Mein Blick auf die Woche

Mit Visionen zum Arzt – oder besser zur Bank?

bjoern.boch@solinger-tageblatt.de
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Was haben Mountainbiker, die leider keine Akten anlegen, ein Kreisverkehr für die Bonner Straße und der ÖPNV in Solingen miteinander zu tun? Eine Menge, zeigt ST-Lokalchef Björn Boch. Und sagt, warum fehlendes Personal ausnahmsweise mal positiv wirken könnte.

Stellen Sie sich einmal Folgendes vor: Die Stadt bliebe bei ihrer Haltung, dass der Lukastrail, eine Mountainbike-Strecke in der Ohligser Heide, abgerissen werden muss. Der Grund: Naturschutz. Und dann fände sich kurze Zeit später in der Politik eine Mehrheit für einen Kreisverkehr an der Bonner Straße. Der funktioniert offenbar nur, wenn eine neue Straße gebaut wird und Bäume gefällt werden – im selben Naturschutzgebiet.

Das ist, gelinde gesagt, ein unwahrscheinliches Szenario. Wie auch der Kreisverkehr an Bonner Straße und Zubringer zur Stadtautobahn unwahrscheinlich geworden ist. In den Haushaltsberatungen sollten sich alle Beteiligten ehrlich machen und bisherige Planungen beenden, die so – gegen den Willen von Verwaltung und Land – ohnehin kaum durchzusetzen sein werden. Und sich auf eine gute Alternative konzentrieren.

Das ist auch der Plan beim Lukastrail. Wobei es schwer wird, nahe gelegene Alternativen zu finden – von naheliegenden ganz zu schweigen. Vorschlag zur Güte: Soll und muss denn wirklich bewiesen werden, was nicht zu beweisen ist? Dass der Trail vor dem Naturschutzgebiet da war und Bestandschutz hat, ist zumindest möglich. Nur legen Mountainbiker keine Akten und Vorgänge an. Da wird sich doch ein Schlupfloch finden, oder?

Falls nicht, sollte sich die Stadt mit dem Abbau Zeit lassen. Viel Zeit. Bei anderen Gelegenheiten verweist man ja, oft übrigens zu Recht, andauernd auf fehlendes Personal. Denn ist der Trail erst einmal weg – das zeigt alle Erfahrung und ist kein Vorwurf an die Sportler – entstehen neue Strecken. Illegal und schädlicher als zuvor.

An anderen Aufgaben mangelt es nicht. Eine wichtige und zeitraubende ist, Vorschläge für den ÖPNV der Zukunft zu machen. Timing ist bekanntlich alles, und das hätte kaum schlechter sein können. Die Visionen für Solingens Busverkehr – von neuen Strecken über riesige O-Busse für mehr Platz und Komfort – haben zwar das Licht der Öffentlichkeit erreicht. Aber nur wenige Tage, nachdem ein Millionendefizit bekannt wurde. Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen, sagte einst Helmut Schmidt. Solingen muss eher zur Bank, um überhaupt die Summe aufzutreiben, die den Status quo erhält. Ganz zu schweigen von visionären Verbesserungen.

Noch hält die Politik tapfer am eigenen Beschluss fest, den Anteil des ÖPNV am Verkehr auf 30 Prozent zu erhöhen. Spätestens seit Corona wissen eigentlich alle, dass das nicht mehr zu schaffen ist. Aber ein guter Sportler legt sich die Latte ja auch nicht auf eine Höhe, die er ganz gewiss überspringt. Sondern höher. Vielleicht spendieren Bund, Land oder EU ja wenigstens noch ein paar neue Trainingsschuhe.

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