Wanderserie

Mit dem ST wandern: Durchs Gelpetal zur Ronsdorfer Talsperre

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Aufnahmen, die Lust auf besseres Wetter machen: Höhepunkt unserer heutigen Tour ist die Ronsdorfer Talsperre.

Erlebnisreiche Tour führt vorbei an alten Hämmern und historischen Hofschaften.

Von Andreas Erdmann

Remscheid/Wuppertal. Eine spannende Rundwanderung auf Wuppertaler und Remscheider Stadtgebiet hält die Tour durch das Gelpetal und zur Ronsdorfer Talsperre bereit. Neben eindrucksvollen Naturlandschaften lassen sich etliche historische Schauplätze erkunden, die auf Schautafeln am Rand der Weg erklärt werden.

Wir starten im Zillertal in Cronenberg – und dort vom Wanderparkplatz des Café-Restaurants Haus Zillertal aus. Bereits Ende des 19. Jahrhunderts zog das Ausflugslokal im Naherholungsgebiet Gelpe- und Saalbachtal viele Spaziergänger an, die in dem Haus im bergischen Baustil Rast einlegten. Wir folgen zunächst dem historischen Weg, der mit einem gelben stilisierten Mühlrad mit Wasserlauf markiert ist und an der großen Wanderkarte vorbei talaufwärts entlang der Gelpe verläuft.

Wir erreichen den Ort Büngershammer. Dort gab es mindestens seit 1743 ein ursprünglich von der Cronenberger Familie Bünger betriebenes Hammerwerk, ab 1900 auch ein Ausflugslokal. Rechterhand geht es auf den Käshammer zu. Der links am Bach gelegene Fachwerkbau gilt als Wahrzeichen des Gelpetals. 1607 wurde er erstmals aktenkundig. Anfangs Knochenmühle, wurde die Anlage ab 1828 zum Raffinierhammer, an dem Roheisen zu Edelstahl veredelt wurde. Ende des 19. Jahrhundert beherbergte er im ersten Stock eine Seidenweberei. Damals gründete der Besitzer Johann Hölter auch eine Gaststätte im Ort, die bis 2005 betrieben wurde. Auf dem Hammerteich ruderten zu Beginn des 20. Jahrhunderts Ausflügler, und der Bach diente der Jugend als Freibad. Der markierte Weg führt in den Wald. Links lag der Tippelskotten. Lage und Stauteich sind noch zu erkennen.

Nachdem wir die Gelpe überquert haben, führt uns das Mühlrad auf der schmalen Straße zum Wanderparkplatz am früheren Ausflugslokal „Bergisch Nizza“. Dieses wurde 1943 zerstört. Wir kommen zur Ruine des Jansenkottens. Der Schleifkotten, 1800 als Eigentum eines Caspar Eicken erwähnt, ging 1826 in den Besitz des Namensgebers Johann Jansen über. 1908 abgerissen, blieb nur der hohe Schornstein stehen, der heute ein Baudenkmal ist. Vom Parkplatz aus geht’s auf breitem Weg in den Wald und am Speckshämmerchen vorbei. Dieses wurde 1685 erbaut und stand hier, auf Elberfelder Gebiet, bis 1903. Es geht eine Anhöhe hinauf, dann wieder ins Bachtal.

Wir queren eine kleine Holzbrücke, folgen zunächst dem Bach, bevor wir auf schmalem Pfad und über Hohlwege bergauf gehen. Aus dem Wald heraus, überqueren wir eine große Wiese und kommen dann durch den Ronsdorfer Ort Holthausen. Dieser wird 1520 als einzelner Hof aktenkundig. 1710 zählte man acht Häuser in „Holthusen“. Der Name lässt auf eine Siedlung im Wald schließen.

An den Ufern ist der Flusskrebs heimisch

Links geht es erneut in den Wald. An der Schutzhütte halten wir uns abermals links und wandern auf breitem Forstweg hinab zur Ronsdorfer Talsperre. Erbaut wurde die vom Saalbach gespeiste Sperre von 1898 bis 1899. Sie diente bis 1956 der Wasserversorgung Ronsdorfs. Die Anlage ist 21,10 Meter hoch und 180 Meter lang. 200 Meter unterhalb der Mauer befand sich früher die Pumpstation. Nach Absenkung des Wasserspiegels auf 9,7 Meter, fasst der Stausee noch 46 000 Kubikmeter Wasser. An den Ufern ist der Flusskrebs heimisch. Um die Talsperre führt ein beschilderter Waldlehrpfad. Sitzbänke laden zur Rast ein. Wir verlassen den Weg mit dem Mühlrad, der seitlich der Sperre zurück ins Zillertal führt, und folgen stattdessen dem Wanderweg A2. Er führt von der anderen Dammseite aus bergan durch den Wald auf die Anhöhe. Hier genießen wir eine herrliche Fernsicht. Bald geht es durch die malerisch gelegene Ortschaft Heidt mit ihren gut erhaltenen historischen Fachwerk- und Schieferhäusern. Heidt wurde schon 1312 urkundlich erwähnt. Bereits um 1685 gab es hier eine Schule – ein sogenanntes „Schulehalten“ zunächst in privaten Räumen. Eine Gedenktafel an der ehemaligen Dorfschule erinnert an den bekannten Pädagogen Friedrich Wilhelm Dörpfeld, der hier unterrichtete. Unten im Ort halten wir uns rechts und kommen zum Gehöft Schmittenberg. Heidt und Schmittenberg zählen heute etwa 150 Einwohner. Es geht hinunter zur kleinen Hofschaft Heusiepen, die zu Lüttringhausen gehört. 1639 als „Heysiepen“ erstmals erwähnt, ist sie nach dem gleichnamigen Bach benannt, der auf einen im Tal schwelenden Nebel („Hei“) verweist. Hinter dem Ort geht es steil bergan.

Auf dem Weg zur Talsperre geht es untere anderem vorbei am Steffenshammer.

Auf der Streuobstwiese links wächst eine alte Bergische Apfelsorte: der „Rheinische Krummstiel“. Oben folgen wir der Straße rechtsum in den Ort Westen. Der Name ist von „Wist“ – „Wohnung“ oder „Bleibe“ – abgeleitet. Schon 1471 sind hier zwei Wohnplätze nachgewiesen. Im 17. Jahrhundert entstand in Westen ein kleines Zentrum der Eisenindustrie. Besitzer von Sensenschmieden und Hammerwerken lebten hier, die ihre Betriebe zumeist in den umliegenden Tälern hatten.
Alle Folgen der Wanderserie finden Sie hier

Wir durchqueren den Ort, gelangen in den Wald und folgen dem Weg A2 stetig bergab ins Gelpetal bis zur Siedlung Clemenshammer. Diese wird das erste Mal 1580 aktenkundig, als „Clemens auf dem Hammer und Friedrich vom Dohr“ hier eine schon länger bestehende Eisenhütte erwarben. 1607 kam ein Schleifkotten hinzu. Betriebe wie der Bollenhammer, Rottsiepershammer und Schliepershammer sind im Ort nicht mehr vorhanden.

Gut erhalten ist – gleich rechts am Weg – der Steffenshammer. Erbaut im Jahr 1746, kam er 1825 in den Besitz der Familie Steffens, die ihm den Namen gab. Im 19. Jahrhundert nutzte man ihn vorwiegend für die Herstellung von Raffinierstahl zum Schmieden von Werkzeugen und Kleineisenteilen. Bis 1928 war er in Betrieb, wurde dann 1958 von der Stadt Remscheid erworben und für Schauzwecke erhalten. Heute ist der Steffenshammer als Außenstelle des Deutschen Werkzeugmuseums der letzte noch funktionsfähige Hammer im Tal.

Hangrutsch: Es gibt eine Alternative zum direkten Weg zwischen Clemenshammer und Zillertal

Der talaufwärts verlaufende Waldweg führt uns entlang von Standorten heute nicht mehr existierender Kotten und Hämmer zurück zum Zillertal. Hier standen einst der Neuenkotten, der Reinshagens-, Wester- und Wolfertshammer sowie die Hundsschüppe. Die Bedeutung des Namens der Hundsschüppe, die schon 1607 bestand, ist unbekannt. Schließlich führt uns der Weg zurück zum Ausgangpunkt.

Der Waldweg von Steffenshammer aus in Richtung Zillertal ist auf unabsehbare Zeit gesperrt. Wer die Absperrungen missachtet, begibt sich in Lebensgefahr. Aber es gibt zwei Alternativen zu diesem direkten Weg: Rechts zurück über den Weg A2 am steilen Hang, wobei wir uns auf den folgenden Wegen und Pfaden beständig links halten. Oder wir nehmen die Abzweigung links hinab zur Gelpe und folgen dem Pfad bachaufwärts.
Lesen Sie dazu auch: Wanderweg ist für Jahre verloren - Ausflügler ignorieren Absperrungen und begeben sich in Lebensgefahr

Tour 40

Dauer: 9,7 Kilometer, 2 Stunden, 45 Minuten
Schwierigkeitsgrad: mittelschwer, mit stärkeren Steigungen
Ausrüstungstipp: festes Schuhwerk
Zum Einkehren: Café-Restaurant Haus Zillertal, Zillertal 1, Wuppertal, Tel. (02 02) 40 28 29, Öffnungszeiten: montags bis mittwochs und freitags ab 14 Uhr, samstags und feiertags ab 12 Uhr, sonntags ab 10.30 Uhr; Steffenshammer, Clemenshammer 3, Remscheid, Tel. (0 21 91) 8 36 32, Öffnungszeiten: April bis Oktober jeder dritte Samstag im Monat 11 bis 17 Uhr.
www.steffenshammer.de

Download für Wanderprofis: Hier stellen wir Ihnen die Daten für diese Route als gpx-Download zum Wandern mit Smartphone oder GPS-Gerät zur Verfügung. Sie können die Datei in einer entsprechenden Navigations-App hochladen: GPX Gelpetal

Tipp: Die ersten 20 Folgen unserer Serie „Wanderrouten im Bergischen Land“ – alle mit den gpx-Daten zum Wandern mit Smartphone oder GPS-Gerät – sind als PDF-Download für 7,90 Euro erhältlich auf: www.bergisch-bestes.de

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