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Nachfrage nach dem Jagdschein ist in Solingen groß

Die Anforderungen für das „Grüne Abitur“, wie die Jägerprüfung umgangssprachlich auch genannt wird, sind hoch. Die Kursteilnehmer brauchen viel Fleiß und Ausdauer, um die Prüfung zu bestehen. Archivfoto: Michael Sieber
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Die Anforderungen für das „Grüne Abitur“, wie die Jägerprüfung umgangssprachlich auch genannt wird, sind hoch. Die Kursteilnehmer brauchen viel Fleiß und Ausdauer, um die Prüfung zu bestehen.

In wenigen Wochen beginnen die Kurse für die Jägerprüfung. Die Nachfrage nach dem Jagdschein ist in Solingen groß.

Von Kristin Dowe

In den frühen Morgenstunden erklingen in einem Solinger Waldgebiet allmählich die ersten Vogelstimmen. Über dem Waldboden steigen zarte Nebelschwaden auf, langsam erwacht die Natur. Erlebt hat Frank Vigniri dieses Schauspiel schon oft, doch ist es für den leidenschaftlichen Hobbyjäger jedes Mal ein magischer Moment: „Wenn ich dann noch von meinem Ansitz aus eine Fuchsfamilie auf einer Wiese beobachte, kann ich den Anblick auch einfach genießen und muss nicht unbedingt auf sie schießen.“

Denn entgegen dem Klischee gehe es bei der Jagd keineswegs nur um das fachgerechte Erlegen von Tieren, sondern um „die Hege und Pflege eines landestypischen Wildbestandes“, wie es der Gesetzgeber formuliert. Welches breite Aufgabenspektrum sich hinter diesem Anspruch verbirgt und wie man ihm gerecht wird, lernen die angehenden Jäger in den am 3. August beginnenden Vorbereitungskursen auf die Jägerprüfung der Kreisjägerschaft Solingen.

KREISJÄGERSCHAFT

STAMMTISCH Wer sich in zwangloser Runde über die Jagd informieren möchte, den lädt die Kreisjägerschaft Solingen zum Jägerstammtisch an jedem ersten Dienstag im Monat ab 19.30 Uhr ins Tränkebachzentrum, Bonner Straße 221 – 225, ein.

https://bit.ly/2Jc9JxE

„Wer sich nur wegen des Beutemachens für die Jagd interessiert, wird zumindest in Nordrhein-Westfalen von der Realität enttäuscht sein“, betont Vigniri, der die Kurse leitet. Die Nachfrage sei in den vergangenen Jahren gestiegen. Von den 20 in Solingen verfügbaren Plätzen sei der Großteil schon belegt. „Vom Rentner über den Studenten bis zur Hausfrau ist da ein breiter Querschnitt der Bevölkerung vertreten“, sagt Vigniri über die Interessenten. Auch die Zeiten, in der die Jagd als Männerdomäne galt, seien vorbei: „Die Frauen sind stark im Kommen.“ Bestätigen kann dies die Solingerin Carina Pawlak, die im vergangenen Jahr den Jagdschein erworben hat. „Für mich ist die Jagd mehr als ein Hobby. Es ist ein Lebensgefühl“, sagt die 34-Jährige.

„Für mich ist die Jagd Erholung und Leidenschaft zugleich.“
Carina Pawlak, Jägerin

Einen Widerspruch zwischen Naturschutz und dem Töten von Tieren sieht sie nicht – vielmehr betrachtet sie die Jagd als einen nachhaltigen Gegenentwurf zu den Niederungen der Massentierhaltung: „Es gibt mir ein gutes Gefühl, wenn ich das Wild, das ich gerade frisch erlegt habe, gleich verzehren kann. Dann habe ich ein Lebensmittel in Spitzenqualität, von dem ich genau weiß, wo es herkommt.“

Und noch etwas ist ihr wichtig: „Wir Jäger nehmen nicht nur von der Natur, sondern geben ihr auch eine Menge zurück.“ Etwa, wenn sie die Tiere in nahrungsknappen Zeiten füttern, Wiesen mähen, Bäume pflanzen, Hecken anlegen oder ein krankes Tier mit einem „Hegeschuss“ von seinen Qualen erlösen.

All dies will gelernt sein – die Anforderungen für das „Grüne Abitur“, wie die Jägerprüfung umgangssprachlich auch genannt wird, sind hoch: Vier Stunden theoretischen Unterricht in der Woche müssen die angehenden Jäger absolvieren; hinzu kommen Erkundungen in Feld und Flur sowie praktische Übungen an einem Schießstand in Hattingen.

Auf dem Stundenplan stehen Fächer wie Wildtierkunde, Ökologie und Naturschutz, Feld- und Landbau, jagdliches Brauchtum, Waffenkunde, Forst sowie Jagdrecht. Rund neun Monate heißt es dann Üben und Pauken, denn wer bereits die schriftliche Zulassungsprüfung, bestehend aus Multiple-Choice-Fragen zu den relevanten Wissensgebieten, nicht besteht, erhält erst im darauffolgenden Jahr eine neue Chance.

Im praktischen Teil müssen die künftigen Jäger auf bewegliche Papp-Attrappen schießen und ihr Wissen außerdem in einer mündlichen Prüfung unter Beweis stellen. Über die Durchfallquote hüllt Frank Vigneri sich in Schweigen: „Das ist schwer zu sagen und kann von Jahrgang zu Jahrgang stark variieren. Auf jeden Fall brauchen die Kursteilnehmer viel Fleiß und Ausdauer, um die Prüfung zu bestehen.“

Ihren Jagdschein lassen die Kursteilnehmer sich auch materiell etwas kosten – bis zu 2000 Euro kostet der Lehrgang inklusive Munition. Die eigentliche Prüfung ist in NRW bei der Unteren Jagdbehörde abzulegen und schlägt mit rund 250 Euro Bearbeitungsgebühr zu Buche.

Ihr Hobby ist Carina Pawlak Geld und Mühe wert. Auf der Pirsch fühlt sich die junge Frau ganz im Einklang mit der Natur. „Für mich ist die Jagd Erholung und Leidenschaft zugleich.“

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