Volle Container

Mehr Kleiderspenden als Bedürftige

Elzbieta Milewska von der Kleiderkammer des DRK, Kreisgeschäftsführer Dr. Thorsten Böth und Stefan Nippes, Leiter operative Dienste, finden oft Unrat, Müll oder verschimmelte Dinge in den Altkleidercontainern. Dadurch entstehen hohe Kosten. Foto: Tim Oelbermann
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Elzbieta Milewska von der Kleiderkammer des DRK, Kreisgeschäftsführer Dr. Thorsten Böth und Stefan Nippes, Leiter operative Dienste, finden oft Unrat, Müll oder verschimmelte Dinge in den Altkleidercontainern. Dadurch entstehen hohe Kosten.

Kleidung kann auch auf den Wertstoffhöfen der Stadt abgegeben werden.

Von Alexandra Dulinski

Solingen. Die Corona-Krise haben viele Menschen genutzt, um den Kleiderschrank zu Hause auszumisten. Das führte in vielen Städten zu überfüllten Altkleidercontainern und Kleiderkammern, die die Annahme von Spenden verweigerten.

Die Solinger Kleiderkammern haben diesen Trend ebenfalls zu spüren bekommen. Das bestätigt Dr. Thorsten Böth, Kreisgeschäftsführer des Deutschen Roten Kreuzes: „Die Lager sind voll bis oben hin.“ Es werde momentan mehr gespendet, als es Bedürftige gibt. Das Problem sei, dass mehr als ein Viertel der Spenden Müll ist – verschmutzte und beschädigte, manchmal sogar verschimmelte Kleidung oder sogar Haushaltsabfälle, die in den Containern entsorgt werden. Die Entsorgung dieser Stücke verursache zusätzliche Kosten, Geld, das der gemeinnützigen Arbeit der Wohlfahrtsverbände dann fehlen würde.

„Wenn die Container voll sind, kann man die Kleidung auch zu den Wertstoffhöfen der Stadt bringen.“

Philip Heldt, Verbraucherzentrale

Während in anderen Städten die Altkleidercontainer teilweise abgebaut wurden, werden die über 100 roten Exemplare in Solingen aber weiterhin etwa einmal wöchentlich geleert, berichtet Böth. Er verweist auf die Logos der Wohlfahrtsverbände, die an den Containern angebracht sind. Behälter ohne Logo seien nicht offiziell angemeldet.

Das Deutsche Rote Kreuz nehme auch weiterhin Kleiderspenden an. Zwischenzeitlich wurde überlegt, sogar weitere Räume für die Lagerung der Spenden anzumieten, der Gedanken wurde aber aus Kostengründen wieder verworfen.

Die Heilsarmee, Korps Solingen, bekommt pro Woche momentan zwischen 40 und 80 Säcke voller Kleidung gespendet. Das seien rund 500 Kilogramm bis eine Tonne Altkleider, berichtet Kapitän Oliver Walz. Normalerweise seien es etwa 30 Säcke. „Wir haben ganz bewusst nicht die Annahme verweigert, damit Menschen, die gerne spenden wollen, nicht vor verschlossener Tür stehen“, sagt er. Aber seine Erfahrung zeige, dass nicht nur die Spendenbereitschaft zugenommen hat. Während des Lockdowns sei die Nachfrage der Bedürftigen ebenfalls gestiegen. Während der Spenden-Hochphase wurde der Gemeindesaal der Heilsarmee abgeteilt, um den Wareneingang schneller abzuwickeln.

Sören Jakobs vom Solinger Kaufhaus berichtet, dass alle gespendeten Kleidungsstücke zu Beginn der Krise zunächst für drei Tage in Quarantäne gehalten wurden, bevor sie in den Verkauf gingen. „Das war eine logistische Aufgabe, die wir erstmal meistern mussten“, sagt Jakobs. Die Quarantäne wurde mittlerweile auf einen Tag reduziert.

Weil viele Menschen in diesem Jahr nicht in den Urlaub fahren, sei bislang weniger Sommerbekleidung gekauft worden. Sören Jakobs macht darauf aufmerksam, dass jetzt vor allem Herbst- und Wintergarderobe für die kommende Saison gesucht werde. Die Ware, die das Solinger Kaufhaus nicht selbst verkauft, gehe an den Textilverwerter, der Putzlappen oder Dämmstoffe für die Automobilindustrie herstellt, berichtet Jakobs.

Wer sich nicht sicher ist, ob eine Kleiderkammer noch Spenden annimmt, könne zuvor in den Kleiderkammern anzurufen und erfragen, ob eine Spende möglich ist. Dazu rät die Verbraucherzentrale NRW. „Wenn die Container voll sind, kann man die Kleidung auch zu den Wertstoffhöfen der Stadt bringen“, erklärt Philip Heldt von der Verbraucherzentrale. Dort würde gut erhaltene Kleidung über Zwischenhändler an südliche Länder verkauft werden. Rund 70 Prozent der Weltbevölkerung trage Altkleider.

Hintergrund

Spenden: Etwa eine Million Tonnen Altkleider werden jährlich in Deutschland gespendet, so die Verbraucherzentrale. Die Menge habe seit 1995 um 20 Prozent zugenommen. Dem gegenüber steht die verkaufte Zahl an Textilien. Zwischen den Jahren 2000 und 2015 habe sich diese verdoppelt.

Wertstoffhof: Im Entsorgungszentrum Bärenloch werden Altkleider kostenfrei abgenommen.

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