Mein Blick auf die Woche in Solingen

Arena am Weyersberg: Darf’s ein bisschen mehr sein? 

stefan.kob@solinger-tageblatt.de
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Groß, größer, am Größten. Die Pläne der CDU für die Arena Bergisch Land erwecken fantastische Träume zum Leben. Wie realistisch das Ganze ist, muss sich erweisen. Aus der dadurch erzwungenen Diskussion und einzelnen Ideen könnte tatsächlich ein richtiger Plan für die Arena werden, meint Chefredakteur Stefan M. Kob im Wochenkommentar.

Solingen. Da haben die Strategen aus der CDU-Zentrale aber mal ganze Arbeit geleistet. Ein leichtes wäre es gewesen, die strahlende Sonne einer Eventarena am Weyersberg und damit Tim Kurzbach mit einem schlichten “Nein” untergehen zu lassen. Denn dem SPD-Oberbürgermeister fehlt im Rat eine eigene Mehrheit, weil die Grünen ob seines forschen Vorgehens in Sachen Arena vergrätzt sind. Ein simples “Ja” im Sinne einer großen Solingen-Koalition kam bei einem solchen Mega-Thema selbstredend aber auch nicht in Betracht. Schon gar nicht vier Monate vor der Landtagswahl.  So ist die Stimmung in NRW vor der Landtagswahl

Doch die Christdemokraten widerstanden der naheliegenden Versuchung einer Opposition, den politischen Widersacher durch schlichte Blockade alt aussehen zu lassen. Zu Recht hätte ihnen das den Vorwurf eingebracht, in die typische Solinger Attitüde zu verfallen, aufgrund fehlenden Selbstbewusstseins, kleingeistigen Denkens und parteipolitischer Taktik wieder einmal eine historische Chance zu vermasseln. Stattdessen brachten sich die Christdemokraten unter der Führung ihres jungen Fraktionsvorsitzenden Daniel Flemm mit einem Paukenschlag aus dieser Klemme: Sie setzen auf den ohnehin schon kühnen Kurzbach-Plan noch einen drauf: Nicht nur eine Arena soll es sein, nein, ein ganzes Stadtquartier mit diversen Sportstätten, Parkhaus und Bahnhalten.

Wie realistisch das Ganze ist und wie ernst gemeint, das muss nun die Diskussion erweisen. Sicher: Keiner kann mit Blick auf den Weyersberg behaupten, dass dieser Raum seiner Zentrumsnähe entsprechend entwickelt wäre: eine riesige Schotterfläche für Autos, Kirmes und Zirkus, Plätze für Leibes- und Verkehrsübungen. Und ja, auch eine grüne Lunge, wie sie die Fridays for Future erhalten wissen wollen. Zunächst einmal klingt es wie ein fantastischer Traum, dort eine 8000-Zuschauer-Arena zu bauen und gleichzeitig die Klingenhalle zu sanieren und für den Breitensport zu erhalten. Ach ja, und auch eine Eissporthalle auferstehen zu lassen. Wie das alles aufgehen soll, dazu hat die CDU ihre eigene Hypothese. Es gilt das ungeschriebene Gesetz des einstigen SPD-Urgesteins Peter Struck: Kein Entwurf kommt aus dem Parlament so heraus, wie er hineingegangen ist. Im Idealfall kann eine konstruktive Diskussion, wie sie jetzt die CDU erzwingt, die verschiedenen losen Fäden aufnehmen und daraus ein tragfähiges Gewebe stricken. Zu wünschen wäre es. 

Die Weyersberg-Pläne müssen Eingang finden in das Innenstadt-Verkehrskonzept, das derzeit entwickelt wird und auf das alle mit großer Spannung in diesem Jahr warten. Dieses Konzept muss den Weyersberg berücksichtigen, egal, ob die kleine, große oder ganz große Lösung kommen sollte. Damit könnte die CDU ihren Fehler von vor über zehn Jahren ausbügeln, als auch sie die Notwendigkeit verneinte, dass mit der Eröffnung eines neuen Einkaufszentrums auf dem Karstadt-Areal unbedingt der Verkehrsknoten am Dickenbusch mit einem Kreisverkehr ertüchtigt werden muss, um den südlichen Verkehr zum Hofgarten nicht als Irrgarten zu gestalten. In jedem Fall bleibt das Thema damit so spannend wie ein umkämpftes Handballmatch in der letzten Minute. 

Ein ebenfalls unfertiger zentraler Platz, allerdings in völlig anderer Dimension, steht schon kurz vor der Fertigstellung: Der Mühlenplatz soll passend zum Frühlingsanfang mit Sitzbänken, Springbrunnen und Blumenrabatten wieder zum Verweilen einladen. Was dann hoffentlich als Startsignal für die ganze City gilt, die sich als hässliche Raupe zum schönen Schmetterling verwandeln soll. In allererster Linie gilt das aber erst einmal für die Clemens-Galerien selbst, die trotz Kino, Alex und einiger Läden immer noch ein Abklatsch ihres einstigen Erscheinungsbildes sind. Denn nur für einen Kaffee auf der Terrasse oder ein Eis am Wasserspiel wäre der Aufwand kaum zu rechtfertigen. Den Eigentümern der Immobilie muss es endlich gelingen, ein stimmiges Konzept für die vielen Leerstände zu finden. Das müssen ja gar nicht unbedingt Geschäfte sein. Denn wie das Konzept “City 2030” insgesamt, soll ein Mix aus Wohnen, Genießen, Erleben entstehen, in dem das Shoppen nur eine Komponente ist. 

Ökobilanz der gedruckten Zeitung überzeugt - und die Leser sind besonders gut informiert

 Wäre das nicht eine tolle Innovation? Ein ultraflaches 34-Zoll-4c-Display, faltbar, wenige Gramm schwer, auf dem die wichtigsten Informationen der letzten 24 Stunden schon sorgfältig kuratiert und automatisch heruntergeladen sind. Die Akkuleistung ist kein Thema, weil es vollkommen ohne Strom auskommt. Für kleines Geld ist es überall verfügbar und ist am Ende seiner Laufzeit praktisch zu 100 Prozent recyclebar. Gibt es schon. Nennt sich Zeitung. Aber das Papier! Für die Gewinnung werden erhebliche Ressourcen verbraucht: Wasser, Energie, Holz. In unserer ST-Nachhaltigkeitsserie hat meine Kollegin Katharina Birkenbeul einmal die Ökobilanz der gedruckten Tageszeitung verglichen mit der papierlosen Informationsbeschaffung via Internet. Was viele nicht ahnen: Wer 20 Mal googelt, verbraucht in etwa so viel Energie wie eine Energiesparlampe in einer Stunde. Zehn Minuten Surfen im Internet pro Tag produziert 35 Kilogramm Kohlendioxid pro Jahr. Bei der Produktion eines Exemplars des Solinger Tageblatts entstehen 30 Kilogramm CO2 im Jahr, egal, ob sie zehn Minuten, eine halbe Stunde oder noch länger gelesen wird - was fast immer der Fall ist, weil eine Zeitung im Durchschnitt von 2,7 Personen gelesen wird. 

Kommen nun alle, die beispielsweise diesen Text als E-Paper oder online lesen, in die Öko-Hölle? Da darf man beruhigt sein. Denn der Leser einer Tageszeitung - egal ob gedruckt oder digital - gilt als besonders gut informiert. Zu den Inhalten gehören eben auch solche Zeitungsserien zum umweltbewussten Verhalten. Informierte Menschen verhalten sich nun einmal bewusster und achtsamer. Wenn das kein Beitrag zur Rettung unseres Planeten ist! 

Die weiteren Themen dieser Woche: 

Auch über ein halbes Jahr nach der Flutkatastrophe kämpfen Betroffene mit den Folgen des Hochwassers. 

Von der Autoverkäuferin zur Retourenjägerin: Solinger TV-Star Panagiota Petridou versteigert Internet-Rücksendungen.  

Kampf um Arbeitsplätze: Wie geht es weiter beim Räderhersteller Borbet in Ohligs?  

Neue Regelungen, Inzidenzchaos, Quarantänewirrwarr: Insbesondere Familien mit Schulkindern sind im Ausnahmezustand  

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