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Mit dem ST wandern: Wiesen, alte Höfe und ein Fernmeldeturm

Ein herrlicher Blick bietet sich vom Sieferhof ins Bergische Land.
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Ein herrlicher Blick bietet sich vom Sieferhof ins Bergische Land.

Unsere heutige Rundwanderung führt vom historischen Witzheldener Ortskern auf den Obstweg

Von Andreas Erdmann

Witzhelden. Der Witzheldener Obstweg führt als Rundweg durch reizvolle Landstriche des Leichlinger Höhendorfs. Es geht durch kleine Ortschaften, über Felder und immer wieder an Obstwiesen entlang, wobei Informationstafeln an der Strecke Einblicke über den Lebensraum der Streuobstwiesen, über den bergischen Obstanbau und alte Obstsorten geben. Dazu bieten sich schöne Ausblicke ins Bergische Land. Je nach Jahreszeit verzaubert der Obstweg den Wanderer mal mit blühenden, mal mit unter der Last der Früchte gebeugten Kirsch-, Apfel- und Birnenbäumen. Angelegt wurde der mit einem Apfelsymbol gekennzeichnete Weg vom deutschen Naturschutzbund (NABU).

Wir starten am Witzheldener Marktplatz mit seinen beschaulichen historischen Fachwerkhäusern. 1184 wurde der Ort als „Withseleden“ erstmals aktenkundig, wobei die Silbe „with“ einem alten Wort für Holz oder Holzung entsprach. Der markante Turm der evangelischen Kirche am Marktplatz, der „Alte vom Berge“ genannt, stammt aus dem 12. Jahrhundert. Die Kirche selber ist die dritte vor Ort und wurde von 1768 bis 1769 im barocken Stil errichtet. Die erste, eine Saalkirche, bestand schon im 11. Jahrhundert. Zur Zeit des Herzogtums Berg zählte das Kirchspiel „Wytselden“ zum Amt Miselohe und hatte ein eigenes Landgericht. Die Grafen von Berg verfügten im Ort über bedeutenden Grundbesitz, der von Schloss Burg aus verwaltet wurde. 1975 hat man die eigenständige Gemeinde des damaligen Rhein-Wupper-Kreises in die Stadt Leichlingen eingegliedert.

Idylle pur im Witzheldener Ortskern.

Wir gehen an der Leichlinger Straße entlang bis Krähwinkel und sehen linker Hand den Hielscher Hof. Der Hof mit Milchviehbetrieb ist seit 1953 in Familienbesitz und gilt als Eingang zum Witzheldener Obstweg. Ein wenig weiter an der Landstraße, rechts vor dem Bauernmarkt Schmidthaus geht es zum Hielscher Hofladen, in dem selbst produzierte Lebensmittel angeboten werden. Das 250 Jahre alte Fachwerk-Bauernhaus beherbergt das Bauernhof-Café und Restaurant Rusticus mit rustikalem Holzinterieur, altem Lehmofen und gemütlichem Garten für Gäste. Wir gehen talwärts, überqueren den Weltersbach und folgen linksum dem Krähwinkeler Weg durch den gleichnamigen Ort. Krähwinkel leitet sich von der Vogelart Krähe ab und bedeutet Krähenwinkel. Eine Karte von 1715 verzeichnet vier Höfe mit dem Namen „Schüddig“ bei Oberkrähwinkel und zwei unbeschriftete Höfe an der Höhenstraße nach Leichlingen. Unterkrähwinkel ist 1824 auf einer Karte zu finden. 1885 hatte die Dorfschaft Oben- und Untenkrähwinkel zusammen 51 Wohnhäuser mit 215 Bewohnern – fast alle waren evangelischen Glaubens. Hinter dem Ort geht es kurz den schönen Weg am Weltersbach entlang, dann von Unterbüscherhof rechts bergan nach Holzerhof. Unterbüscherhof bestand bereits 1715 als „Vorenbusch“. Holzerhof hieß „Holserhof“. Die Namen lassen auf ein Waldgebiet schließen.

Oben geht es über freies Feld und dann, vor Oberbüscherhof, rechts an der Landstraße L 359 entlang. Hier herrscht zeitweise starker Autoverkehr. Zur Linken, an der Straße Oberbüscherhof 40, liegt in einem historischen Schieferhaus das Traditionsrestaurant Haus Klippenberg. Rechts geht es zum Sieferhof, einem großen Pferdedressur- und Pferdezuchthof. Die Umgebung ist voller Pferdekoppeln – und was keine Koppel darstellt, ist eine Obstwiese. Das häufigste im Bergischen Land angebaute Obst ist der Apfel. Kannte man in der „Bergischen Obstkammer“ um 1900 noch an die 1000 Apfelsorten, beschränkt sich das Marktangebot heute nur mehr auf einige wenige. Erstaunlich: Zwischen 3000 und 5000 Tierarten leben auf einer Streuobstwiese, ob Spitz- oder Feldmaus, Siebenschläfer und Igel, Holzkäfer und –wespen, Steinmarder, Steinkäuze und sogar Fledermäuse.

Mit dem ST wandern: Im Jahr 1832 lebten in Flamerscheid 156 Einwohner

Am Sieferhof befindet sich eine angenehme Raststelle. 1715 hieß das Anwesen „Zieferhof“; der Name leitet sich von der Lage an den Siefen her, die vom Sieferhofer und Holzerhofer Bach gebildet werden. Ein Siefen oder Siepen bezeichnet ein schluchtenartiges feuchtes Tal mit kleinerem Rinnsal.

Der Funkturm – Witzheldens Wahrzeichen.

Wer einen Pausenplatz mit schöner Aussicht ins Bergische Land aufsuchen möchte: Rechts hinter dem Pferdehof geht es zu einer Bank inmitten von Feldern. Unser Weg geht links hinter dem Hof weiter. Wir überqueren die L 359, gehen in einem Bogen durch die Siedlung Herscheid und folgen dann linksum der L 359. Herscheid, 1352 urkundlich erstmals als „Vlamersheym“ erwähnt, ging aus einem spätmittelalterlichen Rittergut hervor. Im 16. Jahrhundert erfolgte mit dem Gutsbesitzer Johann von Heßscheid die Umbenennung in Herscheid: „Flammersheim, itzo gnant Heßscheidt“, hieß es damals. 1832 hatte die 156 Einwohner zählende Dorfschaft 29 Wohnhäuser, eine Mühle und 60 landwirtschaftliche Gebäude. 1885 waren es 40 Wohnhäuser mit 194 Bewohnern.

Mit dem ST wandern: Sendemast ist Witzheldens Wahrzeichen

Noch vor der Straßenkreuzung biegen wir rechts in den Bechhauser Weg. Wo abermals rechts ein Weg abzweigt, erreichen wir eine Bank mit beeindruckender Fernsicht ins Bergische Land und in die Rheinebene. Bei gutem Wetter lässt sich sogar der Kölner Dom erkennen. Hinter der Bank, bei Flamerscheid, sieht man den alles überragenden Witzheldener Fernmeldeturm. Mit einer Höhe von 133,90 Metern wurde er 1975 aus Stahlbeton errichtet. Der Turm mit dem Spitznamen „Rich“ dient dem Richtfunk und als UKW-Sender. Im Inneren gibt es einen Aufzug bis zur Höhe von 80 Metern sowie eine Treppe. Die in 74 bis 83 Metern Höhe befindliche zweigeschossige Kanzel beherbergt die technischen Einrichtungen. Dort herum liegen die beiden Hauptantennen-Plattformen. Einen Abstecher zum Fernmeldeturm macht man über den von Herscheid oder der Solinger Straße abzweigenden Scharweg.

Wir folgen dem Weg vor der Bank in Richtung des umzäunten Areals, auf dem bis zu seiner Niederlegung 2017 der ursprünglich 220,50 Meter hohe Mast des Senders Witzhelden stand. Das 1960 errichtete einstige Wahrzeichen Witzheldens bestand aus einem Stahlrohr von 1,80 Metern Durchmesser. 1963 begann man hier mit der Ausstrahlung.

Alle Folgen unserer Wanderserie finden Sie hier

Noch vor dem umzäunten Areal wandern wir auf dem links verlaufenden Weg durch die Felder hinunter zur Siedlung am Turmweg. Kurz vor dem Weltersbach, der oben im Gelände entspringt, folgen wir dem Krähwinkeler Weg entweder nach rechts oder nach links – und dort erneut nach links über den Weg Pättchen. Schließlich geht es bergan zur Landstraße und zurück zum Witzheldener Ortskern.

Tour 51: Witzheldener Obstweg

Dauer: etwa 1 Stunde 50 Minuten (etwa 2 Stunden 30 Minuten mit Abstecher zum Funkturm)

Länge: 7,35 Kilometer (9,45 mit Abstecher zum Funkturm)

Schwierigkeitsgrad: einfach.

Busverbindung: Linie 252, Haltestelle Witzhelden Busbahnhof

GPX-Daten für den Obstweg

Zum Einkehren: Bauernhof-Café und Restaurant Rusticus, Krähwinkel 4, 42799 Leichlingen, Tel. (0 21 74) 74 86 12, im Winter montags Ruhetag

www.bauernkaese.com

Oberbüscherhof 48, 42799 Leichlingen, Tel. 02174 3100, Donnerstag Ruhetag

www.haus-klippenberg.de

Hofläden: Hofladen Schmidthaus, Krähwinkel 2c, Tel. (0 21 74) 76 88 72

www.witzheldener-bauernmarkt.de

Hofladen Hielscher, Krähwinkel 4a, Tel. (0 21 74) 74 86 77

www.bauernkaese.de

Tipp: Die ersten 40 Folgen unserer „Wanderrouten im Bergischen Land“ gibt es als PDF-Download.

www.bergisch-bestes.de

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