Landwirtschaft

„Mit Milch kann man nichts verdienen“

Marc Meinsma, Junior-Chef auf dem Gräfrather Bauernhof, hat dort 25 Milchkühe. Im Sommer stehen sie auf der Wiese, im Winter können sie sich frei im Strohstall bewegen. Frische Milch in der Glasflasche wird direkt ab Hof verkauft. Foto: Christian Beier
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Marc Meinsma, Junior-Chef auf dem Gräfrather Bauernhof, hat dort 25 Milchkühe. Im Sommer stehen sie auf der Wiese, im Winter können sie sich frei im Strohstall bewegen. Frische Milch in der Glasflasche wird direkt ab Hof verkauft.

Die drei Solinger Bauernhöfe mit Milchkühen setzen auf den Direktverkauf.

Von Simone Theyßen-Speich

Solingen. Gut einen Euro kostet ein Liter Frischmilch im Schnitt im Supermarkt, H-Milch ist nochmals preiswerter. 35 Cent bekommen der Solinger Landwirt Marc Meinsma und seine Kollegen dafür von der Molkerei. Die Dumping-Preise gerade bei der Milch bringen Landwirte seit Wochen auf die Straße. Mit ihren Traktoren protestieren sie vielerorts für einen gerechteren Milchpreis.

Dafür hat Marc Meinsma, Junior-Chef auf dem Gräfrather Hof an der Lützowstraße, großes Verständnis. „Zu diesen derzeit marktüblichen Preisen kann man in der Region nicht kostendeckend Milch produzieren“, rechnet er vor. Gestiegene Umwelt-Auflagen, Flächenstruktur und die eigene Arbeitskraft oder der Lohn für Mitarbeiter – „da bleibt am Ende bei der Milch keine ,schwarze 0‘ übrig“.

Um einen kostendeckenden Preis zu erzielen, müssten die konventionellen Landwirte mindestens 38 bis 40 Cent statt der derzeit üblichen 35 Cent pro Liter Frischmilch von den Molkereien erhalten. „Damit käme man als mittelgroßer Betrieb so einigermaßen klar.“

Beim Bauernhof Meinsma in Gräfrath hat man deshalb als Alternative auf die Direktvermarktung gesetzt. Milch – für einen Euro pro Liter –, Eier, Fleisch, Feldgemüse, Erdbeeren und Blumen werden ab Hof verkauft. Der Bauernhof in Gräfrath mit 25 Kühen ist einer von dreien in Solingen, die noch Milchkühe haben.

In Merscheid hat Peter Daniel Bruchhaus auf seinem Bio-Bauernhof Bäckershof schon seit Jahren auf biologische Landwirtschaft und Viehhaltung umgestellt. Seinen Milchkuh-Bestand hat er von 20 auf 15 Tiere reduziert. „Als Biobetrieb haben wir sehr unter der Trockenheit der vergangenen drei Jahre gelitten, weil wir auch nicht so einfach Futter zukaufen können wie konventionelle Betriebe“, erklärt er.

„Rechnet man alle Kosten, kommt man nicht mal auf den Mindestlohn.“
Peter Daniel Bruchhaus

Auch auf dem Bäckershof setzt man auf Direktverkauf der Milch. Für Biomilch erhalten die Landwirte in der Molkerei zwischen 47 und 48 Cent. „Eine Analyse der Landwirtschaftskammer hat gezeigt, dass der Gewinn bei der Milch in den vergangenen 15 Jahren immer bei etwa einem Cent lag. Wenn man alle Kosten einrechnet, lohnt sich das keinesfalls“, rechnet Peter Daniel Bruchhaus vor. Ohnehin sei Landwirtschaft nur mit „viel Herzblut“ zu betreiben. „Rechne ich die Vollkosten mit der Arbeitszeit der Familie ein, kommen wir nicht einmal auf den Mindestlohn.“

Für 1,20 Euro pro Liter kann man auf dem Bäckershof in Merscheid Bio-Milch kaufen. „Da wir auch viel Milch an die Kälber verfüttern, liefern wir derzeit gar nicht an Molkereien“, erklärt Bruchhaus sein „geschlossenes System“. Er kauft und verkauft keine Tiere, zieht die Kälber mit Milch groß und schlachtet nur die erwachsenen Kühe mit zwei Jahren.

Einen im Landesvergleich großen Milchkuhbestand hat Karl-Otto Dickhoven mit 200 Kühen in Rupelrath. Von seinen täglich 5000 Litern Milch verkauft er nur einen sehr kleinen Teil direkt ab Hof. „Wir haben in Deutschland einfach viel zu viel Milch“, sieht er auch ein Problem in der Überproduktion. „Aber die Politik möchte billige Milch für die Verbraucher, dabei wäre es sinnvoller, mit Unterstützung der Politik die Menge der produzierten Milch zu reduzieren.“

Milchwirtschaft

Höfe: In Solingen gibt es noch drei Bauernhöfe mit Milchwirtschaft. Neben dem Hof Dickhoven in Rupelrath mit 200 Milchkühen, sind das der Bauernhof Meinsma in Gräfrath mit 25 Kühen und der Bio-Bauernhof Bäckershof in Merscheid mit aktuell 15 Kühen.

Größe: Laut Landwirtschaftsstatistik hatte ein Milchwirtschaftsbetrieb in Nordrhein-Westfalen im vergangenen Jahr im Durchschnitt 75 Kühe.

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