Zuwachs von Notfallpatienten

Telefonaktion am Donnerstag: Bluthochdruck ist ein Warnsignal - Mediziner geben Rat

Über den Zusammenhang von Bluthochdruck und Schlaganfällen klären Neurologe Dr. Ulrich Bock (links) und Dr. Michael Schmitz, Leiter des Departments für Nephrologie am Klinikum, Patienten am Donnerstag bei einer Telefonaktion auf. Foto: Christian Beier
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Über den Zusammenhang von Bluthochdruck und Schlaganfällen klären Neurologe Dr. Ulrich Bock (links) und Dr. Michael Schmitz, Leiter des Departments für Nephrologie am Klinikum, Patienten am Donnerstag bei einer Telefonaktion auf.

Klinikum bietet Telefonaktion zum Risiko von Bluthochdruck an. In der Pandemie scheuten viele Menschen den Arztbesuch.

Von Anja Kriskofski

Solingen. In der Corona-Pandemie haben viele Menschen den Gang zum Arzt gescheut. Vor allem während des Lockdowns seien Notfalleingriffe deutlich zurückgegangen, erklärt Karin Morawietz, Pressesprecherin des Städtischen Klinikums. Jetzt ist offenbar folgender Trend zu beobachten: „Die Folgen dieser Entwicklung zeigen sich seit einigen Wochen insbesondere in der Zentralen Notfallambulanz, wo wir einen steten Zuwachs von Notfallpatienten mit schwerwiegenden internistischen Erkrankungen verzeichnen.“ Umso wichtiger sei Vorsorge: Mit einer Telefonaktion klären Klinikum-Ärzte am Donnerstag über Bluthochdruck auf, einer der Risikofaktoren für Schlaganfälle. Auch die Zahl der Schlaganfall-Patienten war laut Morawietz während der Pandemie zeitweise zurückgegangen.

Klinikum Solingen: TIA und Schlaganfall - Das könnten Warnsignale sein

„Gerade im Lockdown hatten Patienten eine deutlich höhere Schwelle, ins Krankenhaus zu kommen“, bestätigt Privatdozent Dr. Michael Schmitz, Leiter des Departments Nephrologie am Klinikum. So hätten viele eine transitorische ischämische Attacke (TIA), eine Vorstufe des Schlaganfalls, einfach ausgesessen. Dabei träten Sehstörungen, Sprachstörungen oder Lähmungen in milderer Form als beim Schlaganfall auf, erläutert Neurologe Dr. Ulrich Bock.

Nach einer TIA steigt das Schlaganfall- und Todesrisiko

„Diese Symptome bilden sich innerhalb von 24 Stunden wieder zurück.“ Es sei dennoch wichtig, sich nach einer TIA medizinisch untersuchen und behandeln zu lassen. Denn das Risiko, das darauf irgendwann ein Schlaganfall folgt, sei statistisch erhöht, betont Bock. Bei einem zweiten Schlaganfall sei auch die Sterblichkeit höher, so Schmitz: „Und wer überlebt, ist häufig schwerer betroffen und viele Jahre eingeschränkt.“

Mit ihrer Telefonaktion wollen die beiden Ärzte auf den Zusammenhang zwischen Bluthochdruck und Schlaganfällen aufmerksam machen. „Viele Menschen bemerken den Hochdruck nicht“, erklärt Schmitz. Dabei leide die Hälfte der Bevölkerung in Deutschland daran. „Bei den über 70-Jährigen sind es drei von vier Patienten.“ Nur die Hälfte von ihnen wisse um den eigenen Bluthochdruck. „Wiederum nur die Hälfte davon ist in richtiger Behandlung.“ Nicht behandelter Bluthochdruck führe jedoch zu Gefäßverkalkung.

Auch aus der St. Lukas-Klinik kommt der dringende Appell, sich bei Beschwerden an den Haus- oder Facharzt zu wenden. „Wir merken weiterhin, dass die Patientinnen und Patienten zurückhaltend sind“, erklärt Pressesprecherin Cerstin Tschirner auf Anfrage. „In der Neurologie sehen wir weniger leichte Schlaganfälle oder die Vorboten vorübergehender neurologischer Ausfälle – dabei könnte man dort oft einen schweren Schlaganfall verhindern, weil man die Ursache kennt und beheben kann.“ In der St. Lukas Klinik gibt es eine Stroke Unit, ein auf die Behandlung von Schlaganfällen spezialisiertes, überregionales Zentrum.

Patienten kommen erst, wenn sie den Schmerz nicht mehr aushalten

Auch in anderen Abteilungen der Klinik gelte immer noch: „Die Patientinnen und Patienten kommen später mit weiter fortgeschrittenen Krankheiten“, sagt Tschirner. Das betreffe nicht nur die Onkologie und Tumorchirurgie, sondern auch andere Bereiche. „Patienten kommen erst in die Klinik – oder in die niedergelassenen Praxen –, wenn sie es vor Schmerzen nicht mehr aushalten können. Bei einer entzündeten Gallenblase kann dann zum Beispiel die Entzündung auf das Bauchfell übergreifen und zu Funktionsstörungen von Leber, Niere oder Lunge führen – was wiederum zu größeren Operationen mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit von Komplikationen führt.“

In der ZNA des Klinikums gebe es einen steten Zuwachs von Notfallpatienten unter anderem mit chronischen Lungenerkrankungen, berichtet Karin Morawietz. Auch Operationen wegen akuter Gallenblasenentzündungen gebe es verstärkt. Dass internistische und chirurgische Eingriffe während der Pandemie aufgeschoben worden seien, führe nun zu einer Welle.

Telefonaktion

Termin: Dr. Michael Schmitz und Dr. Ulrich Bock beantworten am Donnerstag, 28. Oktober, von 14 bis 17 Uhr Patientenfragen am Telefon. Schmitz ist unter Tel. (0152) 22 52 22 16 erreichbar, Bock unter Tel. (0152) 22 52 25 96.

Themen: Die Experten beantworten Fragen zu Bluthochdruck und Schlaganfall.

Bluthochdruck: Den Blutdruck könne jeder leicht zuhause messen. Behandelt werden sollte Hochdruck ab einem Wert von 140 zu 90 (gemessen in einer Praxis).

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