Wartelisten

Mehr als 600 Betreuungsplätze fehlen

Die städtische Kita Schwanenstraße muss erst noch gebaut werden. Bis es so weit ist, betreuen Erzieherin Stefanie Lenhartz und ihre Kollegen die Kinder in Vorläufergruppen am Fürker Irlen, einem ehemaligen Schulgebäude in Merscheid. Foto: Christian Beier
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Die städtische Kita Schwanenstraße muss erst noch gebaut werden. Bis es so weit ist, betreuen Erzieherin Stefanie Lenhartz und ihre Kollegen die Kinder in Vorläufergruppen am Fürker Irlen, einem ehemaligen Schulgebäude in Merscheid.

Um den Bedarf zu decken, sind fünf neue Kindertagesstätten in der Planung.

Von Anja Kriskofski

Solingen. In Solingen wurden in den vergangenen Jahren gleich mehrere Kindertagesstätten eröffnet: die integrative Kita Pinocchio 3 oder die Einrichtung der Arbeiterwohlfahrt an der Scheidter Straße. Doch das reicht nicht: Über 600 Kindergartenplätze fehlen derzeit in der Stadt, teilt die Pressestelle auf Anfrage mit. Rund 330 Kleine unter drei Jahren stehen auf der Warteliste. Bei den Älteren zwischen drei und sechs Jahren mangelt es an rund 300 Betreuungsplätzen. Der Grund: Solingen wachse, gleichzeitig würden mehr Kinder geboren. So legten die Geburten seit 2012 von durchschnittlich 1200 auf rund 1500 Neugeborene pro Jahr zu – ein Anstieg um rund ein Viertel. Fünf weitere Kitas sind deshalb in Planung.

Auch wenn noch viele Plätze fehlen: Der Ausbau der Betreuungsangebote könne sich sehen lassen, erklärt die zuständige Jugenddezernentin Dagmar Becker. In den vergangenen acht Jahren seien 1376 zusätzliche Betreuungsplätze für Kinder unter drei Jahren (U 3) und Über-Dreijährige (Ü 3) geschaffen worden. Im aktuellen Kindergartenjahr, das gerade begonnen hat, gebe es in Solingen 1600 Plätze für Kleinkinder unter drei – 500 davon in der Tagespflege. Für die Älteren (drei bis sechs Jahre) stehen 4650 Plätze zur Verfügung. „Damit stehen wir im Landesvergleich sehr gut da“, betont Dagmar Becker. Das städtische Familienbüro versuche alles, um die Kinder zu versorgen, die noch auf einen Betreuungsplatz warten.

Dass die Suche mitunter sehr schwierig ist, kann der Jugendamtselternbeirat (Jaebs) bestätigen. Das Gremium vertritt Solinger Familien mit Kindergartenkindern. Manche Eltern würden sich an den Jaebs wenden, weil sie keinen Kitaplatz finden, berichtet der Vorsitzende Christian Fuhrmann. „Wir versuchen zu helfen, wenn wir können.“ So geben die Mitglieder Tipps oder schreiben Einrichtungen auch selbst an. Er rät: Eltern sollten sich vor Ort blicken lassen. „Die Kitas lehnen in der Regel Familien ab, die auf der Suche nach einem Platz nicht vorstellig werden.“ Wegen der Corona-Einschränkungen sei das zuletzt aber schwierig gewesen.

„Eltern sollten sich in der Kita blicken lassen.“

Christian Fuhrmann vom Jugendamtselternbeirat

Fuhrmann berichtet von einer Mutter, die ihren Arbeitsplatz nicht wieder antreten könne, wenn sie keinen Betreuungsplatz für ihr Kind bekomme. Für sie habe der Jugendamtselternbeirat 24 Kitas angeschrieben: „Davon haben nur drei geantwortet. Das finde ich enttäuschend.“ Der Stadtdienst Jugend hingegen sei in der Regel gut erreichbar.

Um den Bedarf zu decken, will die Stadt 700 weitere Plätze schaffen. 150 davon gibt es bereits in „Vorläufergruppen“: Weil die neuen Kitas noch gar nicht gebaut sind, werden die Kinder übergangsweise an anderen Standorten betreut. Derzeit gibt es fünf solcher Gruppen, zwei weitere sollen im Oktober starten. Sie werden später in die geplanten fünf neuen Kitas umziehen. An der Schwanenstraße (städtisch), der Wuppertaler Straße, am Goldberger Weg und am Argonner Weg (Arbeiterwohlfahrt) sollen viergruppige Einrichtungen entstehen, an der Schwabenstraße sogar eine Kita mit sechs Gruppen. Für drei der neuen Kindergärten gibt es noch keinen Träger. Diese will die Stadt in einem Ausschreibungsverfahren ermitteln.

Solingen habe im Kita-Bereich eine große Trägervielfalt, lobt Gabriele Racka-Watzlawek (CDU), Vorsitzende des Jugendhilfeausschusses. „Ich ermuntere alle Träger, weitere Kitas in Angriff zu nehmen.“ Racka-Watzlawek sieht den Ausbau auf einem guten Weg. „Aber natürlich müssen wir noch mehr tun.“ So müsse etwa sichergestellt werden, dass Alleinerziehende einen Kitaplatz finden.

Neues Kindergartenjahr

Einrichtungen: In Solingen gibt es 95 Kitas.

Regelbetrieb: Seit Montag gilt wieder der Regelbetrieb in den Kindertagesstätten. Die Betreuungszeiten konnten auf maximal 45 Wochenstunden ausgeweitet werden.

Betreuungszeit: Eine Betreuungszeit von 25 Wochenstunden wird laut Stadt nur noch von sieben Prozent der Eltern nachgefragt, das 45-Stunden-Kontingent von 55,3 Prozent.

Rechtsanspruch: Ab Vollendung des ersten Lebensjahres gibt es den Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz. Die Stadt plant, für 42 Prozent der unter Dreijährigen künftig einen Platz anzubieten.

Standpunkt: Ausbau muss weitergehen

Von Anja Kriskofski

anja.kriskofski@solinger-tageblatt.de

Das Zittern beginnt schon in der Elternzeit. Wer nach der Geburt seines Kindes in den Job zurückkehren möchte, braucht einen Betreuungsplatz in einer Kita oder in der Tagespflege. Doch davon hat Solingen nicht genug. Den Mangel gibt es nicht nur bei den Jüngsten. Oft sind es gerade Kinder ab drei Jahren, für die sich schwer ein Kitaplatz finden lässt – trotz des Rechtsanspruchs. Denn wer sein Kind früh in die Kita gibt, hat den Platz bis zum Schuleintritt sicher. Wer später kommt, hat oft das Nachsehen, weil die Ü3-Plätze dann von denen besetzt sind, die schon als Kleinkind gekommen sind. Zudem bekommen die Träger höhere Pauschalen für die Jüngeren.

Die Stadt hat in den vergangenen Jahren viel dafür getan, um mehr Betreuungsplätze anzubieten. Neue Kitas wurden gebaut, Tagespflegepersonen wurden angeworben. Und der Ausbau soll weiter gehen. Damit kann sich Solingen im Vergleich tatsächlich sehen lassen. Doch mit neuen Kitas ist es nicht getan. Aus Kindergartenkindern werden Grundschüler, die nachmittags ebenfalls Betreuung brauchen. Nicht nur bei den Kitas, auch an den Grundschulen muss deshalb investiert werden.

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