Erinnerung

Max-Leven-Zentrum: Verein legt die Basis für Gedenkstätte

Vereinsvorsitzende Daniela Tobias (hinten rechts) stellte im Waschhaus Weeg die Arbeit des Max-Leven-Zentrums vor. Foto: Christian Beier
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Vereinsvorsitzende Daniela Tobias (hinten rechts) stellte im Waschhaus Weeg die Arbeit des Max-Leven-Zentrums vor.

Ausstellungs- und Bildungsprogramm des geplanten Max-Leven-Zentrums wird vorgestellt.

  • Verein Max-Leven-Zentrum Solingen bereitet sich auf die Gründung einer Bildungs- und Gedenkstätte vor.
  • Sie soll im Neubau der Stadt-Sparkasse Solingen am Neumarkt entstehen.
  • Die Stadt Solingen soll Träger der Gedenkstätte werden.

Von Philipp Müller

Solingen. Mit großen Schritten bereitet sich der Verein Max-Leven-Zentrum Solingen auf die Gründung einer Bildungs- und Gedenkstätte vor. Sie soll im Neubau der Stadt-Sparkasse Solingen am Neumarkt entstehen. In einer offenen Mitgliederversammlung stellte die Vereinsvorsitzende, Daniela Tobias, im Waschhaus Weeg die Arbeit der vergangenen Monate vor – und die Ziele für das laufende Jahr. Zentral ist dabei eine Ausstellung in der Literatursammlung des Zentrums für verfolgte Künste, die am 7. Mai eröffnet wird und viele Facetten des Widerstands gegen das Nazi-Regime von 1933 bis 1945 beleuchten wird.

Alle Facetten des Widerstands gegen das Nazi-Regime in Solingen

Zu Beginn erklärte Tobias nochmals, wie es zur Gründung des Vereins (siehe unten) gekommen war. Der Neubau der Sparkasse am Neumarkt erfolgt bis 2023 dort, wo früher die Zeitung Bergische Arbeiterstimme ihren Sitz hatte. Auch deren Autor, der Kommunist Max Leven, wohnte in der Nähe. Er wurde in der Pogromnacht 1938 durch örtliche Nazi-Funktionäre in seiner eigenen Wohnung hingerichtet. Es sei mit Bekanntwerden der Neubaupläne der Sparkasse der Wunsch entstanden, die Orte nicht in Vergessenheit geraten zu lassen, erläuterte die Vereinsvorsitzende.

Auch wenn die Bildungs- und Gedenkstätte auf Wunsch des Vereins den Namen von Max Leven tragen soll, sei die Arbeit viel breiter angelegt und nicht auf dessen Schicksal ausgerichtet, erklärte Tobias.

Das wurde bei ihrer Vorstellung der geplanten Ausstellung im Gräfrather Kunstmuseum, dem Sitz des Zentrums für verfolgte Künste, sichtbar. Künftig wird die Stadt Solingen Träger der Gedenkstätte sein.

Konsequent wurde im Stadtarchiv eine Drittelstelle für einen Historiker geschaffen. Armin Schulte, der gerade ein Buch zu verfolgten Solingern des Naziregimes vorlegte, die mit Stolpersteinen gewürdigt werden, soll die Basis für die Gedenkstätte legen. Für die geplante Ausstellung im Gräfrather Kunstmuseum, dem Sitz des Zentrums für verfolgte Künste, trägt der Historiker Stephan Stracke Quellen zusammen, die in Schautafeln ab dem 7. Mai präsentiert werden können.

Diese sollen so gestaltet werden, dass daraus eine Wanderausstellung entsteht. Aus der Landeszentrale für politische Bildung und dem Bundesprogramm „Demokratie leben!“ erhält der Verein jeweils 5000 Euro Förderung für „Und laut zu sagen: Nein“. Der Titel der Rückschau ist ein Zitat des Satirikers Kurt Tucholsky, der 1933 aus dem Reich emigrierte.

Gedenkstättenverein in Solingen entwickelt Führungen und Veranstaltungen

Inhaltlich wird die Schau einen weiten Bogen spannen. So geht es um Widerstand aus der Arbeiterbewegung gegen die Nazis. Aus der Gedenkstätte Esterwegen kommen Werke des Solinger Malers Ernst Walsken, der das Schicksal der „Moorsoldaten“ künstlerisch aufarbeitete. Widerstand in den Kirchen werde Thema sein, Euthanasie, die Judenverfolgung, die der Sinti. Tobias zählte noch ein gutes Dutzend weiterer Aspekte auf.

Außerdem werde die Zusammenarbeit mit Schulen geordnet. Neue Veranstaltungsformen und Stadtführungen sollen entwickelt werden. Und Spenden werden gesammelt, denn die brauche man, um Eigenanteile für weitere Förderungen zu beantragen.

GEDENKZENTRUM

VEREIN Im September 2019 wurde der Verein Max-Leven-Zentrum Solingen gegründet. Er ging aus dem Arbeitskreis Verfolgung und Widerstand in Solingen 1933-1945 hervor. Vorsitzende ist Daniela Tobias, Dr. Ilka Werner, die Superintendentin des Evangelischen Kirchenkreises, ihre Stellvertreterin. Der Verein hat seinen Sitz beim Kirchenkreis. Schriftführer ist der Historiker Dr. Horst Sassin, als Schatzmeister fungiert René Höltken von der Stadt-Sparkasse Solingen.

www.max-leven-zentrum.de

In der Klingenstadt ist der Verein „Bildungs- und Gedenkstätte Max-Leven-Zentrum Solingen“ gegründet worden. Währenddessen arbeitet das Polizeipräsidium Wuppertal daran, das Rheinisch-Bergische Zentrum für Polizeigeschichte aufzubauen. Eine lebendige Diskussion über das Wie zur Einrichtung einer Solinger Gedenkstätte gab es im Mai 2019 im Forum der Bergischen VHS an der Mummstraße.

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