Montagsinterview

Festausschuss Karneval: So soll die erste Session nach Corona laufen

Lange mussten sich die Solinger Jecken gedulden, jetzt können Axel Hawranke und Veronika Rehm-Fischer die kommende Karnevalssession kaum erwarten. Die Vorbereitungen dafür laufen auf Hochtouren. Foto: Christian Beier
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Lange mussten sich die Solinger Jecken gedulden, jetzt können Axel Hawranke und Veronika Rehm-Fischer die kommende Karnevalssession kaum erwarten. Die Vorbereitungen dafür laufen auf Hochtouren.

Veronika Rehm-Fischer und Axel Hawranke vom Festausschuss Solinger Karneval über die kommende Session, das Motto „Solig fiert dat Lewen“ und welche Chancen es für einen „Zoch“ in Solingen 2022 gibt.

Von Kristin Dowe

Frau Rehm-Fischer, Herr Hawranke, die Session im vergangenen Jahr ist ja corona-bedingt komplett ins Wasser gefallen. Wie schwer fiel der Verzicht den Solinger Jecken?

Axel  Hawranke: Für uns Karnevalisten war das natürlich sehr schwer. Die Session ist ja immer das Highlight für den ganzen Verein – besonders wenn es um die Tage vom Altweiberball bis Aschermittwoch geht. So war ich zum ersten Mal in meinem Leben an Altweiber arbeiten! Das kam bislang noch nie vor. Da musste ich mich einmal opfern. Auch finanziell hat die Corona-Pandemie die Vereine schwer getroffen. Denn verschiedene Künstler konnten die Verträge nicht umbuchen auf das nächste Jahr, weil sie da schon Aufträge hatten. Da mussten dann teilweise Abstandssummen gezahlt werden.

Veronika Rehm-Fischer: Ich fand es sehr schade, dass man die Kontakte nicht mehr so eng pflegen konnte, wie man es sonst tut. Viele Leute hat man gar nicht mehr gesehen, die man normalerweise immer wieder trifft. Dennoch haben wir versucht, die Kontakte so weit wie möglich aufrechtzuerhalten. Ein Verein hat sogar Mitglieder dazugewonnen, während andere Vereine welche verloren haben. Und auch für uns persönlich war es eine komische Situation, all die Feiern und Veranstaltungen nicht zu haben, die wir so sehr lieben. Plötzlich hatte man in einer Phase, in der sonst immer Action herrscht, zu Hause sehr viel Zeit.

Sind Sie in dieser Zeit auf digitale Hilfsmittel wie beispielsweise Videokonferenzen umgestiegen?

Rehm-Fischer: Ja, das haben wir im FSK durchaus versucht, wenn wir uns gar nicht persönlich treffen konnten. Jegliche Zusammenkünfte mussten natürlich sehr flexibel gestaltet werden – das heißt, wir mussten uns laufend informieren, welche Bestimmungen gerade gelten und organisatorisch ziemlich jonglieren.

Sie haben die finanziellen Probleme der Vereine bereits angesprochen. Gibt es Beispiele, die es besonders schwer getroffen hat?

Hawranke: Nein, da hatten eigentlich alle gleich zu kämpfen. Wir von der KG Rot-Weiß Klingenstädter haben normalerweise einen Bierstand auf dem Dürpelfest, die KG Alt Solingen hat einen auf dem Zöppkesmarkt und ähnliche Dinge. Diese Einnahmen sind mit Ausnahme der Mitgliedsbeiträge alle weggebrochen. Und da gerät so mancher Verein ins Schwimmen. Denn sie müssen immerhin jetzt mit einer leeren Kasse in die neue Session gehen. Und mit Blick auf die Künstler muss ich schon schwitzen, ob ich eine bestimmte Veranstaltung ausverkauft bekomme.

Wie laufen denn aktuell die Vorbereitungen für die kommende Session?

Rehm-Fischer: Wir haben relativ früh entschieden, unter der Annahme zu planen, dass alles stattfinden kann. Gleichzeitig haben wir bei den Verträgen mit den Künstlern darauf geachtet, dass beide Seiten notfalls davon zurücktreten können. Da haben wir alle Szenarien durchgespielt.

Sie müssen ja auch unabhängig von Corona immer sehr vorausschauend planen. Wann starten Sie damit normalerweise?

Hawranke: Wenn ich die Frage auf meinen Verein beziehe, gestalte ich die Programme immer zwei Jahre im Voraus. Sonst bekommt man verschiedene Künstler erst gar nicht, wenn man sich nicht frühzeitig um sie bemüht. Was den Festausschuss betrifft, fangen die Planungen eigentlich unmittelbar nach Aschermittwoch wieder an.

Rehm-Fischer: Nach Aschermittwoch schauen wir uns an, was in der Vergangenheit gelaufen ist und was wir in der nächsten Session anders gestalten könnten. Da gibt es viele Dinge, die einem mal zwischendurch gesagt werden und man sich denkt: „Mensch, das ist eine gute Idee, das sollten wir mit aufnehmen.“ Deshalb finden auch sehr früh zahlreiche Gespräche statt. Als Festausschuss hatte uns ja noch die Frage beschäftigt, wann wir überhaupt unsere Versammlung stattfinden lassen können, die auch immer wieder verschoben werden musste.

Hawranke: Wir hatten mehrfach einen Termin dafür angesetzt. Und jedes Mal hat uns Corona wieder überholt.

Das Motto für die kommende Session lautet „Solig fiert dat Lewen“. Wie sind Sie darauf gekommen?

Rehm-Fischer: Die Idee ist bei einer Vorstandssitzung entstanden. Da haben wir gemeinsam überlegt, wie das Motto lauten könnte und plötzlich stand dieser Satz im Raum. Da haben wir uns alle angeschaut und jedem war sofort klar: Das ist es! Denn in diesem Satz ist einfach alles festgehalten. Wir möchten gerne feiern, unsere Veranstaltungen genießen und unser normales Leben zurück haben. All das drückt das Motto für uns aus.

Welche karnevalistischen Highlights erwarten die Solinger?

Hawranke: Zunächst wird ja das Prinzenpaar am 12. November proklamiert. Das Programm dafür, bei dem auch einige Kölner Künstler dabei sein werden, steht schon fest. Wir hoffen, dass wir den Saal voll bekommen, was für die Stimmung natürlich immer eine wichtige Voraussetzung ist. Ein weiterer Wunsch wäre, diese Veranstaltung unter 3-G statt 2-G durchführen zu können. Einzelne Vereinsmitglieder sind zwar bereit, sich testen zu lassen, lehnen aber eine Impfung ab.

Rehm-Fischer: Vor allem müssen wir irgendwann genau wissen, welche Regeln nun gelten und wie viele Leute wir in den Saal lassen dürfen. Der Saal steht zwar und alles ist geplant. Gleichzeitig spielt es aber eine wichtige Rolle, welche Bestimmungen wir berücksichtigen und welche Abstände eingehalten werden müssen. Darauf kommt es bei der Prinzenproklamation erst mal an.

Welche Hoffnungen dürfen die Solinger Narren sich denn auf einen „Zoch“ machen?

Hawranke: Darauf kann zurzeit leider noch niemand eine Antwort geben. Natürlich versuchen wir, den Zug laufenzulassen. Zum Beispiel könnte ich mir vorstellen, dass alle Teilnehmer, die enger zusammen sind, unter den 3-G-Regeln mitmachen dürfen. Das Publikum könnte man dabei aber sicherlich nicht kontrollieren. Dazu stehen noch Gespräche mit dem Ordnungsamt an. Grundsätzlich konnten wir uns da auf die Stadt Solingen immer verlassen, da ist man dem Karneval gegenüber positiv eingestellt.

Rehm-Fischer: Für die Teilnehmer des Zuges selbst sind Kontrollen kein Problem, wenn wir einmal über die Aufstellung verfügen. Zwar ist das aufwendig, aber machbar. Auch ich kann bestätigen, dass die Zusammenarbeit mit der Stadt immer gut funktioniert hat, was für uns sehr wichtig ist.

Zuletzt waren im Festausschuss Solinger Karneval einige Posten unbesetzt. Ist das inzwischen erfolgt?

Rehm-Fischer: Ja, die Posten sind bis auf einen alle besetzt, und zwar den des zweiten Vorsitzenden. Darauf bewerben sich aktuell zwei Anwärter, die wir jetzt noch nicht nennen möchten. Bei der nächsten Versammlung wird dafür auch die Wahl stattfinden. Dann ist der Festausschuss wieder komplett.

Herr Hawranke, Ihre Nichte wird die nächste Karnevalsprinzessin. Da haben die jecken Gene in Ihrer Familie wieder zugeschlagen, oder?

Hawranke: So sind wir nun mal erzogen worden! Meine Nichte wird jetzt die fünfte Prinzessin in der dritten Generation und ich selbst war ja auch schon zwei Mal Prinz. Wenn jemand bei uns in der Familie sagt, dass er das machen möchte, ist das bei uns ein Selbstläufer.

Worauf freuen Sie sich in der närrischen Zeit am meisten?

Rehm-Fischer: Die Leute wiederzusehen und gemeinsam lachen, leben und feiern zu können.

Hawranke: Wenn ich das jetzt an einem Datum festmachen sollte, freue ich mich am meisten auf den 11.11. Denn dann geht es endlich wieder los!
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Hintergrund: Axel Hawranke und Veronika Rehm-Fischer

Axel Hawranke ist der Vorsitzende des Festausschusses Solinger Karneval (FSK) und Vorsitzender des Vereins KG Rot-Weiß Klingenstädter Solingen.

Veronika Rehm-Fischer ist Geschäftsführerin des FSK und ebenfalls Geschäftsführerin der KG Alt-Solingen.

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