Mein Leben als Papa

Michel tritt aus dem Schatten seines großen Bruders heraus

Michels Platz im Kindergarten – noch für zwei Jahre.
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Michels Platz im Kindergarten – noch für zwei Jahre.

ST-Redakteur Gunnar Freudenberg erzählt vom Leben mit seinen Söhnen Hannes (6) und Michel (3).

So richtig losgelassen hat er noch nicht. Natürlich gab es an seinem letzten Kindergartentag den üblichen Rausschmiss für Hannes und die anderen Kinder, die am 11. August eingeschult werden. Mit großem Frühstück, vielen lieben Worten und auch ein paar Tränen bei den Erzieherinnen. Aber schon während sie Hannes zum Abschied umarmte, war sich Lieblingserzieherin Frau Günther ziemlich sicher: „Den Hannes sehen wir hier ja bestimmt oft wieder.“ Sie sollte recht behalten.

In Woche eins nach vier Jahren Kindergarten will Hannes fast immer dabei sein, wenn Michel in den Kindergarten gebracht oder vom Kindergarten abgeholt wird. Seine Neugier ist einfach zu groß. Er will wissen, wie die neuen Erzieherinnen und Kinder aussehen und wer jetzt an „seinem“ Haken sitzt. Er genießt es, noch mal kurz über den Spielplatz zu flitzen und die Bälle ins Tor zu schießen. Und er ist ein bisschen sauer, dass er nun nichts mehr vom süßen Nachtisch am Freitag hat.

Gleichzeitig findet es Hannes total aufregend, mit seiner Mama vormittags die letzten Dinge vor dem Schulstart zu erledigen. Der Tornister ist längst gepackt, seine Sachen sind beschriftet. Und mit seinen Schuhen und Klamotten sieht er nun endgültig so groß aus, als würde er direkt in der vierten Klasse starten. Auch sein Plan für die Einschulungsparty steht: Die Omas und Opas sollen auf jeden Fall Badesachen für den Pool mitbringen!

Am Haken mit dem Vogel ist von Hannes nichts mehr zu sehen.

Und Michel? Manchmal geht es vor lauter angespannter Erwartung auf den Schulstart seines großen Bruders fast unter, dass auch er gerade eine neue Situation meistern muss. Er ist im Kindergarten jetzt ein Mittelkind. Und das ohne Hannes an seiner Seite, der ihn manchmal trösten oder vor ärgernden Kindern schützen musste. Und der für Michel ab und zu das Sprachrohr zu den Erzieherinnen sein musste. Aber Michel ist in den letzten Wochen mehr und mehr aus dem Schatten seines Bruders herausgetreten. „Wann geht Hannes denn endlich in die Schule?“, platzte es eines Tages aus ihm heraus.

Michels Wandlung ist jeden Tag spürbar. Selbstbewusst läuft er morgens zu seinem Haken, die Verabschiedung dauert nur noch kurz. Ohne Hannes hat sich seine Freundschaft zu drei anderen Jungs verfestigt. Beim Abholen ist er immer irgendwo in der Menge verschwunden. „Dass Hannes nicht mehr da ist, ist das Beste, was ihm passieren konnte“, sagt seine Erzieherin. So ein bisschen scheint sich Michel also wirklich zu beherzigen, was auf seinem T-Shirt steht, das wir ihm geschenkt haben: „Mein Bruder kommt in die Schule. Jetzt bin ich der Boss im Kindergarten!“

Für Hannes bleibt Michel noch zwei Jahre lang die Verbindung zum Kindergarten. Mal sehen, ob er sie noch aufrechterhält, wenn er erst mal in der Schule ist. . .

„Mein Leben als Papa“ gibt es als Buch für 12,90 Euro in den ST-Geschäftsstellen, im Handel und im Internet:bergisch-bestes.de

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