Mein Blick auf die Woche in Solingen

Klinikum: Die Herausforderungen sind gewaltig

björn boch
+
bjoern.boch@solinger-tageblatt.de

Das Städtische Klinikum Solingen arbeitet jetzt mit Robotern. Es muss in moderne Technik investieren, ohne dabei den Auftrag als Grundversorger zu vergessen. Daran sind schon andere Häuser in einem hochkomplizierten Gesundheitswesen gescheitert, auch in Solingen. Welche weiteren Schwierigkeiten auf das Klinikum zukommen könnten, berichtet ST-Lokalchef Björn Boch in seinem Blick auf die Woche.  

Solingen. Im Städtischen Klinikum operieren sie jetzt also mit Robotern. Während die Maschinen in anderen Bereichen, etwa in der Industrie, gerne eingesetzt werden, um Abläufe zu vereinfachen, gleichbleibende Qualität zu erzielen und Personalkosten zu sparen, gilt im Klinikum weiterhin: Es operiert immer ein Mensch. Der Roboter hilft, ermöglicht mehr Präzision und kann sogar Fehler ausgleichen. Die zentrale Botschaft Anfang dieser Woche war deshalb: Niemand muss Angst haben vor der Technik. Wichtig, auch am OP-Tisch, bleiben Arzt und Ärztin.

Noch, möchte man hinzufügen. Es gibt – die Digitalisierung aller Lebensbereiche einmal ausgenommen – kaum ein Feld, in dem sich in den vergangenen Jahrzehnten so viel getan hat wie in der Medizin. Noch 1949 gab es den Nobelpreis für das Verfahren der Lobotomie: eine OP am Gehirn, auf die wir heute mit Entsetzen zurückblicken. Wer damals geboren wurde, ist heute gerade einmal 73 Jahre alt – „gerade einmal“ eben wegen des großen medizinischen Fortschritts. Wie eklatant muss der Unterschied sein zwischen einem Besuch im Klinikum vor rund 50 Jahren und heute? Und wie antiquiert wird der moderne Roboter von heute wohl in 50 Jahren wirken?

Der neue OP-Roboter ist in anderen Häusern schon längere Zeit Sinnbild für moderne Medizin. Genau wie Ärztinnen und Ärzte sich ein Leben lang weiterbilden müssen, ist das Städtische Klinikum gezwungen, in neue Technik zu investieren, um auf dem aktuellen Stand zu sein und Patienten zu halten. Und es ist ebenso gezwungen, die Investition von rund 2 Millionen Euro wieder zu erwirtschaften: eine allerdings vergleichsweise geringe Summe im Vergleich zu den 120 Millionen Euro, die das SKS bis 2025 investieren will.

Der Roboter ist ein erstes sichtbares Zeichen dieses Masterplans, der das Klinikum für die nächsten Jahre – oder besser Jahrzehnte – fit machen soll. Während die neue Technik gerne und öffentlichkeitswirksam präsentiert wurde, drang zum Rest des Plans in jüngster Zeit wenig nach außen. Das Tageblatt wurde mit der Bitte um einen Interviewtermin immer wieder vertröstet. Das muss noch nichts Schlechtes heißen – die Herausforderungen sind allerdings gewaltig.

Denn weiterhin ist nicht abzusehen, wie sich der Landeskrankenhausplan auf das Klinikum auswirken wird. Dass Spezialisierung nur richtig sein kann, bestätigen Experten. Doch das Klinikum darf eben nicht nur auf rentable Hightech-Operationen setzen, sondern muss den Spagat schaffen zwischen Spitzenmedizin, die genug erwirtschaftet, um Kosten und Investitionen zu decken, und dem Anspruch als Maximalversorger, der alle Leistungen anbietet, auch die unrentablen. Vor allem daraus erwächst die Existenzberechtigung des kommunalen Klinikums in einem komplizierten, hoch regulierten Gesundheitsmarkt, in dem sich Städte, Kirchen und Aktiengesellschaften tummeln und Finanzinvestoren immer mehr Arztpraxen aufkaufen. Und das sind nur die speziellen Probleme des Gesundheitswesens. Materialknappheit und Baukosten-Steigerung werden sich auch auf den Klinikum-Neubau auswirken.

Wie es laufen kann, wenn es nicht im Sinne Solingens läuft, ist wenige Kilometer weiter in Ohligs zu sehen. St. Lukas wird bis 2026 sein Haus schließen, unter anderem, weil eine Sanierung nicht mehr wirtschaftlich ist. Und während die Abteilungen nach Hilden wechseln, führt Kplus Gespräche über eine Fusion mit einer deutlich größeren Gruppe. Immerhin: Nicht wenige vermuten, dass das Klinikum profitieren könnte.

Weitere Themen:

Nach dem Messerangriff in einer Gaststätte in Ohligs hat die Staatsanwaltschaft die Fotos von zwei dringend Tatverdächtigen veröffentlicht.

Ansturm auf das 9-Euro-Ticket in Solingen: Stadtwerke haben allein bis Mittwoch mehr als 8500 Tickets verkauft. https://www.solinger-tageblatt.de/solingen/grosse-nachfrage-nach-euro-ticket-in-solingen-91566841.html

Die Stadt will das Radwegenetz ausbauen. In der von Experten bevorzugten Variante würden allerdings rund 200 Parkplätze wegfallen.

Künstliche Intelligenz: Wie Dr. Andreas Groß und die Heinz Berger Maschinenfabrik mit Sensoren und KI ein Hochwasserwarnsystem bauen, berichtet der Geschäftsführer in unserem Podcast.

Können wir bald auch digital unsere Stimmen abgeben? Die Debatte um die Ursachen für die niedrige Wahlbeteiligung bei der Landtagswahl geht weiter.

Beim Solinger Bürgerpreis können Sie schon digital abstimmen. Jetzt geht es in die entscheidende Phase. Alle Kandidatenporträts und die Stimmabgabe gibt es hier.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Merscheid verabschiedet sich von Kita
Merscheid verabschiedet sich von Kita
Merscheid verabschiedet sich von Kita
Corona: So geht es mit den Zugangsregeln im Rathaus weiter
Corona: So geht es mit den Zugangsregeln im Rathaus weiter
Corona: So geht es mit den Zugangsregeln im Rathaus weiter
Auto touchiert Bus - Fahrer verletzt
Auto touchiert Bus - Fahrer verletzt
Auto touchiert Bus - Fahrer verletzt
Corona: Ein weiterer Todesfall - Inzidenz in Solingen über 1000
Corona: Ein weiterer Todesfall - Inzidenz in Solingen über 1000
Corona: Ein weiterer Todesfall - Inzidenz in Solingen über 1000

Kommentare