Mein Leben als Papa

Warum Freundebücher zwar lästig, aber eigentlich auch ganz schön sind

Freundebücher schaffen schöne Erinnerungen - auch wenn die Kinder selbst noch gar nicht lesen und eintragen können, was drin steht.
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Freundebücher schaffen schöne Erinnerungen - auch wenn die Kinder selbst noch gar nicht lesen und eintragen können, was drin steht.

ST-Redakteur Gunnar Freudenberg erzählt vom Alltag mit seinen Söhnen Hannes (6) und Michel (3).

Freundebücher im Kindergarten sind so etwas wie Visitenkarten in der Geschäftswelt. Ohne Socialising und Networking, wie man neudeutsch sagt, läuft schon bei den Kleinsten heutzutage nichts mehr. Freundebücher im Kindergarten sind eigentlich nur „eine Bestrafung für die Eltern“, sagte meine Frau einst, als der gerade einmal drei Jahre alte Hannes zum ersten Mal ein solches Buch mit nach Hause brachte. Und meinte damit, dass es irgendwie widersinnig ist, Texte über die noch gar nicht gefestigten Vorlieben der eigenen Kinder, die noch gar nicht schreiben können, zu verfassen. Und das für Kinder, die noch gar nicht lesen können.

Erst jetzt, als Vorschulkind, interessiert sich auch Hannes für sein Buch. Nachdem Manuels Mutter es neulich nach langen Wochen mit den Worten „Sorry, ich bin drin verkommen“ bei uns an der Haustür abgegeben hatte, durfte ich es immer wieder mit ihm durchblättern, was durchaus hohen Unterhaltungswert hatte.

Dass Mona zum Beispiel später einmal Polizistin werden möchte, nimmt Hannes ihr nicht ab. „Das hat sie bestimmt nur mir zuliebe geschrieben, weil ich ja SEK-Taucher werden will“, vermutet er – und ist überrascht, als ihm sage, dass sein Berufswunsch laut Buch „Werder-Spieler“ ist. „Bei Werder spiel ich dann als Hobby“, hat er schon eine Lösung.

Manuel ist sich über seinen Karriereweg auch noch nicht ganz sicher. „Räuber oder Ingenieur“ will er später mal werden, sein jüngerer Bruder „eine kleine Ameise“. Während Timo am liebsten „die Lieder aus dem Kindergarten“ hört, steht Sam schon auf „alles von Mark Forster“. Charlotte mag am liebsten „Musik aus Mamas Auto“. Jedes Kind hat auch ein schönes Bild für Hannes gemalt. Bei Leon bin ich mir allerdings ziemlich sicher, dass sein Papa das BVB-Logo ins Buch gekritzelt hat.

Julian wünscht Hannes „viel Glück und dass wir lange befreundet sind“. Till wünscht Hannes „Pfeil und Bogen“. Hannes selbst wollte seinen materiellen Wunsch („Spiderman-Uhr“) unbedingt noch um den immateriellen Wunsch „Gesundheit“ ergänzen.

Michel hat noch kein eigenes Freundebuch. Umso stolzer war er, dass auch er sich in Hannes’ Freundebuch eintragen durfte (also eigentlich musste die Mama das übernehmen, aber das hatten wir ja schon). Unter „Das mag ich gar nicht“ las ich abends Michels Antwort: „Bayern München“. Und unter Lieblingsmusik: „Die Toten Hosen“. Einen Einfluss meinerseits wies ich auf die Frage meiner Frau – Woher er das nur hat . . .? – vehement zurück. Als ich dann allerdings mein 30 Jahre altes Freundebuch herauskramte, das damals erst zu Grundschulzeiten rumgereicht wurde, konnte ich es nicht mehr abstreiten. Ich mochte die Toten Hosen – und Bayern nicht. . .

Es machte aber mindestens genauso viel Spaß, in meinem alten Freundebuch zu lesen. Mike ist tatsächlich „Fernfahrer“ geworden, Patrick aber nur fast ein „Fußballstar“. Und mein bester Kumpel ist wirklich für mich da, wenn ich ihn brauche.

Eigentlich ganz cool, dass Freundebücher noch nicht von irgendeiner App abgelöst wurden. Ich hoffe, Hannes bewahrt sein Buch noch lange auf. Und Michel bekommt sicher auch bald ein eigenes.

„Mein Leben als Papa“ gibt es als Buch für 12,90 Euro in der ST-Geschäftsstelle, im Buchhandel und im Internet: bergisch-bestes.de

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