MIt dem ST wandern

Mit dem ST wandern: Wasser – Wälder – Wupperberge

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Unsere heutige Wanderung geht von Unterburg zur Sengbachtalsperre und weiter nach Strohn und Glüder.

Das ST stellt Wanderungen vor - heute: von Unterburg zur Sengbachtalsperre – und weiter nach Strohn und Glüder.

Von Andreas Erdmann

Solingen. Wasser, Wälder und herrliche Ausblicke auf Schloss Burg und die Wupperberge bietet eine Wanderung von Unterburg über die Sengbachtalsperre nach Glüder.

Wir starten vom Wanderparkplatz unterhalb der Schlossbergstraße und folgen dem Waldemar-Specht-Weg unter der Sesselbahn her in den Wald. Es geht steil bergan.

Oben treffen wir auf den wuchtigen weißen Stein. Eine Tafel erzählt die Geschichte des Burger Wahrzeichens: Hier soll sich der Sage nach in alter Zeit Ritter Gerhard von Steinach auf seinem Pferd den Steilhang hinab gestürzt haben. Zuvor war er auf Schloss Burg wegen Mordes und Verrat angeklagt worden. Dies zu Unrecht, worauf er sich diesem sogenannten Gottesurteil unterzog. Reiter und Pferd überlebten den Sturz in den Fluss unverletzt, was die Unschuld des Ritters bewies. Vom Hang brachen Steine, so auch dieser Brocken. Burger Bürger streichen ihn regelmäßig weiß an.

Internatsdirektor stiftete zwei Tempelchen

Nahe am Stein, linkerhand am Anfang des Seitentals beginnt ein steiler Kletterpfad, auf dem wir zum oben am Hang gelegenen Diederichstempel gelangen. Der Pfad verläuft in Serpentinen bergan und ist beschwerlich. 1896 im neuromanischen Stil auf dem Felsvorsprung errichtet, bietet der von Säulen getragene Bau ein grandioses Panorama mit Ausblick auf Schloss Burg, Unterburg und die umliegenden Wupperberge. Zu dem Aussichtspavillon gibt es ein 1901 erbautes Pendant in Müngsten. Beide Tempelchen stiftete der ehemalige Internatsdirektor August Diederichs aus Remscheid.

Vom Vorplatz mit der Sitzbank aus folgen wir dem Weg rechts bergab. Wir überqueren den Bach, nehmen an der Wegkreuzung den zweiten Weg rechts, der um den Hang herum führt. Von der nächsten Wegkreuzung aus gelangt man links bergan durch einen Buchenwald zur Sengbachtalsperre. Wer diese ausklammern möchte, geht weiter geradeaus und hält sich rechts auf dem Hauptweg. Auf der Strecke hat man schöne Aussichten ins Tal und auf Schloss Burg. Wir aber gehen geradeaus und bergan, bis der Pfad auf den Höhrather Weg trifft. Diesem folgen wir rechter Hand.

Nach 400 Metern zweigt links der Weg zur Talsperre ab. Bergab geht es dann auf die riesige Staumauer zu. Der Bau der Sengbachtalsperre, 1898 vom Solinger Stadtrat beschlossen, erfolgte von 1900 bis 1903. Die Anlage ermöglichte Solingen eine von anderen Städten unabhängige Wasserversorgung. Die Mauer des Hauptbeckens hat eine Höhe von 43 Metern und eine Länge von 178 Metern. Unten ist sie 36,6 und oben fünf Meter breit. Bei Vollstau hält die Sperre 2,8 Millionen Kubikmeter Wasser zurück. Im Jahrhundertsommer 1959 führte sie kaum Wasser, so dass man am Grund die Brücke und den alten Weg nach Witzhelden sah.

Wir gehen zurück zum Höhrather Weg, folgen ihm links. An der Strohner Höhe kommen wir an der Waldschule vorüber. Das Gebäude diente ab 1903 als Pumpenwärterhaus. 1968 nutzte es die Deutsche Waldjugend als Jugendheim, und 1986 übernahm es der Förderverein Biologische Station Waldschule. Dieser unterhält hier eine umweltpädagogische Einrichtung mit Programmen für Schulen und Kitas und bietet auch Übernachtungsmöglichkeiten für Selbstversorger. Auf dem Grundstück steht eine 200-jährige Linde. Wir halten uns rechts und unten dann links.

Am Ende kommen wir am Waldhaus Strohn vorüber. Das Schieferhäuschen im bergischen Stil wurde 1921 vom Solinger Jugendclub 1908 erbaut. Der Verein unterhält es noch heute und stellt es Selbstversorgergruppen für Aufenthalte mit Übernachtung zur Verfügung. Geradeaus steht das Tierheim Strohn. Die vom Bergischen Tierschutzverein betriebene Einrichtung wurde 1979 eröffnet. Am Haus lädt ein Biergarten mit Imbiss zur Rast ein. Wir folgen dem Fahrweg Strohn, kommen am Wasserwerk Glüder vorüber. Dieses stellt mit bis zu 6 Millionen Kubikmetern rund die Hälfte des Solinger Trinkwassers zur Verfügung. Dabei wird Oberflächenwasser aus der Sengbachtalsperre und teils aus der Großen Dhünntalsperre zu Trinkwasser aufbereitet und durch ein Pumpwerk zum Trinkwassertank auf der Krahenhöhe befördert.

Angegliedert ist ein Wasserkraftwerk, das schon seit 1903 Wupperwasser zur Energieerzeugung nutzt. Diente es anfangs nur zum Betrieb des Wasserwerks, produzieren die Stadtwerke Solingen hier mittlerweile jährlich rund zwei Millionen Kilowattstunden Strom. Zwei Anlagen mit Turbinen werden über die Wupper gespeist, die dritte kommt bei überschüssigem Wasser der Talsperre zum Einsatz.

Wir gehen weiter flussabwärts. Im Wald am links gelegenen Hang, unweit der Glüderstraße, stand im frühen Mittelalter die Fluchtburg „Heidenkeller“. Die noch vorhandenen Bodenerhebungen der Ringwallanlage sind heute als Kulturdenkmal ausgewiesen. Wir passieren die Wupperbrücke. Links liegt der Campingplatz Glüder. In den 1950er Jahren inmitten des Naherholungsgebiets angelegt, verfügt er über ein kleines Restaurant und einen Minigolfplatz.

Rechts liegt die stillgelegte Restauration Landhaus Glüder. Diese hieß ursprünglich Haus Stoffel und wurde schon vor 1900 in dem dahinter gelegenen Fachwerkhaus betrieben. 1909 hat man das Haus in „Restaurant zur Talsperre“ umbenannt. Später – im Neubau –hieß es Haus Glüder. In dem Fachwerkpavillon daneben, dem früheren Waldcafé, befand sich von 1979 bis 1990 die Diskothek Getaway. Die Ortslage Glüder wird erstmals im Jahr 1633 als einzelner Hof auf Witzheldener Seite erwähnt. 1824 ist dann auch eine Besiedlung auf Dorper Seite auf einer Karte verzeichnet. 1832 gab es auf Witzheldener Seite drei Wohnhäuser, einen Kotten und fünf landwirtschaftliche Gebäude. In Dorp standen vier Häuser und sieben Gebäude für Landwirtschaft. Mit dem Bau der Talsperre wurden alle Witzheldener Gebäude abgerissen.

Am Ende des Parkplatzes folgen wir rechts unten dem Wanderweg Richtung Wupper. Links befand sich früher ein Märchenwald. Auf einer Wiese zur Rechten grasen oft Galloways. Man gelangt zum früheren Standort der Strohner Brücke. Ein neuer Brückenbau ist geplant. Wir überqueren den Bertramsmühler Bach, kommen zu einem schönen Rastplatz. Auf dem unteren Willi-Lobach-Weg geht es weiter flussaufwärts, und wir erleben das reinste Wupperidyll mit immer wieder neuen Ausblicken auf den Fluss und die umgebene Waldlandschaft.

Obergraben umfasst langgestreckte Insel

Wir überqueren den Stadtwaldbach. Bänke laden zum Verweilen ein. Man vernimmt ein immer stärker werdendes Rauschen von Wasser – es rührt von dem Wupperwehr her, auf das wir zugehen. Hier werden oft Fischreiher gesichtet. Hinter der Wehrmauer zweigt ein künstlich angelegter Obergraben der Wupper ab, der bis zum ein Kilometer entfernten Wasserkraftwerk führt und eine lang gestreckte Insel einfasst. Durch das Grabengefälle von immerhin fünf Metern kann der Wasserzufluss zum Kraftwerk relativ konstant gehalten werden. Nun geht es am Burger Klärwerk vorüber, und über die Hasencleverstraße mit Blick auf Schloss Burg kehren wir zurück zum Ausgangspunkt.

Tour 38: Sengbachtalsperre und Glüder

Dauer: etwa zwei Stunden und 30 Minuten

Schwierigkeitsgrad: mittelschwer

Ausrüstungstipp: feste Schuhe

Busverbindung: Bus Linie 683, Haltestelle Burg Brücke

Am Weg: Miniaturgolf Glüder, Glüder 4, Tel. 01 71/ 3 80 17 77 , samstags und sonntags, 10 bis 18 Uhr geöffnet; www.minigolf-glueder.de

Download für Wanderprofis: Hier stellen wir Ihnen die Daten für diese Route als gpx-Download zum Wandern mit Smartphone oder GPS-Gerät zur Verfügung. Sie können die Datei in einer entsprechenden Navigations-App hochladen: Wandern von Unterburg nach Glüder.

 Tipp: Die ersten 20 Folgen unserer Serie „Wanderrouten im Bergischen Land“ – unter anderem mit den gpx-Daten zum Wandern mit Smartphone oder GPS-Gerät – sind als PDF-Download für 7,90 Euro erhältlich auf: www.bergisch-bestes.de

Alle Folgen der Wanderserie

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