Gast, „X-Factor“-Finalistin Melissa Heiduk, bringt bei „You can reach me“ die Kirche zum Beben. Ein weiteres Talent kommt zu Wort: Isabell Miriam Heymans. Die 16-Jährige hat beim Gesangswettbewerb „Youngst’r“ mitgemacht, bei dem Codera in der Jury saß.

Stehende Ovationen für die Musiker, die „Gloria in excelsis Deo“ so lange am Ausgang spielen, bis der letzte Gast die Kirche verlassen hat – bei über 700 Personen also ganz schön lange. mw

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