Mein Leben als Papa

Morgens um halb acht: Stop-and-go auf der Eltern-Kind-Autobahn

Vater und Sohn, zügig unterwegs auf der Eltern-Kind-Autobahn.
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Vater und Sohn, zügig unterwegs auf der Eltern-Kind-Autobahn.

ST-Redakteur Gunnar Freudenberg erzählt vom Alltag mit seinen Söhnen Hannes (6) und Michel (3).

Als ich mit Michel um kurz nach halb neun den Kindergarten betrete, traut Frau Günther ihren Augen nicht: „Was macht ihr denn so früh schon hier?“ Als frühe Vögel hat uns die Erzieherin in den vergangenen vier Jahren nicht kennengelernt. Dann aber fällt ihr ein, dass Hannes ja nun zur Schule geht und dies offensichtlich den Tagesablauf der Freudenbergs verändert hat. Mitfühlend fragt sie nach: „Schafft ihr das denn morgens alles so früh?“

Nach Hannes’ erster kompletter Schulwoche muss ich sagen: Läuft bei uns! Wobei das in erster Linie der Verdienst meiner Frau ist, die Zeit-, Schultornister- und Butterbrotdosen-Management voll im Griff hat. Und von Hannes, der ohne Probleme eine Stunde früher als gewohnt aufsteht und nicht lange braucht, um voller Tatendrang im Türrahmen zu stehen.

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Meine Aufgabe besteht darin, ihn sicher zur Schule zu bringen. Das Elterntaxi lasse ich stehen. Viel zu gut tun das Sommerwetter und die Bewegung am frühen Morgen. Um halb acht geht es los. Zunächst noch beschaulich in unserer ruhigen Seitenstraße. Michel winkt und ruft uns hinterher, ich muss Hannes zur Eile mahnen. Denn nach gut 50 Metern geht es nicht mehr so entspannt zu. Wir biegen ab auf die Eltern-Kind-Autobahn.

Nach drei Tagen komme ich mir schon ein bisschen vor, als sei ich der Hauptdarsteller des Films „Die Truman Show“. Der Hundehaufen ist an derselben Stelle jeden Tag frisch. An der Ampel warten wir immer mit derselben Familie auf Grün. An der Spielhalle wird der Putzeimer täglich genau dann geleert, wenn wir in Sichtweite sind. Und Hannes legt immer wieder aufs Neue eine Mini-Tanzeinlage ein, wenn die wummernden Bässe des tiefergelegten Opels zu hören sind, der an uns vorbeirauscht.

Was sich zum Glück auch wiederholt: Hannes lässt sich vom ständigen Stop-and-go, von den vielen Kindern und Eltern, die sich den Weg mit uns teilen, nicht irritieren. Mit seinem schweren Tornister auf dem Rücken, den ich nicht tragen darf, geht er zügig voran.

So erreichen wir das Tor zum Schulhof pünktlich. Mein Abschiedskuss ist Hannes noch nicht peinlich. Er winkt mir noch ein paarmal zu, während ich am Tor stehe, und gibt mir somit die Gelegenheit, weitere Darsteller der „Truman Show“ besser kennenzulernen. Den Geschäftsmann mit Handy am Ohr zum Beispiel, der seine Tochter immer beiläufig mit „Tschüss, Mäuschen“ verabschiedet. Die Jungs in den Mbappé- und Ronaldo-Trikots, die immer zu spät kommen. Oder die Mutter, die sich mit ihrer Tochter über die Frisur streitet und ihr am Ende doch noch einen Zopf flechtet.

Dann ist Hannes im Klassenzimmer verschwunden. Und ich muss schnell zu Michel. Frau Günther wartet sicher schon auf uns.

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