Mein Blick auf die Woche

Umbau der Innenstadt: Neues Projekt, alte Gefahren

björn boch
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bjoern.boch@solinger-tageblatt.de

Die Stadt-Sparkasse zieht innerhalb der Innenstadt um. Die heutige Hauptstelle wird dann nicht mehr gebraucht, weshalb Ideen für eine Nachnutzung gesucht werden. Was dort wichtig ist, welche Gefahren lauern und welches Projekt ein mahnendes Beispiel ist, berichtet ST-Lokalchef Björn Boch in seinem Blick auf die Woche.

Von Björn Boch

Große Projekte in der Innenstadt werfen weiter ihre Schatten voraus. In dieser Woche haben Rathaus und Stadt-Sparkasse erste Ideen für eine Nachnutzung des Geländes an der Kölner Straße vorgestellt. Bis 2024 soll der Umzug des Kreditinstitutes an den Neumarkt abgeschlossen werden, 2026 könnte das alte Gebäude abgerissen und das Areal bereit für neue Ideen sein. Ein flexibles Konzept soll bei der Investorensuche helfen und einen Nutzungsmix aus Geschäften, Gastronomie und Wohnungen ermöglichen, der zu einer Belebung als „urbanes Quartier“ führt.

Die letzte Beschreibung stammt allerdings nicht aus der aktuellen Berichterstattung, sondern aus Tageblatt-Artikeln über das Omega-Quartier.

Nun sind die beiden Projekte gewiss nicht 1:1 vergleichbar. Nicht nur, weil es damals ein „urbanes Quartier“ war und heute ein „lebendiges Stadtquartier“ werden soll; oder weil es heute erst eine städtebauliche Studie ist, wo 2016 sogar der Sieger eines Architektenwettbewerbs bereits feststand. Unterschiede finden sich vor allem in der Größe der Vorhaben – und in den damals komplexen Erfordernissen aus verschiedenen Eigentumsverhältnissen. Und dennoch zeigt das Omega-Gelände die Gefahren, die auch jetzt bei der Stadt-Sparkasse lauern. 2016 ging man bei Omega von einer Bauzeit von vier bis sechs Jahren aus, selbst bei pessimistischer Rechnung würden wir also jetzt Eröffnung feiern. Getan hat sich lange gar nichts. Bis 2020 Kondor Wessels – verantwortlich auch für das O-Quartier in Ohligs und „Greeen“ in Wald – Omega- und Kieserling-Gelände gemeinsam kaufte und nun Ende des Jahres konkrete Planungen vorstellen will.

Gescheitert war Omega lange an einem fehlenden Investor – erklärt wurde das mangelnde Interesse unter anderem mit zu hohem Kaufpreis und massiven Baukostensteigerungen. Und falls Sie jetzt ein Déjà-vu haben, dann ist daran höchstens falsch, dass die heutigen Kostensteigerungen noch einmal wesentlich höher ausfallen als vor einigen Jahren. Dazu kommen Material- und Fachkräftemangel.

Vor diesem Hintergrund mag folgende Forderung unrealistisch erscheinen: Baut nicht irgendwas! Richtig ist die Forderung dennoch. Denn für die Pläne, einen neuen Zugang zur Innenstadt von Süden her zu schaffen, könnte das bald ehemalige Sparkassengelände noch entscheidender werden als Omega/Kieserling. Es braucht nicht nur ein gutes Mobilitätskonzept, das leider wohl noch bis kommendes Jahr auf sich warten lässt. Es braucht auch gute Konzepte für das, was das neue Mobilitätskonzept ja erst so notwendig macht.

Alle Beteiligten sollten sich daher nicht nur bemühen, aus der alten Bausubstanz noch etwas rauszuholen, wie es zum Beispiel das Klinikum beim Abriss von Haus G plant. Wir sollten auch darauf bestehen, dass nicht der nächste Betonbunker entsteht, den wir in 50 Jahren wieder abreißen müssen. Es darf auch gerne mal schön sein – und es muss nachhaltig werden. Denn die Debatte darum, was wir uns im Hinblick auf Ressourcen noch leisten und was wir unserer Umwelt noch zumuten können, wird in den kommenden Jahren weiter an Fahrt aufnehmen. Die Stadt verweist gerne auf ihre Vorreiterrolle bei dem Thema. In vielen Bereichen sicher zu Recht. Ein nachhaltiges, visionäres Konzept für ein Grundstück, das der Sparkasse und damit quasi der Stadt gehört, könnte diesen Anspruch untermauern. Und falls noch Ideen fehlen: In Wuppertal ist gerade „Solar Decathlon“ – so was wie eine Weltmeisterschaft im nachhaltigen Bauen.

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