Nachhaltigkeit

Mehrweg-System schwappt nach Solingen über

Seit Dezember führt Dominic Gerberding den Genuss-Truck in Landwehr. Mit dem Mehrweggeschirr von Vytal können Speisen mitgenommen werden. Foto: Tim Oelbermann
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Seit Dezember führt Dominic Gerberding den Genuss-Truck in Landwehr. Mit dem Mehrweggeschirr von Vytal können Speisen mitgenommen werden.

Essen mitnehmen, ohne Müll zu produzieren: Der Genuss-Truck Gerberding macht bei Vytal mit.

Von Timo Lemmer

Solingen. Für Koch Dominic Gerberding gehört es zur Berufsehre, dass er auf hochwertige und nachhaltige Lebensmittel setzt. „Wir wissen genau, wo unser Fleisch, unsere Milch oder das Öl herkommen, und dass dort Menschen hinter stehen und wer genau“, sagt er. Es sei aber auch von Beginn an Ziel gewesen, dass die Nachhaltigkeit nicht beim Essen selbst aufhören soll.

Der Trend zum bewussten Genuss sollte auch vor der Verpackung nicht haltmachen. Gemeinsam mit seiner Freundin Janine Heinrichs betreibt Gerberding seit fast einem Jahr den Jordan’s Genuss-Truck by Gerberding in Landwehr. Und genauso lange waren sie auf der Suche nach einer optimalen Lösung für das Take-away-Geschäft, das Gourmetküche und Imbisswagen kombiniert. „Wir wollen insgesamt nachhaltig arbeiten“, sagt Gerberding, „und nun haben wir das perfekte System gefunden.“

„Es gibt keine Berührungsängste, egal in welchem Alter die Kunden sind.“
Dominic Gerberding, Genuss-Truck

Beim Genuss-Truck wird inzwischen das Mehrwegsystem Vytal verwendet. „Das funktioniert sehr gut und kommt mega an“, sagt Gerberding. Der Kölner Betrieb setzt auf Mehrwegschalen, die dann wiederum beim Gastronomen oder allen anderen Restaurants, die mitmachen, zurückgegeben werden können. Die Betreiber des Genuss-Trucks haben einige Vorteile ausgemacht: „Das System baut auf eine App, die kostenfrei ist, um die Bowls nachzuverfolgen.“ Aber auch ohne Handy geht es mit dem einmaligen Kauf einer Karte.

„Was wirklich gut ist“, müssen die Schalen anspruchsvollen Vorstellungen standhalten, „ist, dass die Bowls sehr wertig sind, sie lassen sich super stapeln, selbst bei Eintöpfen bleibt alles heiß und nichts schwappt über.“ Dabei ließe sich jede Art von Gericht ideal portionieren – auch Kuchen to go wird so verkauft. Für Gerberding, der zudem vakuumierte Portionen für die Aufbewahrung im eigenen Kühlschrank vertreibt, gerade in Corona-Zeiten ideal.

Das zweite große Zelt für das Essen vor Ort war gerade mal eine Woche geöffnet, da kam das Bewirtungsverbot: „Die Plätze hier direkt am Truck waren schon sehr gut genutzt. Aber wir haben auch viel Essensmitnahme und daher weiter beständig gut zu tun.“

Solingen: Essen mitzunehmen lag schon vor der Pandemie im Trend

Essen mitzunehmen, das sei schon vor der ersten Corona-Hochphase im Frühjahr ein Trend gewesen. Das erklärt Julia Hülder von Vytal: „Damit waren wir also auch vor Corona am Puls der Zeit.“ Vor allem, da verstärkt ins gesellschaftliche Bewusstsein gerückt sei, dass der dadurch immer mehr entstehende Verpackungsmüll zum Problem wird. „Durch die Krise sind wir dann im Frühjahr sehr stark gewachsen. Eigentlich über das letzte halbe Jahr stetig exponentiell.“

Hülder freut sich immens, dass ein erster Betrieb in Solingen an Bord ist: Sie ist halbe Solingerin. Und hofft auf ein bald größeres Netz in der Klingenstadt: „Dominic und Janine sind unsere Pioniere in Solingen. Aber wir haben inzwischen schon fünf weitere Anfragen von Gastronomen in Solingen, die mitmachen möchten.“

Für den Mehrweg-Zyklus, der dem Start-up vorschwebt, seien fünf Teilnehmer pro Stadt der ideale Schwellenwert: „Natürlich gilt: Je mehr, desto besser. Aber es genügt für den Start eine Hand voll.“ Es sei dann eben möglich, das Geschirr an verschiedenen Orten abzugeben – was den Gastronomen selbst dann wiederum bei der Neukunden-Gewinnung helfen könne. Von daher wünscht sich auch Gerberding, dass das System wächst: „Die Kunden müssen die Schale nur einmal mit Wasser ausspülen, das Reinigen übernimmt dann der Gastronom. Je mehr mitmachen, desto einfach ist es natürlich für die Kunden.“

Einer der Solinger Betriebe, der Vytal aktuell prüft, ist der Käse-, Wein- und Feinkostladen „Ausgereift“ in Ohligs. Christina Schmackey sagt: „Wir haben den Plastikmüll bei uns nahezu verbannt. Wir suchen aber noch eine Lösung für den Frischkäse, den wir selber machen.“ Momentan testet das Duo Christina und Sandra Schmackey, wie sich ihr Käse ohne Käsepapier in den Dosen verhält. Und: Sie wünschen sich zusätzlich kleine Bowls.

Eine der möglichen Sorgen nimmt derweil das Team vom Genuss-Truck, das von dienstags bis samstags zwischen 11.30 Uhr und 15 Uhr direkt neben dem Jordan-Shop öffnet: „Es gibt keine Berührungsängste, egal in welchem Alter die Kunden sind. Im Gegenteil, die Leute finden es super, weil sie der Umwelt helfen wollen und so können.“

Das Unternehmen

„Essen mitnehmen ohne Müll“ – mit dieser Idee sind die Kölner Vytal-Gründer Tim Breker und Sven Witthöft gestartet. Die Vision sei, dass in fünf Jahren jeder, der Take–away-Essen kaufe, die Möglichkeit habe, Vytal zu nutzen. Man könne so binnen fünf Jahren 1,5 Milliarden Einweg-Schüsseln einsparen. In direkter Umgebung sind Wuppertal und Remscheid bislang mit fünf Betrieben vertreten: Central Ronsdorf, Road Stop, Trattoria Taormina, Hotel Kromberg und Frisch verpackt.

ST-Mitarbeiterin Daniela Neumann nimmt Cafés, Bistros, Restaurants und Gaststätten in Solingen unter die Lupe. Dabei entstanden ist eine bunte Serie über den Solinger Mittagstisch im Test.

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