Mein Leben als Papa

Nach drei Tagen fühlt sich Michel schon ein bisschen wie ein Chef

Mama und Hannes haben Michel zum Kindergartenstart eine Kindergartentüte gebastelt.
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Mama und Hannes haben Michel zum Kindergartenstart eine Kindergartentüte gebastelt.

ST-Redakteur Gunnar Freudenberg erzählt vom Alltag mit seinen Söhnen Hannes (5) und Michel (2)

Geschafft! Die erste Woche als Kindergartenkind ist um. Und Michel hat sie wirklich toll gemeistert. „Wie war’s heute?“, will ich von ihm wissen, als ich ihn am Freitagmittag abhole. „Cool“, antwortet er, als sei ein Vormittag im Kindergarten für ihn längst Routine.

Ist er natürlich nicht. Michels Start verläuft am Montag durchaus holprig. Da kann er in den Wochen zuvor noch so oft behauptet haben, sich auf die Zeit im Kindergarten zu freuen – als der Tag gekommen ist, findet er plötzlich alles doof, was damit zu tun hat. Seinen tollen, neuen Rucksack mit der Feuerwehr und seinem Namen drauf. Seine Hausschuhe und die Butterbrotdose, auf denen die Hunde der Paw Patrol ihn anlächeln. Und sogar die Kindergartentüte, die Hannes und Mama ihm gebastelt haben. Hannes hat ihm darauf nicht nur eine Feuerwehr, sondern extra auch noch ein Herzchen gemalt. „Das ist nicht besonders cool, aber das ist wegen meiner Liebe“, lautete seine herzergreifende Erklärung.

Michel muss dagegen nicht viel erklären, als wir den Kindergarten erreicht haben. Er ist nicht mehr so begeistert wie an den vielen Nachmittagen der Eingewöhnung. Da war das Wetter aber auch immer gut und er konnte im Garten schaukeln, rutschen und im Sand matschen. Und heute soll er sich die Hausschuhe anziehen und drinnen spielen? Ohne Mama und Papa? Auch das Zureden seines großen Bruders, der aus der anderen Gruppe zur Hilfe gerufen wird, ändert nichts an seiner Gemütslage. Vorzeitiger Abbruch an Tag eins. Macht nichts. Zu Hause ist Michels Laune sofort wieder gut. Eigentlich mag er den Kindergarten ja auch. Er kennt ihn ja schon sein ganzes Leben. Beim Bringen und Abholen von Hannes war Michel immer dabei. Und scherzte mit Hannes’ Freunden oder den Erzieherinnen. Nur das Getrenntsein von Mama und Papa kennt Michel nicht so gut. Spielgruppen oder Kinderturnen – all das gab es dank Corona in den letzten anderthalb Jahren nicht.

Gunnar Freudenberg

Aber Michel gewöhnt sich schnell an sein neues Leben als Kindergartenkind. Am Dienstag schaut er sich alles mal genauer an. „Er hat sich an die Gruppentür gestellt, geschwiegen und alles beobachtet“, erzählt uns seine Gruppenleiterin später. Uns erzählt er am Mittagstisch davon nicht viel.

Der Mittwoch ist für das Kindergartenkind Michel eine Art Durchbruch. „Ich will dich rauswerfen“, sagt er der Mama zum Abschied. Und tut das auch. Das Wetter ist heute schöner, es geht nach draußen. Dort mischen sich die Gruppen und er kann endlich richtig mit Hannes und dessen bestem Freund Julian auf dem Spielplatz toben. „Wir waren die Chefs“, berichtet uns Michel später stolz. So schnell kann’s gehen. . .

Am Donnerstag winkt mir Michel fröhlich aus dem Auto zu, als es in den Kindergarten geht. Sieht fast aus wie Vorfreude. Wieder geht es nach draußen. „Er hat heute sogar ganz viel mit anderen Kindern gespielt“, freut sich Hannes, dass sein kleiner Bruder im Kindergarten angekommen scheint.

Am Freitagmorgen will Michel zwar eigentlich lieber zu Hause bleiben, bleibt dann aber schließlich doch ohne großes Murren im Kindergarten. Und er erzählt mir beim Abholen schon an seinem Garderobenhaken mit den Bauklötzen mehr von seinem coolen Tag. Dass er gepuzzelt hat. Und dass sie in seiner Große-Löffel-Gruppe Lieder gesungen haben. „Oh, sing mir doch mal was vor!“, bitte ich ihn. „Ich kann den Text noch nicht“, sagt er trocken. Wird er lernen. Da bin ich mir sicher.

Das Aquarium sorgt bei Hannes und Michel noch immer für Tränen und Streit, aber auch für Spaß.

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