Kammerspielchen

Minutenlanger Applaus für grandioses Spiel

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Im Kammerspielchen hatte am Freitagabend Éric-Emmanuel Schmitts „Enigma“ Premiere.

Von Jutta Schreiber-Lenz

Nahezu atemlos saßen am Freitagabend die knapp 40 Zuschauer im Gräfrather Kammerspielchen. Edmund Willms und Stephan Tacke-Unterberg brillierten in „Enigma“, einem Stück von Éric-Emmanuel Schmitt, das durch dessen Schlöndorff-Verfilmung mit Mario Adorf und Justus von Dohnány große Fußstapfen bereithielt.

Beide Schauspieler überzeugten in Zusammenarbeit mit Regisseur Marc Ossenbrink auf der ganzen Linie durch die Intensität ihres Spiels und mussten den Vergleich mit den großen Namen keineswegs scheuen. Abel Znorko (Willms) ist ein Misanthrop. Kantig und seine Schroffheit kultivierend, lebt der mehrfach preisgekrönte Schriftsteller auf einer Insel am Polarkreis und lässt sich von einem Fischerboot das zum Leben Nötigste bringen. Dazu gehört auch regelmäßig eine Prostituierte. Liebe sei eine Perversion von Sexualität, mit er nichts zu tun haben wolle, knurrt er biestig. 

Warum empfängt er ausgerechnet den Journalisten Eric Larsen (Tacke-Unterberg), nachdem er jahrelang alle Interviews und Besuche in seiner Einsamkeit abgelehnt hat? Schnell wird klar, dass beide etwas zu verbergen haben und sich hinter Lügen verstecken. Aus dem verbalen Umkreisen werden immer schneller Attacken mit Wort-Messern, die treffen. Ist zunächst Larsen der vermeintlich Schwächere in diesem Kampf, so zieht er im weiteren Verlauf ungeahnte Waffen, die den hoch über dem „alltäglich Banalen“ stehenden Znorko ins Normale fallen lassen. Diese ungeahnten Wendungen lassen seine Arroganz schwinden und erneut zum Suchenden werden. 

Absurd-komische Momente hatten in den gut zwei Stunden Spielzeit ebenso ihren Raum wie absurd-traurige: Zwei Männer, die die gleiche Frau lieben. Znorko mit aller Leidenschaft, die vorstellbar ist – aber nach kurzer Realität jahrelang nur schriftlich, per nahezu täglichem Brief. Larsen als realer Ehemann jenseits von Träumen und Phantasien bis in ihren frühen Krebstod – und darüber hinaus. Denn als „Helene“ schlüpft er zehn Jahre lang in ihre Rolle als liebevolle Briefeschreiberin und erhält sie so für sich – und Znorko am Leben. Edmund Willms und Stephan Tacke-Unterberg brachten die Tiefgründigkeit der Fragen nach Liebe und Lust und nach Wahrheit nachhaltig beeindruckend auf die Bühne des kleinen Theaters, das durch seine Intimität einen außergewöhnlich passenden Rahmen für dieses Stück bot. Am Schluss gab es minutenlangen Beifall.

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