Baum des Jahres

Seltene Moorbirke wächst auch in der Ohligser Heide

Dr. Jan Boomers zeigt eine Moorbirke in der am vergangenen Donnerstag verschneiten Ohligser Heide.
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Dr. Jan Boomers zeigt eine Moorbirke in der am vergangenen Donnerstag verschneiten Ohligser Heide.

Die Moorbirke wurde zum Baum des Jahres 2023 gekürt. Doch die Art hat es in Solingen nicht leicht.

Von Kristin Dowe

Solingen. Imposant und winterbedingt blätterlos ragt vergangenen Donnerstag die Moorbirke auf einer Maßnahmenfläche in der Ohligser Heide in den schneeverhangenen Himmel. Ganz in der Nähe entspringt der Heidebach. „Die Moorbirke braucht feuchte, nährstoffarme und saure Böden, die sie hier findet“, erklärt Dr. Jan Boomers, Leiter der Biologischen Station Mittlere Wupper, bei einem Spaziergang mit dem ST. In Solingen gibt es wenige Exemplare der Baumart – ihre Existenz ist eine Besonderheit: Denn die Moorbirke wurde gerade zum Baum des Jahres gekürt.

Die Wahl der Dr. Silvius Wodarz Stiftung freue ihn sehr, sagt Boomers. „Denn die Moorbirke ist selten geworden und eine Repräsentantin für bedrohte Lebensräume in Birkenbruchwäldern. Auch in Solingen steht sie durch die vielen Dürrephasen und den Klimawandel unter Stress.“ Neben der Ohligser Heide sei der Baum in der Klingenstadt auch auf wenigen Hektar in den Bereichen Götsche und Krüdersheide zu finden.

In der Ohligser Heide ist die Moorbirke die dominierende Baumart in einem sogenannten Birkenbruchwald – ein sumpfiger Nasswald, in dem sich Torfmoose, Insekten und Pfeifengras ansiedeln. Der Übergang zum deutlich feuchteren Moorwald sei fließend, so Boomers – an der beispielhaften Stelle beim ST-Rundgang sei dieser am allmählichen Verschwinden der Gräser zu erkennen. Ohne fachkundige Expertise solle man sich nicht zu weit dorthin vorwagen, rät der Naturkenner. In den sumpfigen Bereichen könnten Spaziergänger durchaus „steckenbleiben“. Derweil sei die Gefahr eher gering, dass jemand durch das unwegsame Gelände zu den sumpfigen Gebieten durchdringt.

„Gleich dahinter befindet sich eine dicke Torfmoosschicht, bevor dann der Birkenmoorwald beginnt“, erklärt der Biologe weiter. „Wir haben hier eine der intaktesten Feuchtheiden in der Ohligser Heide.“ Im Zuge einer Maßnahme habe man auf einer Fläche von circa zwei Hektar einige Bäume gefällt und den Boden „abgeplaggt“, so Boomers. Dabei werde der Oberboden sehr präzise so abgezogen, damit das Licht die Samenbänke im Boden leichter erreicht und die Pflanzen wieder keimen können. „Das wirkt wie Dünger“, erklärt der Experte. Die vereinzelten Fällungen seien erforderlich gewesen, „um den Pflanzen den Schattendruck durch die Bäume zu nehmen“.

Die charakteristische weiße Rinde einer Birke dürfte wohl auch für Laien treffsicher zu erkennen sein. Doch wie ist eine Moorbirke von der ebenfalls hier heimischen Sandbirke zu unterscheiden? „Im Winter ist das sicherlich schwierig“, gibt Boomers zu. „Man kann aber festhalten, dass die Äste der Moorbirke stärker nach oben streben, während die der Sandbirke etwas herabhängen.“ Im Sommer gebe es dagegen noch ein anderes, klares Unterscheidungsmerkmal: „Die Blätter der Sandbirke fühlen sich beim Berühren ein wenig wie Papier an, während die der Moorbirke weich und flauschig sind.“

Trotz der Belastungen durch den Klimawandel gehe es der Moorbirke in Solingen unterm Strich noch relativ gut. So leide sie nicht wie etwa die Fichte an Folgeschäden durch einen nach Deutschland eingeschleppten Schädling wie den Borkenkäfer. „Ihre Lebensbedingungen sind aber schwieriger geworden.“ So sei der Baum des Jahres auch ein Symbol für einen einzigartigen und schützenswerten Naturraum.

Hintergrund

Pionierbaum: Die Moorbirke ist ein sogenannter Pionierbaum und kann baumfreie, rohe Böden schnell besiedeln. In ihrem Schutz können dann die späteren Waldbaumarten heranwachsen.

Aktion: Mit der Wahl des Baumes des Jahres will die Dr. Silvius Wodarz Stiftung „ Menschen für ein positives Verhältnis zu Bäumen und allen natürlichen Lebensgrundlagen gewinnen.“

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