Prozess

Messerattacke: Angeklagter erinnert sich an nichts

Ein Solinger muss sich vor dem Landgericht in Wuppertal verantworten.
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Ein Solinger muss sich vor dem Landgericht in Wuppertal verantworten.

56-Jähriger wegen versuchten Totschlags angeklagt – er hatte drei Promille im Blut.

Von Dirk Lotze

Solingen. In einem Prozess um eine gefährliche Verletzung mit einem 30 Zentimeter langen Messer aus ehemaligen Militärbeständen muss sich ein 56 Jahre alter Angeklagter aus Solingen vor dem Landgericht Wuppertal verantworten. Der Vorwurf gegen den schwer alkoholkranken Mann lautet auf versuchten Totschlag.

Das Opfer bezeichnet er als seinen besten Freund seit 30 Jahren. Hintergrund des Geschehens in der Wohnung des Angeklagten in Mitte soll ein exzessives Trinkgelage gewesen sein. Ob es Streit gab, ist fraglich. Den Richtern erklärte der Mann zu Beginn der Verhandlung: „Es tut mir leid, dass ich ihn verletzt habe.“

Der 56-jährige Handwerker sitzt seit der mutmaßlichen Tat im September in Untersuchungshaft. Laut Staatsanwaltschaft stach er mit seiner Waffe unvermittelt auf den Kopf seines Opfers ein. Er habe den angegriffenen Mann am Ohr verletzt. Der habe sich geistesgegenwärtig weggedreht und damit Schlimmeres verhindert. Schließlich soll sich das Opfer tot gestellt haben. Dadurch habe der 56-Jährige von seiner Attacke abgelassen. Dieser soll einen Angehörigen angerufen haben – mit der Nachricht, er habe jemanden getötet. Das rief Polizei und Rettungsdienst auf den Plan.

Der Angeklagte ließ sich widerstandslos festnehmen. Der Verletzte wurde in einer Klinik versorgt. Eine Alkoholprobe beim Angeklagten ergab knapp drei Promille.

Der 56-Jährige gab an, er habe das Messer aus seinem Schlafzimmerschrank geholt, um es seinem Freund zu zeigen: Ein Fund vom Trödel; ein Bajonett, das als Stichwaffe am Lauf eines Gewehrs befestigt werden kann. Sein Gast und er hätten mit der Klinge „herumgefuchtelt“.

Solingen: Angeklagter hat als 20-Jähriger in der Fremdenlegion gedient

Der Anwalt des Mannes erklärte, womöglich sei der Geschädigte in irgendeiner Weise „in das Messer gefallen“. Andererseits sage sein Mandant auch, dass es „wohl so gewesen sein wird“, wie die Anklage beschreibt. Der 56-Jährige wisse den Ablauf des Abends und den Inhalt der Gespräche nicht mehr. Der Version des 56-Jährigen zufolge hatten sich die Männer „zum Trinken“ getroffen. Der Gast habe zwei Flaschen Wodka mitgebracht. Er habe sich über den Besuch gefreut. Seine Frau sei kurz zuvor gestorben. Der Angeklagte beschrieb, er habe mit Anfang 20 als deutscher Freiwilliger in der französischen Fremdenlegion gedient. Später sei er aus Abenteuerlust nach Kanada gegangen und habe sich mit Handwerkertätigkeiten durchgeschlagen. Seit dem Alter von 16 Jahren trinke er täglich Alkohol. Dem Gerichtspsychiater zufolge hat der Angeklagte bereits mehrfache Entgiftungsversuche hinter sich.

Das Gericht will Donnerstag weiter verhandeln.

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