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Mit dem ST wandern: Entlang alter Bahnhöfe geht‘s nach Cronenberg

Heute ist der Bahnhof Burgholz eine Gaststätte, an der es sich wunderbar einkehren lässt.
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Heute ist der Bahnhof Burgholz eine Gaststätte, an der es sich wunderbar einkehren lässt.

Das ST stellt Routen durchs Bergische vor – heute wandern wir auf den Spuren des Sambas.

Von Andreas Erdmann

Wuppertal. Ihren poetisch-musikalischen Namen hat sie ihrem schwungvollen Verlauf zu verdanken: die Samba-Trasse. Grund für den Bau der 1891 eröffneten Strecke war der steigende Rohstoff- und Kohlebedarf der Cronenberger Werkzeugindustrie. Bis nach dem Zweiten Weltkrieg diente die Bahn vorrangig dem Güterverkehr. Der Personenverkehr verlief ab Mitte der 1950er Jahre zumeist mit Schienenbussen. Die Stilllegung erfolgte 1988. Bei der Regionale 2006 baute man die Geleise ab und wandelte die 11 Kilometer lange Strecke zum Wander- und Radweg um.

Der Personenverkehr auf der Samba-Trasse verlief ab den 50er Jahren mit Schienenbussen.

Wir starten unsere Tour vom Bahnhalt Zoologischer Garten, folgen links der Siegfriedstraße, bis rechts die Freya-straße abzweigt. Die Eddastraße, links, bringt uns zur Trasse, die schon nach 600 Metern zum ersten Highlight führt: Von einer Brücke über den Wuppertaler Zoo gewinnen wir Einblicke in die Freigehege der Tiger und Löwen. 1881 mit 34 Tieren eröffnet, leben in der 24 Hektar großen Parkanlage mit alten Bäumen heute gut 4200 Tiere in 470 Arten aus allen Erdteilen.

Nach einer Kehre durch eine Siedlung durchwandern wir den Staatsforst Burgholz. Der 540 Hektar umfassende Wald bildet mit den angrenzenden Kommunal- und Privatwäldern ein weitläufiges Naherholungsgebiet, das die Wuppertaler Stadtteile Cronenberg, Elberfeld, Vohwinkel und Sonnborn berührt sowie Gräfrath in Solingen. Bis zum 8. Jahrhundert kaum erschlossen, gewann der Wald mit Gründung der Grafschaft Berg zunehmend als Holzlieferant an Bedeutung. Dabei prägten Schloss Burg und Burg Elberfeld den Namen Burgforst.

Der Burgholz-Tunnel quert den Staatsforst unterirdisch, um den Wald nicht zu zerschneiden.

Rechts von der Trasse verläuft die Schnellstraße L 418. Wir haben bald einen weiträumigen Blick auf die Öffnung des Burgholztunnels. Diese über 1,8 Kilometer lange Straßenunterführung mit zwei Tunnelröhren ist einer der längsten Tunnel in NRW. Da der Wald nicht durch die Straße zerschnitten werden sollte, entschied man sich für die unterirdische Variante.

Nach Überquerung des Honigtaler Bachs und des Bachs Rutenbeck treffen wir auf den Fahrweg Zur Kaisereiche. Rechts, etwas zurückgesetzt vom Weg, streckt die 17 Meter hohe Kaisereiche ihre vom kräftigen Stamm herauswachsenden Äste gen Himmel. Den Baum umgibt ein schmiedeeiserner Zaun. Ein Schild daran erinnert an die Gründung des deutschen Kaiserreichs: „Zum Gedenken an die Reichsgründung am 18. Januar 1871, gepflanzt von den Primanern des Elberfelder Gymnasiums.“

Mit dem ST wandern: Baumsammlung im Arboretum ist eine der größten des Landes

Von hier aus starten oft Wanderer durch das im südlichen Burgholz gelegene Arboretum („Baumpflanzung“). Schon ab 1820 und verstärkt seit den 1960er Jahren begann man auf der rund 250 Hektar großen Teilfläche des Forsts fremde Gehölze anzubauen. Heute ist dort die flächengrößte Baumsammlung Deutschlands zu finden. Sie umfasst über 130 Laub- und Nadelbaumarten aller Kontinente.

Wir folgen der Trasse in einer Kehre. Nach einer schönen Gartenanlage kommen wir zum links gelegenen einstigen Bahnhof des Cronenberger Stadtteils Küllenhahn. Er wurde 1897 eröffnet. Anfang der 1970er Jahre stellte die Deutsche Bahn die Stückgutabfertigung ein. 1992 wurde der schieferverkleidete Fachwerkbau im bergischen Stil als Baudenkmal eingetragen, der Eintrag aber wegen des schlechten Zustands wieder verworfen. Der Besitzer beantragte den Abriss.

Der alte Bahnhof Cronenberg markiert das Ende der Tour – auch er wird heute gastronomisch betrieben.

Wir passieren das farbenfrohe „Lebkuchenhaus“. Dabei handelt es sich um ein 2014 von den Künstlern Martin Heuwold und Ognjen Pavic im Streetart-Stil verziertes Betriebshäuschen der Stadtwerke. Rechts ragt bald das wuchtige Müllheizkraftwerk auf. Durch Abfallverfeuerung erzeugt man dort jährlich an die 180 000 Megawattstunden elektrische Energie. Über dem Burgholzer Bachtal, mit Blick auf das Kraftwerk, lädt eine Bank zur Rast. Rechts im Tal entspringt der Burgholzbach. An dessen Ufern standen zur Zeit der Frühindustrialisierung vier Hammerwerke und zwei Schleifkotten.

Mit dem ST wandern: Schienenbus und Fallhammer sind heute Denkmäler

Weiter geht’s in einer weiten Kurve. Bei Cronenfeld treffen wir auf ein Stück Industriegeschichte: Ein mehr als 175 Jahre alter Riemenfallhammer kündet als Denkmal von der industriellen Stärke Cronenbergs. Nach Querung der Cronenberger Hauptstraße sehen wir auf dem Parkplatz vor uns einen restaurierten roten Schienenbus des Typs VT 95, der früher die Samba befuhr. Die letzte Station bildet der historische Bahnhof Cronenberg. Er wurde 1891 als Kopfbahnhof von der Bergisch-Märkischen Eisenbahn-Gesellschaft eröffnet.

Wer die Strecke nicht zu Fuß zurückgehen möchte: Geradeaus über die Kuchhauser Straße, dann rechts die Amboßstraße hinauf erreicht man wiederum rechts die Bushaltestelle an der Hauptstraße. Die Buslinie CE 64 fährt zum Hauptbahnhof, von dem aus man mit den S-Bahnen S 28, S 8 oder S 9 zurück zum Bahnhalt Zoologischer Garten gelangt, dem Ausgangspunkt unserer Wanderung.

Tour 49

Dauer: ca. 2,5 Stunden

Schwierigkeitsgrad: einfach, auch mit dem Rad befahrbar.

Bahnanbindung: S 28, S 8, S 9, Haltestelle Zoologischer Garten

Zum Einkehren: Wandergaststätte Bahnhof Burgholz, Zur Kaisereiche 23, 42349 Wuppertal.

Café Podzelny, Hauptstraße 171, 42349 Wuppertal.

Alter Bahnhof Wuppertal-Cronenberg, Holzschneiderstraße 24, 42349 Wuppertal.

Tipp: Die ersten 40 Folgen unserer Serie – mit den GPX-Daten zum Wandern mit Smartphone oder GPS-Gerät – gibt es als PDF-Download. Die ersten 20 wie als die weiteren 20 Teile sind für je 7,90 Euro erhältlich:

www.bergisch-bestes.de

Alle Folgen unserer Wanderserie finden Sie hier

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