Analyse

In Solingen arbeiten durchschnittlich weniger Frauen in Minijobs

Beispielsweise in der Gastronomie schätzt man die Flexibilität von Minijobbern. Doch Corona hat gezeigt, welche Nachteile dieses System für beide Seiten hat. Nicht nur deswegen wirbt die Arbeitsagentur dafür, aus Aushilfen Fachkräfte zu machen.
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Beispielsweise in der Gastronomie schätzt man die Flexibilität von Minijobbern. Doch Corona hat gezeigt, welche Nachteile dieses System für beide Seiten hat. Nicht nur deswegen wirbt die Arbeitsagentur dafür, aus Aushilfen Fachkräfte zu machen.

Neue Analyse zeigt: Solinger Frauen sind weniger oft als der Durchschnitt geringfügig beschäftigt.

Von Melissa Wienzek, Sven Schlickowey und Manuel Böhnke

Solingen. Sie kümmern sich häufiger um den Nachwuchs, pflegen vermehrt einen Angehörigen – und arbeiten häufig in Minijobs: die Frauen im bergischen Städtedreieck. Damit laufen sie Gefahr, im Alter keine auskömmliche Rente auf dem Konto zu haben. Eine neue Arbeitsmarktanalyse unterstreicht das.

Was wurde genau untersucht?

Der Fachdienst Gleichstellung von Frau und Mann der Stadt Remscheid hat eine Arbeitsmarktanalyse zum Thema geringfügige Beschäftigung in Auftrag gegeben. Die Untersuchung legt einen besonderen Fokus auf Frauen im bergischen Städtedreieck – und beschäftigt sich auch mit dem Einfluss von Covid-19. Es handelt sich um ein Kooperationsprojekt mit der Gleichstellungsstelle der Stadt Solingen und der Wuppertaler Stabsstelle Gleichstellung und Antidiskriminierung.

In der Ausarbeitung des Gesundheitsökonomen Jasper Geier wurden zahlreiche Daten aus der Arbeitsmarktstatistik der Bundesagentur für Arbeit zusammengestellt. Zudem wurden exemplarisch Betriebe nach ihrer Motivation gefragt, Minijobbende zu beschäftigen. Der Grund: Minijobber sollen meist die Festangestellten entlasten und Spitzen abfedern. Für sie wurde ein Ansprachekonzept entwickelt, das ermutigen soll, Minijobbende sozialversicherungspflichtig zu beschäftigen: „Von der Aushilfe zur Fachkraft“. Beides wurde vom Ministerium für Kinder, Jugend, Familie, Gleichstellung, Flucht und Integration gefördert.

Was sind die Ergebnisse?

Die Remscheider Gleichstellungsbeauftragte Christel Steylaers erklärt die wichtigsten Punkte:

Beschäftigung: Die Anzahl geringfügig beschäftigter Frauen liegt weiterhin unter dem Niveau vor April 2020. Die Zahl der geringfügig beschäftigten Männer hat sich dagegen nach dem „Corona-Knick“ erholt. In Solingen sind durchschnittlich 40 Prozent mehr Frauen in einer geringfügig entlohnten Beschäftigung tätig als Männer und 12 Prozent weniger in einer sozialversicherungspflichtigen Tätigkeit. In NRW liegen die Werte bei 44 und 17, bundesweit bei 42 und 14 Prozent.

Während Solingen und Wuppertal identische Ergebnisse aufweisen, bildet Remscheid die bergische Ausnahme: Dort gehen im Schnitt 55 Prozent mehr Frauen als Männer einer geringfügigen Tätigkeit nach, dagegen haben 27 Prozent weniger sozialversicherungstätige Jobs.

Nebenjob: Frauen haben den Minijob eher als ausschließliche Beschäftigung, Männer üben eher einen zusätzlichen Nebenjob aus. Besonders männliche Rentner arbeiten oft im Minijob.
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Kurzarbeit: Viele Familien haben in der Corona-Zeit neben der regulären Beschäftigung einen Minijob aufgenommen, zum Beispiel als Ergänzung im Falle von Kurzarbeit. Ob dies schlicht aus finanzieller Notwendigkeit heraus geschah oder freiwillig wegen der zusätzlichen freien Zeit, darüber geben die Daten keine Auskunft.

Bildungsniveau: Im Vergleich zu den Ergebnissen in Land und Bund können verhältnismäßig mehr geringfügig Entlohnte im Städtedreieck keine abgeschlossene Berufsausbildung vorweisen.

Was ist die Schlussfolge?

Christel Steylaers erklärt: „Der Minijob ist besonders krisenanfällig – und für Frauen noch einmal stärker als für Männer.“ Frauen, die ausschließlich einen Minijob wahrnähmen, hätten neben allen anderen Nachteilen ein erheblich höheres Risiko, ihre Stelle zu verlieren.

Was ist also zu tun?

Vor allem für Frauen mit niedrigem Bildungsniveau bedarf es weiterer Förderung für eine existenzsichernde Beschäftigung und auskömmliche Rente. Aber auch gut ausgebildete Frauen sollten sich überlegen, mehr als einen Minijob auszuüben, betont Christel Steylaers. Hierbei komme den weiter auszubauenden Angeboten an Kinderbetreuung ebenso eine besondere Rolle zu. Die bergischen Gleichstellungsbeauftragten möchten Arbeitgeber ermutigen, Minijobs in sozialversicherungspflichtige Beschäftigung umzuwandeln. Das habe für sie auch den Vorteil, dass sie sich längerfristig Fachkräfte sichern können.

Arbeitsagentur

Die Agentur für Arbeit wirbt dafür, Minijobber nicht nur als Aushilfen zu sehen, sondern als zukünftige Fachkräfte. Voraussetzung dafür sei, die geringfügige Beschäftigung „bei steigendem Arbeitsumfang schnell in eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung“ zu überführen. „Minijobs sind oft mit einer hohen personellen Fluktuation und den damit verbundenen höheren Kosten verbunden“, heißt es von der Agentur. Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte seien höher motiviert und würden länger in einem Unternehmen bleiben, so dass sich deren Qualifikation rechne. Die Agentur rät, Minijobs für „Einarbeitungs- und Übergangssituationen“ zu nutzen und dann die Arbeitsstunden aufzustocken.

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