Erfahrungsbericht

Mediziner bringt Spenden ins Flüchtlingscamp Moria

Mit dem Ultraschallgerät, das aus Solinger Spenden finanziert wurde, untersucht Dr. Christoph Zenses einen Patienten. Foto: Zenses
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Mit dem Ultraschallgerät, das aus Solinger Spenden finanziert wurde, untersucht Dr. Christoph Zenses einen Patienten.

Dr. Christoph Zenses hat auf Lesbos geholfen. Dort spitzt sich die Lage zu.

Von Anja Kriskofski

Solingen. Seit einer Woche ist Dr. Christoph Zenses zurück aus Lesbos. Der Solinger Mediziner hat dort eine Woche im Camp Moria Flüchtlinge behandelt. Inzwischen könnte er dort nicht mehr arbeiten, hat er gestern erfahren. Auf der griechischen Insel hat sich die Lage dramatisch zugespitzt. Einheimischen reagieren mit Wut und Gewalt auf die weiter steigenden Flüchtlingszahlen. „Die Stimmung kippt“, erzählt Zenses. Seit gestern kämen Ärzte und andere Mitarbeiter von Nichtregierungsorganisationen nicht mehr ins Camp, weil Zufahrten blockiert seien. 

Der Solinger Internist hat im Februar bereits zum vierten Mal medizinische Hilfe im Camp Moria geleistet. Rund 20 000 Menschen seien inzwischen dort untergebracht. „Es ist ein richtiges Horrorcamp.“ Während seines Aufenthalts habe er sich auch mit Einheimischen unterhalten, berichtet Zenses. „Ich verstehe die Bevölkerung schon. Die Menschen zeigen: Wir schaffen das nicht mehr.“ Die Inseln könnten die Ankunft so vieler Flüchtlinge nicht allein schultern. Im Camp habe die Enge weiter zugenommen. Seit seinem letzten Einsatz im Herbst 2019 seien noch einmal 6000 Menschen mehr dazugekommen. „Darunter viele Kinder.“ 

Am Donnerstag berichtet Zenses in Merscheid von seinen Erfahrungen 

Unter den Bewohnern breite sich unter anderem Krätze aus. Viele Patienten hätten Fieber, weil sie auf dem Boden schliefen. Der Toilettenbesuch sei nachts fast unmöglich, weil es im Lager stockdunkel sei. Im Medical Center habe er zusammen mit anderen Ärzten rund 200 Menschen pro Tag behandelt, berichtet Zenses. „Morgens ist es vor dem Center schwarz vor Menschen, weil so viele auf Behandlung warten.“ 

Bei seiner Ankunft hatte der Vorsitzende des Vereins „Solingen hilft“ rund 40 000 Euro Spendengelder im Gepäck. Davon werden vor allem Medikamente bezahlt. Die bezieht er von einer Apotheke auf Lesbos. „Da kosten sie genauso viel wie hier, und so können wir die Geschäfte vor Ort unterstützen.“ 

Weil viele der Spender aus Solingen vor allem den Kindern im Lager helfen wollten, habe der Verein seine Hilfe erweitert. Neben Medikamenten würden nun die ärztliche Versorgung von Schwangeren, Heizlüfter für die großen Zelte, Solarlichter und Schulbildung finanziert. Am Donnerstag berichtet Zenses von seinen Erfahrungen: bei der Veranstaltungsreihe „Talk im Zentrum“ der evangelischen Kirchengemeinde Merscheid.

Donnerstag, 5. März, 19 Uhr, Gemeindezentrum Merscheid, Hofstraße 10 

solingen-hilft.de

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