Meli bereichert die Hip-Hop-Szene

Meli wurde in Süd-England geboren und zog nach der Trennung der Eltern mit der Mutter und ihren älteren Brüdern nach Deutschland. Pressefoto

HIP-HOP Sie verbiegt sich nicht, überzeugt mit Talent und ist ein echtes Vorbild: MC Meli rappt am Freitag in der „Kraftstation“.

Von Lisa Schmidt

In diesem Jahr konnte die Kraftstation für ihren Jam das Hip-Hop-Highlight MC Meli gewinnen. Meli hat mit bekannten Künstlern wie den Massiven Tönen, Afrob, Mr. Gentleman und Da Fource gearbeitet. Sie ist für ihr authentisches Auftreten bekannt. Als Mitglied der „Sisters“ setzt sie sich für weibliche Musikerinnen ein. Unterstützt wird sie am 26. November von Akua Naru aus Philadelphia.

„Wenn ich von einer Sache Ahnung habe, dann von Rückschlägen.“

Seit wann bist du in der Hip-Hop- Szene unterwegs? Meli: Seit 1996. Es fing alles in meinem damaligen Wohnort Stuttgart an. Damals hatte sich eine neue Gruppe aufgetan, Freundeskreis (mit Max Herre, d. Red.). Sie hatten einen Produzenten mit Studio und tüftelten an einer Live-Band, um Auftritte zu gestalten. Mein ältester Bruder Donato war ihr Gitarrist und sie spielten viel in und um Stuttgart herum. Ich schrieb damals schon Texte, und mein anderer älterer Bruder Marcy gründete mit mir die erste gemeinsame Band „Skills en Masse“. Wir spielten „Freundeskreis“ unser Demo vor, und weil sie drauf abfuhren, gaben sie uns einen Slot in ihrem Konzert, wo wir mit zwei, drei Songs mit auftreten durften. Das kam gut an, und so hat ihr Produzent uns unter seine Fittiche genommen. Wir nahmen ein neues Demo auf mit Features von Max und Afrob. Die Clique hieß zu dieser Zeit „Kolchose“ und war ein Zusammenschluss mehrerer Bands: Freundeskreis, Afrob, Massive Töne und wir, Skills en Masse. Kurz danach stieß der damals noch unbekannte „Gentleman“ dazu. Seine erste LP nahm er in Stuttgart bei Tommy Wittinger auf. So bin ich auch zu meinem ersten Feature gekommen, welches veröffentlicht wurde: „Tek time fi grow“ auf seinem Album „Trodin on“. Mein Album „Skills en Masse“ debütierte 2001. Mittlerweile ist Zeit vergangen. Ich trete in der Zwischenzeit solo auf, als „Meli(Wharton)“, obwohl ich in den letzten Jahren Teil vieler Projekte war. Unter anderem „Skills en Masse“, „Sisters Keepers“ (mittlerweile nur noch „Sisters“) und „Ischen Impossible“. Hauptsächlich schreibe ich Songs, nehme sie auf und performe live. Bist du weit herumgekommen? Meli: Ich habe viele Auftritte in Deutschland gehabt, auch in der Schweiz und in Österreich. Über das Goethe-Institut habe ich in Italien getourt, im Senegal gespielt, in Paris wurde meine damalige LP „Skills en Masse“ gemastert, und in England hatte ich an einem Projekt gearbeitet.

Warum Hip-Hop? Meli: Am Besten gefällt mir, dass es viele Möglichkeiten gibt, sich einzubringen und zu entfalten. Die Ausdruckskraft dieser Kulturform sagt mir stark zu. Hip-Hop besteht aus mehreren Elementen, das Rappen und Texten und Freestylen, das Produzieren und DJ-ing, das Tanzen wie zum Beispiel Breakdance, Beatboxen und Graffiti Art, die Mode. Das ist ein eigener Lebensstil. Rappen ist mein Ding. Rap heißt für mich: Rhythm and Poetry, Rhythmus und Poesie - das bringt es für mich auf den Punkt. Jeder kann sich einbringen, so wie er ist, und jede Musik-Richtung kann einfließen: Dancehall, Reggae, Elektro, Soul, Klassik, Rock - alles! So entstehen neue Stile, neue Trends. Jede Sprache ist „rap-bar“, es gibt keine Grenzen aufgrund von Herkunft, Hintergrund, Sprache, Geschlecht, Glaube, Alter - deswegen gefällt mir Hip-Hop so sehr.

Was waren deine Highlights? Meli: Mit Shurikin von „IAM“ Aufnahmen, seine Features und Produktionen bei mir auf dem Debüt „Skills en Masse“, eine Single mit Afrob („Einfach“), Touren mit Freundeskreis, Massive Töne und Söhne Mannheims, Auftritte beim Hip-Hop-Open, Splash und Flash Festival, Features mit Jan Delay, Max Herre, Cassandra Steen, Azad. Wir waren mal Vorgruppe von Eminem, Lil Kim und und und. Gab es Rückschläge? Meli: Und wie! So viele Rückschläge, dass ich mich manchmal wundere, dass ich immer noch weitermache. Ich wurde schon gesignt und gedroppt, gepusht und ausgebremst, abgezogen und finanziert. Ich war in den Charts, auf Tour und dann wieder am jobben. Meine Bands haben sich nach Videodrehs aufgelöst, und ich wurde schon oft abgewiesen von Plattenfirmen, habe Produzenten kennen gelernt und verloren. Einer meiner Freunde starb. Jemand, der meine Platte rausbrachte auch. Das sind Verluste, die man kaum begreift. Wenn ich von einer Sache Ahnung habe, dann von Rückschlägen. Woran arbeitest du derzeit? Meli: Mein aktuelles Projekt heißt „Perfect Music“ von Meli Wharton. Die Aufnahmen laufen. Zwei Videos wurden gedreht und werden nächstes Jahr mit der Platte erscheinen. Es werden Songs drauf sein, die durchzogen sind von Rap-Styles, Elektro und Dancehall/Reggae-Einflüssen, singen werde ich auch.

„Oft haben viele ein vorgefertigtes Bild im Kopf: Rapperinnen seien entweder Mannweiber, Feministinnen oder heiße Accessoires, deren Talent aus Aussehen und Outfits besteht.“

Wie reagieren männliche Hip-Hopper? Meli: Das kommt drauf an. Wenn ihnen die Musik und Präsenz der weiblichen Talente zusagt, reagieren sie sehr unterstützend, wie bei männlichen Kollegen auch. Und umgekehrt natürlich. Oft haben viele aber ein vorgefertigtes Bild im Kopf: Rapperinnen seien entweder Mannweiber, Feministinnen oder heiße Accessoires, deren Talent alleine aus Aussehen und Outfits besteht. Das ist natürlich ätzend - und ja, es gibt natürlich Kandidatinnen, die dem alle Ehre erweisen. Ich denke jedoch, dass nur wenige Frauen sich überhaupt im Hip-Hop einen Namen machen können, da man viel Glück haben muss. Die Firmen reproduzieren höchstens mal was, das bereits funktioniert, nichts Innovatives. So ist meine Erfahrung, nachdem mein Erfolg begrenzt blieb. Das soll sich ändern. Ich hoffe, viele weibliche Fans mit meiner Musik ansprechen zu können und auch darüber männliche Fans mit in mein Boot zu holen. Meistens setzen nämlich Frauen einen Trend. Gibt es viele Konkurrentinnen? Meli: Es gibt nicht sehr viele Konkurrentinnen, von denen ich wüsste. Aber ich weiß, dass es viel Potenzial gibt, und da ist eine Veranstaltung wie „Pink Kitchen“ von der Kraftstation Remscheid hilfreich und fördernd. Ich freue mich schon darauf. Was sind deine Wünsche für die weibliche Hip-Hop-Szene? Meli: Dass mehr kommt und mehr gefördert wird, dass mehr Geld investiert wird, mehr live gebucht wird und es endlich wieder Kampagnen gibt, bei denen talentierte Musikerinnen eine Priorität darstellen. Das würde der Musik gut tun. Und vor allem, dass meine neuen Songs gut ankommen, besonders bei den weiblichen Fans und aktiven Künstlerinnen.

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