Aktion lebt nach Corona nicht wieder auf

Miss Zöpfchen: Eine Ära geht zu Ende

2019 trafen sich frühere Miss Zöpfchen auf Einladung des Tageblatts zum 50. Geburtstag der Aktion und fuhren mit dem historischen O-Bus durch Solingen.
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2019 trafen sich frühere Miss Zöpfchen auf Einladung des Tageblatts zum 50. Geburtstag der Aktion und fuhren mit dem historischen O-Bus durch Solingen.

Mehr als 50 Jahre lang war der Miss-Wettbewerb eine Institution in Solingen. Doch in den letzten Jahren hat das Interesse der Bewerberinnen spürbar nachgelassen.

Von Stefan M. Kob

Miss Zöpfchen: Die Idee, geboren im Zuge des gerade erdachten Zöppkesmarktes, war 1969 eine geniale. Auch wenn „Zöpfchen“ und „Zöppken“, also das kleine handliche Küchenmesser, nur lautmalerisch etwas miteinander zu tun haben, so war die von den Tageblatt-Lesern gekrönte junge Dame unausgesprochen die Regentin des Solinger Zöppkesmarktes. Und wurde im Laufe der Jahre und Jahrzehnte mit immer mehr repräsentativen Aufgaben im ganzen Stadtgebiet betraut: Glücksfee einer Vereinstombola, Ehrungen der Sportler des Jahres, Stargast bei diversen Karnevalssitzungen – das ganze Jahr über hatte eine Miss ganz schön viele Termine, bis sie die Schärpe zum Start des nächsten Zöppkesmarktes an ihre Nachfolgerin weitergab.

Zöppkesmarkt 2022: Viele Stände aber kein Riesenrad

Bewerberinnen kamen immer öfter gar nicht zur Foto-Session

Mehr als 50 Jahre lang war der Miss-Wettbewerb eine Institution in Solingen. Doch in den letzten Jahren hat das Interesse der Bewerberinnen spürbar nachgelassen. Liegt es daran, dass Miss-Wahlen generell ins Kreuzfeuer der Kritik geraten sind, weil sie heute scheinbar nicht mehr zum Zeitgeist passen? Das kann bei einer Wahl der hübschesten Zöpfe kaum der Fall sein, zumal sie zu interessanten jungen Damen gehören, die sich oft viele Gedanken darüber gemacht haben, wie sie ihr Jahr Popularität sinnvoll für ihre Heimatstadt Solingen einsetzen können.

Oder sind es die sozialen Medien, die eine viel wichtigere Bedeutung für die junge Generation haben, um sich zu präsentieren und Feedback zu erhalten? Womöglich mit dem aberwitzigen Ziel, als Influencer Reichtum mit der eigenen Nabelschau zu scheffeln.

Tatsache jedenfalls ist, dass sich immer weniger Kandidatinnen meldeten, obwohl sogar ein tolles Team an Unterstützern und Partnern die jungen Bewerberinnen mit professionellen Schmink- und Frisur-Sessions lockte. Es scheint zudem ein Zeichen der Zeit zu sein, dass es zwar noch Anmeldungen gab, aber immer öfter die freigehaltenen Plätze leer blieben, weil Kandidatinnen einfach nicht zum vereinbarten Termin kamen – zum Frust aller Beteiligten, die tatenlos warten mussten, ob die nächste Aspirantin auftauchte oder eben nicht.

Was dann kam, war Corona. Und ein totaler Stopp an vielen Fronten. Wie beim Zöppkesmarkt, der zweimal epidemiebedingt ausfiel – somit konnte auch keine neue Miss-Zöpfchen-Wahl erfolgen.

Das ST wird mit einem Stand und Aktionen vertreten sein

Die Zwangspause haben die Verantwortlichen zum Nachdenken genutzt. Und schweren Herzens entschieden, die Miss-Wahlen nicht wieder aufleben zu lassen. Jedes Ding hat seine Zeit, und die Erkenntnis, dass nach mehr als 50 Jahren Miss Zöpfchen nicht mehr dazugehören wird, ist allen Beteiligten schwergefallen. Die Entscheidung war im Lichte der Entwicklung aber unausweichlich. Was sicher noch lange bleiben wird – wenn auch vielleicht mit leicht anderen Schwerpunkten – ist der Solinger Zöppkesmarkt () , auf dessen 52. Auflage sich alle Solingerinnen und Solinger riesig freuen. Und auf dem das Solinger Tageblatt selbstverständlich wieder mit eigenem Stand und Aktionen vertreten sein wird.

Auch wenn der eine oder die andere sicher mit etwas nostalgischem Wehmut die amtierende Miss vermissen wird. Aber ohne genügend Interessentinnen, die sich engagiert und mit Spaß in die Wahl stürzen, würde die Aktion irgendwann eine Farce – und das haben die 51 ehemaligen Regentinnen und die Erfinder dieser besonderen Miss-Wahl nicht verdient.

Drei Amtszeiten fühlen sich für Miss Zöpfchen Jenna Nieporte doch nur wie ein Jahr an

Jenna Nieporte blickte mit dem Tageblatt auf ihre ganz besondere Zeit als Miss Zöpfchen zurück.

Von Jutta Schreiber-Lenz

Solingen. 16 Jahre alt war Jenna Nieporte, als sie im September 2019 als neu gewähltes Miss Zöpfchen die Schärpe ihrer Vorgängerin übernahm und damit die Regentschaft des Zöppkesmarktes. Sie war glücklich über den Wahlausgang und freute sich auf die einjährige Amtszeit. Nun ist sie 19, hat gerade ihr Abi an der Geschwister-Scholl-Gesamtschule abgelegt – und ist immer noch Miss Zöpfchen.

Die Sport-Gala im Februar 2020 war ihr letzter Auftritt im Ornat, erinnert sich Jenna Nieporte. „Damals war das neue Virus schon überall Thema und tatsächlich war die Gala dann für lange Zeit die letzte große Veranstaltung im Theater und Konzerthaus.“ Bis dahin hatte sie ihr Amt genossen: Nach drei „wunderschönen“ Zöppkesmarkt-Tagen, in denen sie Autogramme gab, mit vielen Solingern ins Gespräch kam und sich mit ihnen fotografieren ließ, kamen Auftritte bei der Lichternacht im Südpark und später im Karneval dazu. „Und dann war von heute auf morgen Schluss“, sagt sie.

Enttäuschend für die junge Solingerin, die gerne ihre Amtszeit wie ihre Vorgängerinnen fortgeführt hätte. Und auch die Verlängerung ins Jahr 2021 brachte da keine Änderungen. Große Veranstaltungen und damit Auftrittsmöglichkeiten für Miss Zöpfchen waren immer noch nicht möglich.

Und so wurde anderes für Jenna Nieporte wichtiger. Zum Beispiel: Gut durch die Schulzeit kommen, sich im Unterricht von zu Hause aus und mit dem anschließenden Wechselmodell zurechtzufinden. Denn das sei nicht ohne gewesen, erzählt sie. Dabei sei sie immer eine gute Schülerin gewesen und strebte einen vorzeigbaren Abitur-Durchschnitt an.

19-Jährige will in Wuppertal auf Lehramt studieren

Das ist ihr jetzt auch mit der Note 1,9 gelungen, wenngleich sie ein bisschen mit sich hadert. „Ich habe Mathe leider überraschend verbaselt, das hat mich eine Menge Punkte gekostet“, berichtet die 19-Jährige im Gespräch mit dem Tageblatt. Neben dem Lernen versuchte sie zudem, so gut es eben unter Corona-Bedingungen ging, den Kontakt zu Freundinnen und Freunden zu halten und sportlich aktiv zu bleiben. Da die Fitnessstudios im Lockdown geschlossen wurden, joggte sie öfter.

Für die kommende Zeit steckt Jenna Nieporte voller Pläne. Allen voran strebt sie ein Lehramtsstudium in den Fächern Deutsch und Pädagogik. an. Dafür möchte sie sich an der Bergischen Universität in Wuppertal einschreiben.

Immerhin, blickt sie nun auf ihre Zeit als Miss Zöpfchen zurück, sei aber das gewonnene Fotoshooting mit dem Tageblatt zustande gekommen: „Da sind wir für das Magazin Engelbert in einen Park gefahren, um die Aufnahmen dort zu machen“, berichtet sie. Und auch ein Shooting im Kunstmuseum wird sie wohl nicht so schnell vergessen – Erinnerungen an eine ganz besondere Miss-Zöpfchen-Zeit.

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