Musik verleiht Gefühlen Ausdruck

Alexander Grüder ist seit September 2020 in St. Sebastian als Gemeindeassistent tätig. Archivfotos: Daniela Tobias/Alexander Grüder
+
Alexander Grüder ist seit September 2020 in St. Sebastian als Gemeindeassistent tätig. Archivfotos: Daniela Tobias/Alexander Grüder

Heute lädt der katholische Gemeindeassistent Alexander Grüder zur Andacht im ST ein

Liebe Leserin, lieber Leser,

wissen Sie, wie viele Musikrichtungen es gibt? Es gibt Klassik, Pop, Rock, Beatmusik, Jazz, Schlager. . . mit jeweils eigenen Unterkategorien. Wie viele es sind, das kann niemand genau sagen, jedenfalls habe ich keine eindeutige Antwort gefunden. Aber diese Vielfalt fasziniert und überwältig mich. Es gibt so viele verschiedene Musikrichtungen, wie es unterschiedliche Charaktere von Menschen gibt; für jeden sollte etwas dabei sein. Vielleicht kann sich jemand nicht ganz einer Richtung zuordnen und ist eher der Radiohörer oder die Radiohörerin. Wie dem auch sei, Musik verleiht unseren Emotionen, dort wo unsere Worte allein versagen, Ausdruck und spricht uns als Menschen ganzheitlich an. Ich denke dabei an Liebeslieder oder an die Weihnachtsmusik, die bald wieder über alle durch die Lautsprecher tönt.

Den Menschen ganzheitlich ansprechen, Gefühle zum Ausdruck bringen, dort wo Worte versagen. Der christliche Glaube stützt sich auf uralte Erfahrungen und Gefühle von Menschen, die oft nicht anders ausgedrückt werden können als in Erzählungen und eben musikalischen Werken. Lob, Klage und Dank, alles wird in Liedern zum Ausdruck gebracht. In der Bibel werden sie auch Psalmen genannt. Im Christentum hatte die Kirchenmusik immer schon einen hohen Stellenwert. Schon im Neuen Testament erwähnt Paulus (etwa Eph 5,19) das Singen von Psalmen, Hymnen und Lobliedern. Durch die Reformation ging ein Wandel durch die Kirchenmusik, die lateinischen Gesänge wurden mehr und mehr zurückgedrängt und durch landessprachige Lieder ersetzt. Die Kirchenmusik wird sogar als „schärfste Waffe“ der Reformation bezeichnet. Die Menschen verstanden nun die Inhalte der Lieder und sie eröffnete ihnen eine andere Dimension ihre Spiritualität leben und ihren Glauben verstehen zu können. Die Psalmen wurden in „moderne“ Melodien gefasst und damit für alle verständlicher.

In anderen Kirchenliedern drückt sich die Spiritualität des Interpreten aus, welches die Lieder zum Ausdruck der Vielfalt des christlichen Glaubens macht. Deshalb wurden der christlichen Liturgien in allen Kirchen etwas Entscheidendes geraubt als es bis zur Mitte dieses Jahres aufgrund der Corona-Pandemie verboten war zu singen. Viele Menschen litten darunter, nicht mehr in den Gottesdiensten oder in Chören singen zu können.

Cäcilia soll einen Überfall durch Gesang abgewendet haben

So langsam zieht jedoch wieder eine gewisse Normalität in den kirchenmusikalischen Betrieb ein. Chöre proben unter strengen Auflagen wieder und im Gottesdienst darf mit Maske gesungen werden. Das finde ich schön, denn am kommenden Montag feiern wir in der katholischen Tradition das Fest der Hl. Cäcilia (ca. 200 n. Chr.). Die Hl. Cäcilia gilt erst seit dem Spätmittelalter als Schutzpatronin der Kirchenmusik, allerdings muss dazu gesagt werden, dass die Legende auf einem Übersetzungsfehler beruht. Ein Wunder jedoch hat Heinrich v. Kleist unter der Überschrift „Die heilige Cäcilie oder die Gewalt der Musik“ 1811 veröffentlich. Allerdings geschah dieses Wunder schon im 17. Jahrhundert – während des Dreißigjährigen Krieges. Cäcilia soll unerkannt als Schwester Kapellmeisterin einen Überfall auf das Cäcilie-Kloster in Aachen durch den bloßen betörenden Gesang der Nonnen abgewendet und die Räuber gebändigt haben. Die durch die Musik so betörten Aufständischen bekehrten sich alle zum Katholizismus.

Vielleicht klingt die Legende abstrus, doch steckt in ihr eine Wahrheit. Musik ist „leibliche Seelsorge“, die uns als ganzen Menschen anspricht und erfüllt.

Ihr Alexander Grüder

-

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Hofgarten: Edeka Pauli wird größer
Hofgarten: Edeka Pauli wird größer
Hofgarten: Edeka Pauli wird größer
Die ganze Familie ist von Krankheiten betroffen
Die ganze Familie ist von Krankheiten betroffen
Die ganze Familie ist von Krankheiten betroffen
Sexueller Missbrauch: Arzt aus Solingen steht vor Gericht
Sexueller Missbrauch: Arzt aus Solingen steht vor Gericht
Sexueller Missbrauch: Arzt aus Solingen steht vor Gericht
S-Bahn 7: Abellio gibt auf
S-Bahn 7: Abellio gibt auf
S-Bahn 7: Abellio gibt auf

Kommentare