Rückblick

Mundart-Dichter sicherte sich den Wanderpokal dauerhaft

Das Solinger Tageblatt schrieb den Wanderpreis „Deftje Pejasus“ aus. Alfred Müller bekam ihn so oft, dass er ihn schließlich behalten durfte. Foto: ST-Archiv
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Das Solinger Tageblatt schrieb den Wanderpreis „Deftje Pejasus“ aus. Alfred Müller bekam ihn so oft, dass er ihn schließlich behalten durfte.

Vor 100 Jahren wurde Alfred Müller in Schlicken geboren.

Von Wilhelm Rosenbaum

Er war ein Bäckermeister vom Schlicker Weg 29 – und ein Poet dazu. Alfred Müller (1918– 1983) begegnete den Lesern des Tageblatts in den 50er und 60er Jahren regelmäßig mit seinen Gedichten und Erzählungen über seine Kindheit und Jugend vor 100 Jahren. In einem heiteren biografischen Selbstporträt 1965, in perfektem Solinger Platt natürlich, beschwor er das vertraute Hofschaftsidyll „ter Schlekken“, die Rosen und Nelken im Garten, das Spiel der kleinen Jungs mit „Heuperdschen“, die Liebe zur bergischen Heimat und dass „üöwerall Muodersproke“ zu hören war, gehörte zum Selbstverständnis der Autoren in den Adenauer-Jahren.

In den zahlreichen populären, im Verlag B. Boll erschienenen Mundartbänden der „Hangkgeschmedden“ waren Müller-Texte Standard. In Prosa und Lyrik wurden Natur-Impressionen gefeiert, Tiergeschichten erzählt vom Specht, der „Meisenfrau“ und von den Kranichen, dazu wurde Heimatkunde thematisiert, der Solinger Schwertschmied und historische Ereignisse der Stadtgeschichte spielten eine gewichtige Rolle.

So bleibt Alfred Müller mit der Klingenstadt literarisch eng verbunden, zumal er 1953 mit einer besonderen Ehrung ausgezeichnet wurde, dem „Deftijen Pejasus“, der an das griechische Musen- und Dichterross namens Pegasus anknüpfte. Müller gewann damals zum dritten Mal den Tageblatt-Wettbewerb für heimische Mundartautoren, und so ging dieser „Pejasus“ endgültig in seinen Besitz über.

Ein geflügeltes Pferd und ein Reiter mit einer „Huhsiedenen“

Auch diese Bronzeplakette hatte ihre spezielle Geschichte: Den Entwurf schuf in seiner Werkstatt für Metallkunst der bekannte Solinger Fachschul-Studienrat und Künstler F. Otto Hoppe. Er kombinierte ein geflügeltes Pferd mit einem Reiter mit Akkordeon und einer historischen Kopfbedeckung, einer „Huhsiedenen“, die die Solinger Schleifer traditionell an Feiertagen trugen. Hoppe hatte den Preis bereits in den 30er Jahren vorgestellt, doch dann verhinderte der Kriegsausbruch 1939 den beabsichtigten Schriftsteller-Wettstreit, der so erst Anfang der 50er stattfinden konnte. In der Folge ließen es übrigens die gestrengen Juroren an messerscharfer Kritik keineswegs fehlen. So musste sich ein Sieger, der eigentlich „nur“ auf dem dritten Platz gelandet war, mit einem Buchpreis zufriedengeben, weil, so begründete die Jury harsch ihre Entscheidung, „Rang 1 und Rang 2 mangels reduzierter Qualität nicht ermittelt wurden“.

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