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Manfred Krause ist ein Grüner der ersten Stunde

Als früherer Mitarbeiter des Industriemuseums Gesenkschmiede Hendrichs fühlt sich Manfred Krause mit dem Waschhaus Weegerhof – einer Außenstelle des Museums – verbunden. Foto: Michael Schütz
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Als früherer Mitarbeiter des Industriemuseums Gesenkschmiede Hendrichs fühlt sich Manfred Krause mit dem Waschhaus Weegerhof – einer Außenstelle des Museums – verbunden.

Nach 36 Jahren verabschiedet sich ein „Generalist“ aus der Politik.

Von Andreas Tews

Solingen. Auch wenn es in den vergangenen vier Jahren etwas ruhiger um Manfred Krause geworden ist, war er zumindest bei den Grünen noch immer eines der politischen Schwergewichte. Er ist der letzte noch Aktive, die beim ersten Einzug der Grünen in den Stadtrat 1984 dabei waren. In diesen 36 Jahren war er in vielen Fachausschüssen des Rates aktiv, war mehr als vier Jahre Fraktionssprecher und zuletzt Aufsichtsratsvorsitzender der Stadtwerke. Jetzt scheidet Krause aus der Kommunalpolitik aus – wohl endgültig. Noch einmal zurückzukommen, sei nicht Teil seiner Lebensplanung, erklärt der 66-Jährige.

Neben Krause verlassen Ende Oktober parteiübergreifend 33 weitere Politiker den Rat. Viele haben sich bewusst selbst dazu entschieden, andere scheiterten bei parteiinternen Auswahlverfahren oder als Kandidaten bei der Kommunalwahl am 13. September. Bei Krause trug unter anderem das bei den Grünen übliche Rotationsprinzip zu seinem Rückzug bei, nach dem jeder Politiker eine Pause im Rat einlegen muss, wenn er zwei Wahlperioden dabei war.

So legte auch Krause in den vergangenen 36 Jahren zwei Ratspausen ein. Der Fraktion der Grünen gehörte er von 1984 bis 1989, 1994 bis 2004 und von 2009 bis 2020 an. Jetzt komme der „deutliche Schnitt“. Abgesehen von einem wahrscheinlichen Engagement im Regionalrat der Bezirksregierung Düsseldorf will sich Krause politisch nicht mehr einmischen.

„Ich bedauere, dass viele Menschen nicht merken, auf welchem Pfund wir da sitzen.“
Manfred Krause zum O-Bus

Mitgemischt hat er in seinen aktiven Ratsjahren bei vielen Themen, sich selbst bezeichnet er als „Generalist“. Dies sei unter anderem darauf zurückzuführen, dass er einen Schwerpunkt in der Haushaltspolitik habe, die Einfluss auf fast alle Bereiche habe.

Grüne Erfolge sieht er unter anderem in der Verkehrspolitik. So habe man zusammen mit der SPD Straßenbauprojekte wie die Westtangente in Solingen-Mitte, die Westumgehung für Ohligs und die Verlängerung der Viehbachtalstraße verhindert. Hier gab und gibt es teils harte Auseinandersetzungen mit CDU, FDP und BfS. Wäre dies nicht gelungen, so Krause, wären heute weite Teile des Solinger Westens „verlärmt“.

Auch die Rettung des O-Bus-Systems in den 1990er-Jahren führt Krause auf die Initiative der Grünen zurück. Den Widerstand habe der damalige Stadtwerke-Geschäftsführer Wolfgang Osenroth unterschätzt, befindet Krause heute. Spätestens jetzt, in Zeiten, in denen die Elektromobilität an Bedeutung gewinne, erweise sich der O-Bus als Glücksfall – nicht zuletzt durch das Batterie-O-Bus-Projekt. Krause: „Ich bedauere, dass viele Menschen nicht merken, auf welchem Pfund wir da sitzen.“ Als weitere positive Vorgänge nennt er den Rückkauf der Stadtwerke sowie den Erhalt der Sengbachtalsperre und des Wasserwerks Glüder.

Nicht spurlos ist der Einschnitt an ihm vorübergegangen, als er 2016 nach internen Auseinandersetzungen als Sprecher der Grünen-Fraktion abtrat. Krause: „So etwas stecken Sie nicht einfach weg.“ Diese Vorgänge stehen aber exemplarisch für den streitbaren Geist des 66-Jährigen. Er wollte nach eigenen Angaben nicht mittragen, dass die Grünen zu sehr in Treue zum SPD-Oberbürgermeister Tim Kurzbach stehen. Zusammen mit anderen Fraktionsmitgliedern trat er für eine unabhängige Politik der Grünen ein. Aus seiner Sicht war dies konsequent. Dennoch, so betont er, war ihm der Austausch mit den anderen Fraktionen wichtig. Krause betont aber: „Man muss öfter auch einmal ,nein‘ sagen.“

Politik mit Pausen

Rotation: Manfred Krause wurde 1984 erstmals in den Stadtrat gewählt. Durch das Rotationsprinzip der Grünen legte er von 1989 bis 1994 und von 2004 bis 2009 politische Pausen ein.

Fachpolitiker: Während seiner fünf Wahlperioden im Rat gehörte er dem Finanzausschuss an. Auch im Werksausschuss und später im Aufsichtsrat der Stadtwerke gehörte er zum Stammpersonal.

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