Wanderserie

Mit dem ST wandern: Entlang der alten Bahnstrecke

Die Hofschaft Friedrichshammer ist idyllisch gelegen. Das Fachwerkhaus oben am Hang ist Teil davon.
+
Die Hofschaft Friedrichshammer ist idyllisch gelegen. Das Fachwerkhaus oben am Hang ist Teil davon.

Heute geht es ins Kaltenbachtal in Cronenberg – es gibt weite Ausblicke, viel Natur und historische Schauplätze.

Von Andreas Erdmann

Bergisches Land. Die Straßenbahn-Linie 5 fuhr in den Jahren 1914 bis 1969 vom Solinger Mühlenplatz nach Wuppertal-Dönberg. Die Teilstrecke von den Haltepunkten Kohlfurth bis Greuel ist noch heute erhalten und wird von den historischen Fahrzeugen der Bergischen Museumsbahn befahren. Auf unserer heutigen Wanderung treffen wir immer wieder auf die Bahnstrecke.

Wir starten in Kohlfurth an der alten Straßenbahnbrücke. Der Ortsname Kohlfurth rührt wohl von dem Bach „Kolf, Kolve oder Külf“ her, der von der Solinger Seite in die Wupper mündet. Der Name bedeutet „Wasserloch“. Schon 1363 ist eine Brücke in Kohlfurth urkundlich erwähnt.

Ab 1714 gab es eine steinerne Bogenbrücke, die 1894 der heutigen wich. Wir folgen der Straße Kohlfurther Brücke flussabwärts. Links liegt das Areal der Museumsbahnen. In dem markanten Gebäude rechts befindet sich heute das Strandcafé. Um 1900 hieß das Lokal „Brückerhof“. Wir gelangen zum kleinen Ort Schütt, gehen links durch den Straßenbahntunnel. Wir folgen der Straße Friedrichshammer etwa 50 Meter, biegen dann linkerhand in den unscheinbaren kleinen Pfad ein, der den Berg Wahlertskopf hinauf führt. Der Aufstieg ist steil.

Wir halten uns geradeaus und biegen dann oben nach einem leichten Knick nach links ab. Von dem Aussichtspavillon „Adelenblick“ aus haben wir einen weiten Ausblick über das Tal der Wupper und die gegenüberliegenden Hänge Gräfraths. 1895 eingeweiht, wurde der „Adelenblick“ nach der Frau des Fabrikanten Henry Theodor Böttiger benannt. Dieser sorgte als Abgeordneter im preußischen Landtag für wirtschaftlichen Aufschwung in Cronenberg.

Skyline der Solinger Innenstadt ist einen Blick wert

Wieder auf dem Hauptweg lassen wir zwei Wege, die nacheinander zum Ort Wahlert abzweigen, links liegen. Dann treffen wir wieder auf die Straße Friedrichshammer, der wir kurz bergab folgen. In der Kurve vor dem Feld führt ein Pfad bergauf. Auf diesem gehen wir geradeaus. Wir kommen zu einem Rastplatz mit Tisch. Linkerhand liegt der Friedhof Solinger Straße. Und rechts über die Felder und Wälder hinweg haben wir eine fantastische Aussicht auf die Skyline der Solinger Innenstadt und dann weit bis nach Witzhelden. Am Ende des zweiten Feldes mündet der Weg in den Fahrweg Unterkirchen. Wir halten uns rechts.

Gleich abermals rechts zweigt ein Feldweg ab. Ein toller Ausblick! Es lohnt auch ein Blick zurück auf den zwischen Baumwipfeln aufragenden Turm der Cronenberger Kirche. Der Weg führt in den Wald, stetig bergab, teils ziemlich steil. Nach der Straßenbahnhaltestelle Kaltenbach folgen wir dem Pfad, der seitlich der Schienen bergan verläuft. Er nimmt eine Kurve durch den Wald und führt dann direkt auf die Endhaltestelle Greuel zu. In Zukunft soll die Bahn noch eine Station weitergeführt werden.

Auf dem Fahrweg, der rechts unter Bäumen bergab führt, gelangen wir zum malerisch gelegenen Naturfreundehaus am Hülsberg. Die Cronenberger Naturfreunde bezogen das Haus 1958, nachdem ihnen ihr früheres Domizil am Rauenhaus im Dritten Reich enteignet wurde. Gäste können hier Übernachtungen buchen. Am Wochenende werden Getränke ausgeschenkt.

Der Wanderweg führt uns wieder hinab ins bewaldete Kaltenbachtal. Am Weg stehen zwei alte verwachsene Eichen wie urige Riesen aus einem Märchen. Zum Bach hin kann der Boden etwas aufgeweicht sein. Wir kommen zum Straßenbahnhalt Friedrichshammer. Weiter geht’s auf dem Pfad bergab gleich rechts neben dem Gleis. Der Weg hier ist zeitweise feucht. Ein Steg führt zwischen Teichen einher, die zum Bewässerungssystem des einstigen Friedrichhammers gehörten.

Sensenschmiede wurde erstmals im 17. Jahrhundert erwähnt

Erste Erwähnungen der Sensenschmiede gehen auf das 17. Jahrhundert zurück. Ab 1700 stellte man um auf unzünftige Waren wie Tuchscheren. Zuletzt noch von Robert Friedrichs betrieben, wurde der Hammer 1919 stillgelegt und verfiel. Die Mauer, von der das Wasserrad lief, und der sich darüber befindende Wassereinlauf sind noch vorhanden. Oben am Hang sieht man ein Fachwerkhaus der idyllisch gelegenen Hofschaft Friedrichshammer. Wir gehen bergab am früheren Standort des heute nicht mehr existierenden Teschekottens vorüber.

Unten rechts am Hang liegt der verschüttete Eingang eines über 80 Meter tiefen Stollens. Hier wurde schon 1050 manganhaltiges Erz geschürft. Es diente später der Sensenherstellung. Nach Ende des Ersten Weltkriegs wurden letzte Grabungen eingestellt. Unterhalb des Teichs liegt der Mittlere oder Kaltenbacher Kotten, im Volksmund von Alters her auch Manuelskotten genannt. Besitzer des ersten, 1755 errichteten Schleifbetriebs war Emanuel „Manuel“ Morbach. Nachdem der Bau 1901 abbrannte, errichtete man einen Nachfolger-Kotten. Er ist der letzte seiner Art, in dem sich noch ein voll funktionstüchtiges oberschlächtiges Wasserrad mit Fliehkraftregler befindet. Bis heute wird darin die Knie-Nassschleiferei ausgeübt. An Tagen, wenn die Straßenbahn fährt, ist der Kotten meist für Besucher geöffnet.

Wir gehen oberhalb der Anlage zum Teich. Eine Bank lädt zur Rast ein. Weiter geht’s auf dem Wanderweg, der hinter dem Kotten talwärts verläuft. Er führt am früheren Standort des Patrickhammers vorbei. Der Solinger Schwertfeger Hölterhoff war sein Erbauer, bevor er ihn seinem tüchtigen Schmiedegesellen Petrick übergab. Der Betrieb hatte zwei Wasserräder. Ein Bahnhalt, der folgt, trägt den Namen des Hammers.

Am Ende des Pfads folgen wir rechts der Straße Unterkohlfurth. Bei der Haltestelle Schulkohlfurth biegen wir links in den bergab führenden Weg. Wir kommen zurück zum Ort Schütt. Dort sind unterhalb des Bahndamms heute noch Obergraben und Deichkrone des früheren Schütterhammers zu erkennen. Einst Schleifkotten, wurde er später als Reckhammer zum Recken von Stahl ausgebaut.

In dem nahe gelegenen Doppelhaus Schütt 1/2 wohnte um 1900 der Stahlwarenfabrikant Von den Steinen, der mehrere Stahlbetriebe bei Kohlfurth besaß. Geradeaus geht es zurück zum Ausgangspunkt.

Tour 37

Dauer: ca. 125 Minuten

Schwierigkeitsgrad: mittelschwer

Ausrüstungstipp: festes Schuhwerk

Busverbindung: CE 64, Haltestelle Kohlfurth

Zum Einkehren: Naturfreundehaus Hülsberg, Greuel 27, 42349 Wuppertal, Tel. (02 02) 47 00 56, Öffnungszeiten: samstags ab 15 Uhr, sonntags 10 bis 19 Uhr, www.F14.naturfreundehaus.de

Biergarten Strandcafe, Kohlfurther Brücke 56, 42349 Wuppertal, Öffnungszeiten: bei gutem Wetter montags bis freitags ab 14 Uhr, samstags und sonntags ab 11 Uhr; www.strandcafe.de

Café Hubraum, Kohlfurther Str. 30-32, 42651 Solingen, Tel. 53 08 93, Öffnungszeiten: montags bis freitags 12 bis 23 Uhr, samstags 10 bis 24 Uhr, sonntags 10 bis 22 Uhr; www.cafe-hubraum.de

Bergische Museumsbahnen: Kohlfurter Brücke 57, 42349 Wuppertal, Tel. (02 02) 47 02 51. Die Bahnen verkehren regulär von April bis Oktober am zweiten und vierten Sonntag im Monat, an Pfingsten und Nikolauswochenenden; www.bmb-wuppertal.de

Download für Wanderprofis: Hier stellen wir Ihnen die Daten für diese Route als gpx-Download zum Wandern mit Smartphone oder GPS-Gerät zur Verfügung. Sie können die Datei in einer entsprechenden Navigations-App hochladen: Wandern im Kaltenbachtal

Tipp: Die ersten 20 Folgen unserer Serie „Wanderrouten im Bergischen Land“ – unter anderem mit den gpx-Daten zum Wandern mit Smartphone oder GPS-Gerät – sind als PDF-Download für 7,90 Euro erhältlich auf: www.bergisch-bestes.de

Alle Folgen der Wanderserie finden Sie hier.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Corona: Inzidenz weiter über 800 - Klinikum verschärft Corona-Regeln
Corona: Inzidenz weiter über 800 - Klinikum verschärft Corona-Regeln
Corona: Inzidenz weiter über 800 - Klinikum verschärft Corona-Regeln
Triage: Kliniken in Solingen bereiteten sich früh vor
Triage: Kliniken in Solingen bereiteten sich früh vor
Triage: Kliniken in Solingen bereiteten sich früh vor
Impfpflicht-Gegner liefern sich in Solingen Katz-und-Maus-Spiel mit Polizei
Impfpflicht-Gegner liefern sich in Solingen Katz-und-Maus-Spiel mit Polizei
Impfpflicht-Gegner liefern sich in Solingen Katz-und-Maus-Spiel mit Polizei
Corona-Ausbruch beim Personal sorgt für Absagen im Theater
Corona-Ausbruch beim Personal sorgt für Absagen im Theater
Corona-Ausbruch beim Personal sorgt für Absagen im Theater

Kommentare