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Martin Gerschwitz: „Ich bin glücklich, wieder auf Tour zu sein“

Während er früh das Klavier gegen das Keyboard austauschte, spielt Martin Gerschwitz seit seiner Kindheit auch gerne Geige. Ob vor großem oder kleinem Publikum, das sei ihm egal.
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Während er früh das Klavier gegen das Keyboard austauschte, spielt Martin Gerschwitz seit seiner Kindheit auch gerne Geige. Ob vor großem oder kleinem Publikum, das sei ihm egal.

Nach 35 Jahren verlässt Musiker Martin Gerschwitz seine Wahlheimat USA – mit neuen Projekten wagt er den Start in Deutschland.

Von Holger Hoeck

Solingen. Martin Gerschwitz ist zurück – nicht in seiner Heimatstadt Solingen, aber in Deutschland. Nach 35 Jahren in den USA ist er dort mit Beginn der Pandemie an seine finanziellen Grenzen gestoßen. Jetzt lebt er mit seiner Freundin im Saarland, die er 2018 auf einem saarländischen Woodstock-Festival kennengelernt hatte. Den Bezug zur Klingenstadt hat er aber nicht verloren. Noch immer steht er hier auf der Bühne, ob bei der Sommerparty „Echt.Scharf.Solingen“ am vergangenen Wochenende zusammen mit den Rock City Allstars oder in kleinerer Runde im Gasthaus Schaaf.

Die Fanschar des 70-Jährigen ist überschaubar geworden und zählt zu den älteren Semestern. Doch die Stimmung ist prächtig unter den Gästen im Biergarten des Gasthauses. Gerschwitz hat schon vor dem Konzert eine tolle Zeit und kann viele Bekannte und Freunde begrüßen. „Mir ist es egal, wie viele heute dabei sind. Ich bin einfach glücklich, endlich wieder auf Tour sein zu können. Überhaupt machen die Konzerte vor wenigen Besuchern mindestens genau so viel Spaß wie die großen Gigs. Und im ‚Schaaf‘ bin ich ohnehin sehr gerne“, sagt Gerschwitz.

Konzerte des Keyboarders waren und sind stets ein sehr persönliches Ereignis und auch an diesem Abend kehrt er gerne sein Seelenleben nach außen. „Während der Pandemie, in der wir Musiker ja Berufsverbot hatten, habe ich viele Lieder komponiert. Das war wirklich eine schlimme Zeit. Meine Freundin stand mir zum Glück bei und als Dank habe ich für sie auch ein Lied geschrieben.“

„Ganz gleich, ob vor 487 000 oder 40 – die Musik steht im Vordergrund.“

Martin Gerschwitz

Als Sohn musikalischer Eltern – der Vater Kirchenmusikdirektor, die Mutter Flötenlehrerin – de facto gezwungen, ein Instrument erlernen zu müssen, spielt er als Kind zunächst Klavier und Geige. Doch schon bald wird er von der Rockmusik gepackt. „Weihnachten 1968 schenkte mir mein Bruder Peter eine LP von The Nice, der Band von Keith Emerson und Vorgänger von Emerson, Lake & Palmer. Seitdem wusste ich, dass ich Keyboarder werden wollte.“ Erste Bandgründungen und ein Sieg beim vom ST ausgerichteten Wettbewerb „Show ’72“ folgten, bevor Gerschwitz Mitglied der Band The Persons wurde, die als Begleitband von Howard Carpendale fünf Jahre Bekanntheit erlangte.

Schließlich gelingt es dem zweimal verheirateten (und geschiedenen) Musiker, Mitglied von Profi-Bands zu werden – erst bei The Twigg, dann bei Break Point. 1985 fliegt der Keyboarder in die USA, um dort eine Agentur für seine Band zu finden. Mit einer Zusage wieder zurück, muss er jedoch feststellen, dass der Rest der Band gar nicht über den großen Teich möchte. „Da hab ich den Entschluss gefasst, alleine in die Staaten zu gehen.“

Bald darauf steht er im Vorprogramm von Bon Jovi und wird sogar ins Hauptkonzert gehievt, als der Keyboarder ins Krankenhaus muss. Gerne erinnert sich Gerschwitz auch an die knapp sechs Jahre mit der Walter Trout Band, mit der er sechs CDs produziert und großartige Konzerte spielt. „Das Allergrößte war ein Auftritt auf einem Festival in einem Rotterdamer Park, wo wir nachher erfuhren, dass 487 000 Besucher dabei waren. Der absolute Wahnsinn!“

„Seit 2008 bin ich zudem mit einer eigenen Band und auch solo unterwegs. Inzwischen habe ich auch ein Buch über mein Musikerleben geschrieben“, ergänzt der langhaarige Keyboarder.

Im „Schaaf“ ist der Vollblut-Keyboarder nach wenigen Minuten in seinem Element und bildet eine harmonische Einheit mit seinen Instrumenten. Und wie das Publikum hat auch Gerschwitz große Freude, hier und jetzt spielen zu können. „Ganz gleich, ob vor 487 000 oder 40 – die Musik steht im Vordergrund. Und der Funke zum Publikum muss überspringen. Das ist mir wichtig und hier zweifellos gegeben. Deshalb spiele ich gerne hier und komme auch bestimmt wieder zurück.“

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